Arbeitszeitgesetz: Referentenentwurf sorgt bei Handwerk für Unruhe
27.06.2026 - 10:09:50 | boerse-global.de
Während das Handwerk vor neuen bürokratischen Hürden warnt, fordern Großkonzerne wie Mercedes-Benz mehr Arbeit bei gleichem Lohn. Und Amazon setzt auf Wearable-Scanner.
Handwerk warnt vor Referentenentwurf
Ein im Juni bekannter Referentenentwurf zur Änderung des Arbeitszeitgesetzes sorgt für Unruhe. Die Handwerkskammer Reutlingen kritisierte am 25. Juni: Die geplanten Regeln seien für kleine und mittlere Unternehmen nicht praxistauglich.
Kammerpräsident Alexander Wälde fordert mehr Flexibilität. Besonders brisant: Abweichungen von gesetzlichen Standards sollen an Tarifverträge gekoppelt werden. Viele Handwerksbetriebe sind aber nicht tarifgebunden – ihnen blieben die Flexibilisierungsmöglichkeiten verwehrt.
Dabei stockt die politische Umsetzung seit Jahren. Das Bundesarbeitsgericht schrieb bereits 2022 die Pflicht zur systematischen Zeiterfassung fest. Der Europäische Gerichtshof fordert objektive und verlässliche Systeme. Passiert ist wenig. Auch die EU-Entgelttransparenzrichtlinie: Ihre Umsetzungsfrist verstrich am 7. Juni 2026 – ohne finale nationale Regelung.
Mercedes-Benz: Mehrarbeit gefordert, Betriebsrat kontert
Im industriellen Sektor eskaliert der Konflikt um die Arbeitszeit. Der Vorstand von Mercedes-Benz wandte sich am 26. Juni per Rundmail an die Belegschaft. Die Forderung: Mehr arbeiten bei gleichem Geld.
Die Gründe der Konzernleitung unter Ola Källenius: hohe Standortkosten, niedrige Werksauslastung, hoher Krankenstand. Die Zahlen untermauern den Druck: Der Konzerngewinn brach 2025 von 10,4 Milliarden Euro auf 5,3 Milliarden Euro ein. Eine Sonderzahlung von 18,4 Prozent eines Monatslohns für rund 90.000 Mitarbeiter wurde auf 2027 verschoben.
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Der Gesamtbetriebsrat wies die Forderung umgehend zurück. Das einseitige Vorgehen der Unternehmensführung sei nicht akzeptabel.
Amazon testet Wearable-Scanner für die Zeiterfassung
Während die Politik ringt, treiben Tech-Konzerne die Digitalisierung voran. Amazon testet in Nordamerika ein System namens „Right Station Link“. Mitarbeiter in Support-Rollen – etwa Wartung und Sicherheit – tragen Wearable-Scanner, die ihre Arbeitszeit automatisch erfassen.
Das Ziel: den Anteil nicht produktiver Stunden senken. Amazon beziffert die Lohnkosten für diese indirekten Arbeiten auf rund 2,8 Milliarden Dollar bei 85 Millionen Stunden. Ein Rollout in Nordamerika ist vor Weihnachten 2026 geplant. Wichtig: Das System misst nicht die individuelle Produktivität, sondern dokumentiert nur die Zeitpräsenz.
Auch der Mittelstand modernisiert. Die DID Group schloss am 26. Juni ein sechsmonatiges Transformationsprojekt ab. Dank einer neuen Plattform auf Basis von Microsoft Fabric und Azure sind nun Echtzeit-Auswertungen zur Anlagenauslastung möglich.
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Digitale Lösungen: Weniger Fehler, mehr Rechtssicherheit
Warum der Aufwand? Manuelle Zeiterfassung per Excel oder Stundenzettel birgt erhebliche Risiken. Die Übertragungsfehlerquote liegt bei drei bis fünf Prozent. Digitale Systeme versprechen revisionssichere Dokumentation und DSGVO-Konformität.
Moderne Lösungen bilden komplexe Kollektivverträge ab und integrieren sich in Lohnabrechnungssysteme. Mobile Apps erlauben standortunabhängige Buchungen – ein klarer Vorteil für mobile Arbeitswelten.
In Österreich ist die Arbeitszeiterfassung bereits gesetzlich verpflichtend. Digitale Systeme gelten dort als Compliance-Faktor und Wettbewerbsvorteil für den Mittelstand. Sie senken den Verwaltungsaufwand und schaffen Transparenz in Echtzeit.
