Arbeitszeitgesetz, Koalition

Arbeitszeitgesetz: Koalition plant Arbeitstage bis 13 Stunden

30.05.2026 - 05:30:52 | boerse-global.de

Die Koalition plant eine Reform des Arbeitszeitgesetzes mit flexibleren täglichen Höchstgrenzen bis zu 13 Stunden.

Arbeitszeitgesetz: Koalition plant Arbeitstage bis 13 Stunden - Foto: über boerse-global.de
Arbeitszeitgesetz: Koalition plant Arbeitstage bis 13 Stunden - Foto: über boerse-global.de

Statt täglicher Höchstgrenzen soll künftig die wöchentliche Arbeitszeit zählen. Arbeitstage von bis zu 13 Stunden wären dann möglich.

Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) kündigte an, bis Ende Juni einen Gesetzentwurf vorzulegen. Die tägliche Arbeitszeitbegrenzung, die seit 1918 besteht, soll flexibler werden. Aktuell liegt die Grenze bei acht Stunden, unter bestimmten Bedingungen bei zehn. Künftig könnte sie auf 13 Stunden steigen – solange die durchschnittliche Wochenarbeitszeit die EU-Obergrenze von 48 Stunden nicht überschreitet.

Anzeige

Angesichts der geplanten Reformen und des EuGH-Urteils wird die korrekte Dokumentation der Stunden für Unternehmen immer komplexer. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie die gesetzliche Pflicht zur Arbeitszeiterfassung rechtssicher umsetzen und Bußgelder vermeiden. Gratis-Checkliste zur Arbeitszeiterfassung jetzt herunterladen

Arbeitgeber jubeln – Gewerkschaften warnen

Arbeitgeberpräsident Dulger fordert eine schnelle Umsetzung. Die Wirtschaft brauche flexible Modelle für eine dienstleistungsorientierte Arbeitswelt. Auch IW-Direktor Michael Hüther betont: „Moderne Arbeitsformen erfordern andere Zeitausgleiche.“ Sein Kollege Oliver Stettes schlug am 29. Mai vor, die Flexibilisierung zunächst auf Bürobeschäftigte zu beschränken.

Ganz anders sehen das Gewerkschaften und Wissenschaftler. DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel warnte: „Eine Lockerung belastet die Beschäftigten massiv.“ Langfristig drohten Schäden im Gesundheitssystem und in der Wirtschaft. Längere Arbeitstage erhöhten das Krankheitsrisiko und führten zu unbezahlten Überstunden. NGG-Chef Guido Zeitler spricht von einem Rückschritt und befürchtet willkürliche Einsatzplanung.

Unfallrisiko steigt exponentiell

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) untermauert die Bedenken mit Daten. Dr. Johannes Wendsche erklärt: „Ab der achten Arbeitsstunde steigt das Unfallrisiko exponentiell.“ Regelmäßige Pausen seien essenziell. Empfohlen werden fünfminütige Bewegungspausen alle 30 Minuten.

Besonders kritisch ist die Lage in Gesundheitsberufen. Studien zeigen: Dort fallen aktuell 40 bis 50 Prozent der gesetzlich vorgeschriebenen Pausen aus.

Arbeitnehmer wollen kürzere Tage – nicht längere

Die Reformpläne laufen den Wünschen vieler Beschäftigter diametral entgegen. Eine Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit zeigt: 53 Prozent der Befragten wünschen sich kürzere Arbeitszeiten. Nur 7 Prozent wollen länger arbeiten. Besonders Väter wollen reduzieren – hier liegt der Wert bei 63 Prozent.

Die psychische Belastung ist hoch. Rund 40 Prozent der Frauen und 29 Prozent der Männer fühlen sich oft oder sehr oft ausgebrannt. DGB-Vize Elke Hannack kritisiert: „Die Debatte über längere Arbeitstage geht an der Lebenswirklichkeit von Familien und Pflegenden vorbei.“ Auch Michaela Engelmeier vom Sozialverband Deutschland betont: „Beschäftigte brauchen planbare, nicht entgrenzte Arbeitsverhältnisse.“

Anzeige

Längere Arbeitszeiten und steigender Termindruck führen in vielen Betrieben zu einer massiven psychischen Belastung. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Ratgeber, mit welchen 5 Sofortmaßnahmen Sie für mehr Ausgeglichenheit und eine gesunde Work-Life-Balance im Berufsalltag sorgen. Kostenloses E-Book für weniger Stress im Job sichern

Opposition und Rechtsexperten sehen Grundwerte in Gefahr

Linke-Chefin Ines Schwerdtner wirft der SPD vor, mit der faktischen Abschaffung des Acht-Stunden-Tags ihre eigenen Grundwerte aufzugeben. DGB-Rechtsexperte Eder befürchtet, dass besonders Beschäftigte in Betrieben ohne Tarifbindung unter Druck geraten – sie müssten längere Arbeitszeiten ohne angemessenen Ausgleich akzeptieren.

Die Bundesregierung will die Reform mit einer verpflichtenden Arbeitszeiterfassung koppeln. Ob das die Kritiker besänftigt, ist fraglich.

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - <b>trading-notes</b> lesen ist besser!
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
de | wirtschaft | 69446222 |