BaFin-Eingriff: Geschäftsleitung der Berenberg Bank sofort entbunden
23.06.2026 - 18:23:43 | boerse-global.de
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) entband die dreiköpfige Geschäftsleitung der Hamburger Berenberg Bank mit sofortiger Wirkung von ihren Aufgaben. Grund sind mutmaßliche Verstöße gegen die Grundsätze ordnungsgemäßer Geschäftsführung bei Markttransaktionen. Auch der langjährige CEO Hendrik Riehmer ist betroffen.
Bilanzmanipulation im Fokus
Im Zentrum der Aufsichtsentscheidung stehen Unstimmigkeiten bei der Bewertung von Eigenhandelsgeschäften im Jahresabschluss 2025. Ermittler prüfen Aktientermingeschäfte, bei denen die Bank durch spätere Rückerwerbe offenbar das Eigenkapital künstlich aufgebessert haben soll. Zusätzlich untersuchen die Behörden Transaktionen rund um eine Wandelanleihe des Unternehmens Tonies sowie Umstrukturierungen bei der Gesellschaft Ipacopa.
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Die Prüfberichte von Deloitte und EY lieferten unterschiedliche Bewertungen dieser Vorgänge. Während Deloitte den Eigenhandel kritisch beurteilte, gab es interne Konflikte über die korrekte Bilanzierung. Ein geplantes Investment in den Stablecoin-Anbieter Tether stieß bankintern auf Widerstand der Compliance-Abteilung – was zum Ausscheiden der zuständigen Compliance-Chefin geführt haben soll.
Altbekannte Gesichter übernehmen
Um den Geschäftsbetrieb zu sichern, setzte die BaFin Sonderbeauftragte ein. Hans-Walter Peters, ein früherer Partner des Hauses, kehrt gemeinsam mit Michael Horf zurück, um die Leitung vorerst zu übernehmen. Die Suche nach einer dauerhaften Lösung läuft bereits.
Trotz des massiven Eingriffs: Die Bank hat keine akuten Liquiditäts- oder Kapitalprobleme. Der Jahresabschluss für 2025 liegt noch nicht vor, das Institut rechnet mit einem Gewinn von rund 20 Millionen Euro. Für das erste Halbjahr 2026 erwartet Berenberg sogar eine deutliche Steigerung auf etwa 40 Millionen Euro.
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Druck auf Führungsetagen wächst
Der Fall Berenberg reiht sich ein in eine Serie von Aufsichtsverfahren. Am Landgericht München II laufen aktuell Urteile in langjährigen Finanzskandalen wie dem Bistum Eichstätt. Auch die Wirecard-Aufarbeitung bleibt Thema – ein Urteil vor Jahresende 2026 scheint möglich.
Im Industriesektor geraten Führungsetagen ebenfalls unter Druck. Beim Sportwagenhersteller Porsche sah sich das Management auf der Hauptversammlung massiver Kritik ausgesetzt. Der Gewinn brach im Geschäftsjahr 2025 um rund 91 Prozent auf 310 Millionen Euro ein. Weitreichende Restrukturierungen und ein geplanter Stellenabbau sind die Folge.
