Arbeitszeitgesetz: Regierung kippt Acht-Stunden-Tag für 48-Stunden-Woche
12.06.2026 - 10:02:24 | boerse-global.de
Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) kündigte noch für Juni einen Referentenentwurf an, der den starren Acht-Stunden-Tag kippen soll. Stattdessen plant die Regierung eine wöchentliche Höchstarbeitszeit.
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Umstellung auf Wochenarbeitszeit
Der Kern der Reform: Statt täglich maximal acht Stunden zu arbeiten, soll künftig eine wöchentliche Obergrenze von 48 Stunden gelten. Damit setzt Deutschland die EU-Arbeitszeitrichtlinie um.
In der Praxis würde das bedeuten: Einzelne Arbeitstage könnten auf 12 oder sogar 13 Stunden ausgedehnt werden – solange die Wochenarbeitszeit nicht überschritten wird.
Als Ausgleich zur Flexibilisierung plant das Ministerium eine verpflichtende elektronische Arbeitszeiterfassung. Bestehende Schutzvorschriften wie die elfstündige Ruhezeit zwischen zwei Schichten bleiben erhalten. Auch Tarifverträge und Arbeitsverträge sollen unberührt bleiben.
Frühestens Ende 2026 könnte das Gesetz in Kraft treten. Beobachter halten das Frühjahr 2027 für realistischer.
Streit beim Spitzentreffen
Beim Gipfel am 10. Juni im Kanzleramt prallten die Meinungen aufeinander. Neben Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) saßen die Spitzen von Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften am Tisch.
Die Arbeitgeber feierten die Reform als Schritt zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Die Gewerkschaften zeigten sich alarmiert. DGB-Chefin Yasmin Fahimi lehnt die Aufweichung des Acht-Stunden-Tages ab. Auch der Beamtenbund dbb warnt vor übermäßiger Belastung.
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Eine Umfrage des WSI der Hans-Böckler-Stiftung untermauert die Skepsis: Drei Viertel der Beschäftigten fürchten negative Folgen für ihre Work-Life-Balance.
Wissenschaft warnt vor Gesundheitsrisiken
Arbeitsmediziner schlagen Alarm. Studien belegen: Nach der achten Stunde steigt das Unfallrisiko massiv. Ab der zehnten Stunde sinkt die Produktivität deutlich.
Allerdings können Arbeitgeber längere Schichten nicht einfach anordnen. Bestehende Arbeitsverträge oder branchenspezifische Regelungen stehen dem oft entgegen.
In der 24-Stunden-Pflege sehen Fachanwälte dagegen Chancen: Auf Wunsch der Arbeitnehmer könnten längere Schichten legalisiert werden – etwa um die Zahl der wöchentlichen Arbeitstage zu reduzieren.
Koalition sucht Kompromiss
Trotz der Differenzen bezeichneten alle Beteiligten das dreistündige Gespräch als konstruktiv. Neben der Arbeitszeit ging es um Bürokratieabbau, Steuerpolitik und die Zukunft der Sozialversicherungen.
Die Entscheidung fällt am 1. Juli im Koalitionsausschuss. Die Regierung will die Eckpunkte noch vor der parlamentarischen Sommerpause Mitte Juli auf den Weg bringen. Weitere Gespräche mit den Sozialpartnern sind vereinbart – vor allem bei der Arbeitszeitflexibilisierung und der Rentenpolitik.
