Ausbildungsvergütung, Euro

Ausbildungsvergütung: 441 Euro mehr in Tarifbetrieben

Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 13:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ausbildungsgehälter unterscheiden sich stark nach Branche, während Förderungen den Vorsorgebeginn erleichtern und hohe Abbruchquoten den Markt belasten.

Ausbildungsvergütung und Vorsorge: Was Berufseinsteiger wissen sollten
Ein heller, moderner Ausbildungsraum mit leeren Schreibtischen und großen Fenstern in einer sachlichen, professionellen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Mit dem Start des neuen Ausbildungsjahres erhalten tausende junge Menschen in Deutschland erstmals eine eigene Vergütung. Der Schritt in die Arbeitswelt bringt neben neuer Freiheit auch finanzielle Eigenverantwortung und die Frage nach der Altersvorsorge mit sich.

Deutliche Unterschiede bei der Ausbildungsvergütung

Die Höhe des ersten Gehalts hängt stark von Branche und Tarifbindung ab. Der Lebensmittelhändler Norma begrüßte im August über 1.000 neue Auszubildende und zahlt im ersten Lehrjahr 1.350 Euro – im dritten Jahr steigt die Vergütung auf 1.550 Euro, ergänzt um Urlaubs- und Weihnachtsgeld.

Bei der Sparkasse am Niederrhein starteten im September 19 angehende Bankkaufleute mit 1.418 Euro brutto im ersten Jahr plus 80 Euro Sozialleistungen. In Kooperation mit dem Autohaus Minrath, das ebenfalls 15 Auszubildende aufnahm, lernen die Nachwuchskräfte dort auch moderne Antriebstechnologien wie Elektromobilität kennen.

Diese Beträge liegen deutlich über der gesetzlichen Mindestausbildungsvergütung von 724 Euro im ersten Lehrjahr. Für die Folgejahre steigt das Minimum auf 854, 977 und schließlich 1.014 Euro im vierten Jahr.

Eine Auswertung der Hans-Böckler-Stiftung zeigt: Auszubildende in tarifgebundenen Betrieben verdienen im Schnitt 441 Euro mehr als das gesetzliche Minimum. Spitzenreiter sind Pflegeberufe im öffentlichen Dienst mit 1.491 Euro im ersten Jahr – in der Floristik oder im Friseurhandwerk liegt die Vergütung dagegen oft unter 1.000 Euro.

Staatliche Förderung für den Vorsorge-Start

Experten raten Berufseinsteigern, früh mit der Vermögensbildung zu beginnen. Albrecht Luz von der LBS empfiehlt vermögenswirksame Leistungen (VL): Bis zu 40 Euro monatlich lassen sich damit ansparen, der Staat gibt unter bestimmten Einkommensgrenzen eine Arbeitnehmersparzulage von 9 Prozent auf maximal 470 Euro jährlich dazu.

Für Alleinstehende liegt die Einkommensgrenze bei 40.000 Euro. Zusätzlich winkt eine Wohnungsbauprämie von 10 Prozent auf Einzahlungen bis 700 Euro – sofern das Einkommen 35.000 Euro nicht übersteigt.

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Ab 2027 soll ein neues Altersvorsorgedepot die Riester-Förderung ablösen. Vorgesehen ist eine Grundzulage von bis zu 540 Euro bei einem Eigenbeitrag von 1.800 Euro. Berufseinsteiger unter 25 Jahren erhalten zusätzlich einen einmaligen Bonus von 200 Euro – bestehende Riester-Verträge genießen Bestandsschutz.

Das Interesse an privater Vorsorge ist groß: 52 Prozent der Befragten einer DIA-Umfrage würden bei 100 Euro monatlichem Mehrbetrag verstärkt privat vorsorgen. Bei den 18- bis 29-Jährigen liegt die Bereitschaft sogar bei 65 Prozent.

Herausforderungen am Ausbildungsmarkt

Trotz attraktiver Vergütungen kämpft der Ausbildungssektor mit strukturellen Problemen. Das Bundesinstitut für Berufsbildung verzeichnet für 2024 eine Abbruchquote von 30 Prozent – rund 159.000 Verträge wurden vorzeitig gelöst. In Ostdeutschland lag die Quote mit 31,1 Prozent leicht über dem Schnitt.

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Wirtschaftsverbände wie die DIHK bemängeln Defizite bei schulischen Grundkenntnissen und Sozialverhalten. Der DGB verweist dagegen auf hohe psychische Belastungen: Jeder zweite Auszubildende fühlt sich durch die Anforderungen überfordert.

Für 2027 erweitern Betriebe bereits ihr Angebot: Das Forschungszentrum Jülich bietet künftig eine zweijährige Ausbildung zur Fachkraft für Gastronomie nach Tarifvertrag des Bundes – inklusive flexibler Arbeitszeiten und betrieblicher Altersvorsorge.

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