Arbeitszeitgesetz, DGB

Arbeitszeitgesetz: DGB warnt vor Abschaffung des Acht-Stunden-Tages

29.05.2026 - 16:30:35 | boerse-global.de

Gewerkschaften und Arbeitgeber uneins über flexible Arbeitszeiten. Reallohn-Plus von 1,8 Prozent im ersten Quartal 2026.

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Am 29. Mai bestätigte der Dachverband seine Teilnahme an einem Vorgespräch im Kanzleramt – Vorbereitung für einen Spitzengipfel am 10. Juni 2026. Dort soll über ein umfassendes Reformpaket beraten werden, das Arbeitsmarkt, Einkommensteuer und Rente betrifft. Der Knackpunkt: die mögliche Abschaffung des gesetzlichen Acht-Stunden-Tages.

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Streit um flexible Arbeitszeiten

Die Bundesregierung arbeitet an einer Reform des Arbeitszeitgesetzes. Geplant ist, die tägliche Höchstarbeitszeit durch eine flexible Wochenhöchstgrenze zu ersetzen. Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hat persönliche Distanz zu dem Vorstoß signalisiert – doch die Reform steht im Koalitionsvertrag.

DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel warnte am Donnerstag vor erheblichen Gesundheitsrisiken. Überlange Arbeitstage seien erwiesenermaßen krankmachend. Die Gewerkschaft NGG sprach gar von einem „Rückschritt“. Arbeitgeberverbände und Wirtschaftsforscher sehen das anders. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), argumentierte Mitte Mai: Es gehe um flexible Verteilung, nicht um Mehrarbeit. Profitieren würden vor allem Dienstleistungs- und Bürojobs.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall forderte am 28. Mai eine konsequente Umsetzung der Koalitionsziele. Man brauche eine gesetzlich verankerte Wochenarbeitszeit und klare Regeln für Vertrauensarbeitszeit. Tariföffnungsklauseln, wie von Gewerkschaften bevorzugt, lehnten die Metallarbeitgeber ab.

Reallohn-Plus unter Druck

Das Statistische Bundesamt meldet für das erste Quartal 2026 einen Reallohnanstieg von 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Nominallöhne legten um 4,1 Prozent zu – bei einer Teuerungsrate von 2,2 Prozent. Besonders stark profitierten:

  • Geringverdiener: +7,0 Prozent (Mindestlohn auf 13,90 Euro gestiegen)
  • Auszubildende: +6,8 Prozent (höhere Mindestausbildungsvergütung)
  • Branchengewinner: Bergbau (+6,9 %), Finanzdienstleistungen (+6,5 %), Energieversorgung (+5,9 %)

Doch die Experten von WSI und IfW warnen: Der Trend ist fragil. Die Inflation kletterte im April auf 2,9 Prozent – getrieben durch Energiepreise infolge der Nahost-Krise. Heizöl verteuerte sich um 40 Prozent. Steigen die Kosten weiter, könnte die Kaufkraft noch in diesem Jahr schrumpfen.

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Strukturkrise: Wenig Wachstum, viel Teilzeit

Der Sachverständigenrat senkte am 27. Mai seine BIP-Prognose für 2026 auf magere 0,5 Prozent. Für 2027 erwarten die Wirtschaftsweisen 0,8 Prozent. Die Ursachen: alternde Bevölkerung und steigende Sozialabgaben, die bis 2040 die 50-Prozent-Marke überschreiten könnten.

Parallel dazu erreicht die Teilzeitquote einen Rekordwert von 31,9 Prozent. Während 50,6 Prozent der Frauen in Teilzeit arbeiten, sind es bei den Männern inzwischen 14,3 Prozent. Gitta Connemann, Chefin der Mittelstandsunion (MIT), warnte vor den Folgen für Renten- und Sozialsysteme. Nötig seien Anreize, die Vollzeit finanziell attraktiver machen.

Milliarden für Häfen, Roboter für Fabriken

DGB und Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) forderten am 27. Mai mehr Investitionen in die maritime Infrastruktur. Sie verlangen die Öffnung des Bundesinfrastrukturfonds für Seehäfen. Der Bedarf: 15 Milliarden Euro. Allein für Hamburg werden acht Milliarden Euro veranschlagt.

In der Industrie setzen Unternehmen auf Automation. Eine BCG-Studie vom 28. Mai zeigt: Der Einsatz von KI und Robotik in deutschen Fabriken stieg binnen drei Jahren um 50 Prozent. Noch 2026 soll der produktive Einsatz humanoider Roboter beginnen. Volkswagen und die TU Braunschweig arbeiten bereits an einer Partnerschaft. Die Forscher fordern politische Weichenstellungen, um Hürden für die Automatisierung abzubauen.

Der Koalitionsausschuss will das Reformpaket bis zum 30. Juni abschließend beraten. Die gesetzliche Verabschiedung ist vor der Sommerpause am 10. Juli 2026 geplant. Ob der Acht-Stunden-Tag dann Geschichte ist, bleibt offen.

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