Ausbildungsberufe: Bundesrat fordert weniger als 328 staatlich anerkannte Berufe
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 03:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Bundesrat hat am 25. September 2026 die Bundesregierung dazu aufgefordert, die Gesamtzahl der aktuell bundesweit 328 staatlich anerkannten Ausbildungsberufe spürbar zu reduzieren. Nach dem Willen der Länderkammer soll das System der dualen Ausbildung übersichtlicher und moderner strukturiert werden.
Die Initiative sieht unter anderem vor, thematisch und fachlich verwandte Berufsbilder zusammenzulegen. Insbesondere das Land Sachsen drängt darauf, eng beieinanderliegende Ausbildungsberufe zu bündeln, um Ausbildungsgänge zu straffen und die Attraktivität für Jugendliche sowie Ausbildungsbetriebe zu erhöhen.
Handwerk warnt vor Verlust wichtiger Spezialisierungen
Gegen pauschale Kürzungs- und Bündelungspläne regt sich jedoch Widerspruch aus der betrieblichen Praxis. Die Handwerkskammer Ulm mahnt zur Vorsicht bei einer Vereinheitlichung traditionsreicher oder stark ausdifferenzierter Fachrichtungen.
Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm, warnt vor dem Verlust notwendiger fachlicher Spezialisierungen, sollte es zu einer übereilten Bündelung von Ausbildungsberufen kommen. Eine Vereinheitlichung dürfe nicht dazu führen, dass handwerkliche Kernkompetenzen und spezifische Fertigkeiten nivelliert werden.
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Zugleich betont Mehlich, dass eine solche weitreichende Reform nicht rein politisch oder administrativ verordnet werden dürfe. Die Entscheidung über den Zuschnitt und die Struktur von Ausbildungsberufen müsse zwingend aus der betrieblichen Praxis heraus und im engen Dialog mit den Sozialpartnern getroffen werden.
Nur Unternehmen und Gewerkschaften könnten fundiert beurteilen, welche Kompetenzen künftig in den Werkstätten und auf den Baustellen tatsächlich gebraucht werden.
Wenige Neuverträge in seltenen Ausbildungsberufen
Hintergrund des Vorstoßes der Bundesländer sind nicht zuletzt die teils sehr geringen Ausbildungszahlen in hochgradig spezialisierten Gewerken. Die Situation im Ostalbkreis veranschaulicht diesen Trend: Dort wurde im Jahr 2026 in mehreren Fachrichtungen jeweils nur ein einziger neuer Lehrvertrag abgeschlossen. Dies betraf unter anderem die Ausbildungsberufe Sattler, Oberflächenbeschichter, Straßenbauer, Bestattungsfachkraft sowie die Fachrichtung Verfahrenstechnologie in der Mühlen- und Getreidewirtschaft.
Wenn Berufe über längere Zeiträume hinweg bundes- oder landesweit kaum noch Auszubildende verzeichnen, stellt sich für Berufsschulen und Kammern zunehmend die Frage nach der Tragfähigkeit eigenständiger Klassen und Lehrpläne.
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Gleichzeitig verzeichnet das Handwerk in der Region Ulm eine anhaltende Nachfrage nach Fachkräften über eine breite Palette an Gewerken hinweg. Zum 1. September wurden im gesamten Bezirk der Handwerkskammer Ulm 2971 neue handwerkliche Ausbildungsverträge unterzeichnet. Ausbildungsinteressierten stehen in dem Kammerbezirk mehr als 130 verschiedene handwerkliche Ausbildungsberufe zur Auswahl.
Die anstehenden Beratungen zwischen Bund, Ländern und den Spitzenverbänden der Wirtschaft dürften sich vor allem um den Ausgleich zwischen bürokratischer Vereinfachung und dem Erhalt beruflicher Nischenkompetenzen drehen. Während Befürworter einer Reform eine bessere Orientierung für Schulabgänger und gestärkte Berufsschulstandorte anstreben, pochen die Kammern auf den Erhalt passgenauer Ausbildungsprofile für die betriebliche Praxis.
