Unternehmensstatistik, Destatis

Unternehmensstatistik: Destatis verschlankt 26 Erhebungen auf drei

12.06.2026 - 10:15:29 | boerse-global.de

Das Statistische Bundesamt baut seine Unternehmensstatistiken radikal um. Ab 2027 sinkt der Meldeaufwand für Firmen deutlich.

Destatis Reform: 26 Erhebungen auf drei Kernbereiche reduziert
Unternehmensstatistik - Eine stilisierte, moderne Datenvisualisierung mit verbundenen Knoten und Linien, die einen optimierten Datenfluss darstellt. 12.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das Statistische Bundesamt (Destatis) treibt mit dem „System der Unternehmensstatistiken“ (SysdU) eine grundlegende Neustrukturierung voran. Ziel: bessere Datenqualität bei deutlich weniger Bürokratie.

Ein eigens eingerichtetes Expertengremium kam am 8. und 9. Juni unter Vorsitz von Walter Radermacher zur konstituierenden Sitzung zusammen. Die Weichen für den Umbau sind damit gestellt.

Konsolidierung der Berichtspflichten ab 2027

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Kern der Reform: Künftig gibt es nur noch drei zentrale Erhebungsbereiche. Eine jährliche Strukturstatistik, eine monatliche Konjunkturstatistik und eine jährliche Produktionsstatistik ersetzen die bisherigen 26 Einzelerhebungen.

Erste Entlastungen sind bereits für 2027 vorgesehen. Dann streicht Destatis mehrere nationale Berichtspflichten – etwa im Ausbaugewerbe. Die vollständige Einführung des neuen Systems ist für 2031 geplant.

Schon 2026 startet eine Testerhebung mit über 100 Unternehmen. Sie soll die Praxistauglichkeit der neuen Strukturen prüfen.

Politischer Druck zur Entbürokratisierung

Die Reform kommt nicht von ungefähr. In einer Regierungserklärung am 11. Juni betonte Bundeskanzler Merz die Notwendigkeit, Unternehmen von Bürokratiekosten zu entlasten. Noch vor der Sommerpause will die Regierung ein Reformpaket vorlegen.

Die Wirtschaft drängt auf Tempo. Handwerkspräsident Dittrich forderte konkrete Entlastungen zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit. Der Mittelstandsverband BVMW kritisierte fehlende Ergebnisse aus Spitzengesprächen zwischen Koalition und Verbänden.

Hintergrund: Die Konjunktur stagniert, die Lage bei Unternehmensfortführungen bleibt angespannt.

Wirtschaftlicher Kontext und Nachhaltigkeitsberichterstattung

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Zahlen des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) zeigen den Handlungsbedarf. Im Mai 2026 wurden 1.518 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften registriert. Zwar ein Rückgang zum Vormonat – das Niveau liegt aber deutlich über dem Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019. Besonders betroffen: Verkehr und Lagerei.

Parallel zur Statistikreform verändert sich auch die Unternehmensberichterstattung. Neue Regulierungen wie das österreichische Nachhaltigkeitsberichtsgesetz (NaBeG) treiben den Wandel. Eine KPMG-Analyse von 40 Nachhaltigkeitsberichten der Saison 2025/26 zeigt: Der Umfang sinkt, aber 95 Prozent der Unternehmen greifen teilweise auf Schätzungen zurück.

Initiativen zur Standardisierung von Stammdaten – etwa durch KI-gestützte Onboarding-Lösungen im Logistiksektor – gewinnen deshalb an Bedeutung. Sie könnten helfen, die Effizienz in der betrieblichen Praxis zu steigern.

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