Barrierefreiheit, Vorgaben

Barrierefreiheit: Deutsche Unternehmen erfüllen nur 49% der Vorgaben

01.07.2026 - 12:10:38 | boerse-global.de

Ein Jahr nach BFSG-Inkrafttreten erfüllen deutsche Unternehmen im Schnitt nur die Hälfte der Vorgaben. Eine neue Abmahnwelle droht.

BFSG: Deutsche Firmen erfüllen nur 49% der Barrierefreiheitsvorgaben
Barrierefreiheit - Ein modernes, barrierefreies Büro mit Menschen, die an höhenverstellbaren Schreibtischen arbeiten, Rollstuhlrampen und breiten Türen. 01.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Deutsche Unternehmen erfüllen im Schnitt nur 49 Prozent der geforderten Barrierefreiheitskriterien. Besonders häufig fehlen Alternativtexte für Bilder, Linkbeschriftungen oder die Tastaturbedienbarkeit.

Die Marktüberwachungsstelle MLBF prüft mit über 70 Mitarbeitern die Einhaltung der Vorgaben – reaktiv und aktiv. Parallel hat sich eine zweite Welle professioneller Abmahnungen entwickelt. Diese stützen sich zunehmend auf förmliche Prüfberichte. Die Forderungen belaufen sich oft auf rund 1.780 Euro Anwaltskosten plus 490 Euro für den Prüfbericht.

Plugins reichen nicht

Experten warnen: Einfache Besucher-Plugins für Websites beseitigen die Kernbarrieren meist nicht rechtssicher. Während Großkonzerne und der Bildungssektor bei der Umsetzung führen, hinken kleine und mittlere Unternehmen sowie die Tourismusbranche hinterher.

Erfolgsmodelle für Inklusion

Trotz der regulatorischen Hürden gibt es funktionierende Praxismodelle. Körber Technologies in Hamburg-Bergedorf setzt seit 2022 auf ein flexibles Inklusionssystem: DUOday, Praktika und ausgelagerte Arbeitsgruppen, die in tariflich abgesicherte Festanstellungen münden können. „Das System muss sich den individuellen Bedürfnissen der Beschäftigten anpassen“, betont Carsten Schmela von der Konzernschwerbehindertenvertretung.

In Regensburg zeigt das Hotel Includio, dass Inklusion auch in personalintensiven Branchen funktioniert. Rund 40 Prozent der Belegschaft haben eine Behinderung. Das Hotel schafft barrierefreie Arbeitsplätze, die auch nach schweren gesundheitlichen Einschnitten die Rückkehr in den Beruf ermöglichen.

Berliner Fachstelle berät

Die Landesfachstelle für Barrierefreiheit in Berlin, betrieben von Sozialhelden e.V., ist seit November 2025 im Auftrag der Senatsverwaltung aktiv. Mit jährlich 450.000 Euro gefördert, hat sie bereits über 50 Beratungen durchgeführt – etwa für die Stadtbibliothek Pankow oder VisitBerlin. Senatorin Cansel Kiziltepe informierte sich Ende Juni über die Arbeit.

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Deutsche Unternehmen erfüllen im Schnitt nur 49% der Barrierefreiheitsvorgaben – und riskieren damit professionelle Abmahnungen mit Kosten bis zu 2.270 Euro. Einfache Plugins reichen rechtssicher nicht aus. Dieser kostenlose Report zeigt Ihnen die 10 kritischen BFSG-Kriterien und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Abmahnprävention. Jetzt BFSG-Präventionsreport anfordern

Stärkere Rechte für Arbeitnehmer

Das Sozialgericht Berlin stärkte die Position von Arbeitnehmern mit einem Grad der Behinderung (GdB) von 30. Die Gleichstellung mit schwerbehinderten Menschen ist demnach auch gerechtfertigt, wenn der Arbeitsplatz durch betriebliche Veränderungen gefährdet ist. Ein Maschinenbediener der Bosch AG hatte gegen die Ablehnung seines Gleichstellungsantrags geklagt – ein Unternehmensverkauf stand bevor.

300 Millionen für Wohnraum

Zum 1. Juli startet das Bundesförderprogramm „Gewerbe zu Wohnen“. Mit 300 Millionen Euro allein 2026 soll der Umbau leerstehender Büro- und Gewerbeflächen unterstützt werden. Unternehmen erhalten bis zu 30.000 Euro pro Wohneinheit, maximal 300.000 Euro pro Investor. Voraussetzung: das energetische Niveau EH 85 EE. Allein in Nordrhein-Westfalen fehlen schätzungsweise 376.000 Wohnungen, so das Pestel-Institut.

KI als Chance und Risiko

Parallel treiben Technologieanbieter die digitale Barrierefreiheit durch künstliche Intelligenz voran. Zum 1. Juli startet Zoom Spaces, das die Zusammenarbeit in Büroräumen optimieren soll. Der DBSV-Verbandstag 2026 forderte in einer Resolution: KI-Anwendungen müssen von Grund auf barrierefrei sein. Zudem brauche es bessere Unterstützung für taubblinde Menschen. In Bayern ist ab Juli ein Taubblindengeld von 1.618 Euro pro Monat vorgesehen.

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Die Marktüberwachungsstelle MLBF prüft mit über 70 Mitarbeitern – reaktiv und aktiv. Gleichzeitig steigt die Zahl professioneller Abmahnungen auf Basis förmlicher Prüfberichte. Wer jetzt nicht handelt, zahlt bis zu 1.780 Euro Anwaltskosten plus 490 Euro Prüfbericht. Dieser Report liefert Ihnen eine konkrete Checkliste und den Kontakt zur kostenlosen Erstberatung durch die Landesfachstelle. Abmahnrisiko jetzt minimieren

Direkter Austausch in Potsdam

Der „Inklusive Kaffeeklatsch“ am 17. September 2026 in der IHK Potsdam bringt Betriebe mit arbeitssuchenden Menschen mit Beeinträchtigungen zusammen. Interessierte Unternehmen können sich bis Mitte Juli anmelden.

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