Herforder Brauerei: 100+ Beschäftigte fordern bessere Abfindungen
29.05.2026 - 16:30:35 | boerse-global.deDie Belegschaft der Warsteiner-Tochter fordert bessere Abfindungen und klare Perspektiven vor der geplanten Schließung im August.
Mehr als 100 Beschäftigte der Herforder Brauerei haben am Donnerstag am Standort Herford-Hiddenhausen für einen gerechten Sozialplan demonstriert. Der Protest richtet sich gegen die Ankündigung des Mutterkonzerns Warsteiner Group, die Produktion im August 2026 einzustellen. Die Arbeiternehmervertreter fordern deutliche Nachbesserungen bei Abfindungen und Übergangsregelungen.
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„Wir sind Herforder" – Kampf um Abfindungen und Perspektiven
Unter dem Motto „Wir sind Herforder" machten die Mitarbeiter ihrem Unmut Luft. Betriebsratsmitglied Jennifer Oelker kritisierte die vom Konzern angebotenen Transfermöglichkeiten scharf. Zwar schlägt Warsteiner einen Wechsel zum Hauptstandort nach Warstein vor – doch für die meisten Beschäftigten sei diese Option aufgrund der erheblichen Pendelzeiten völlig unrealistisch.
Die Gewerkschaft NGG (Nahrung-Genuss-Gaststätten) und der Betriebsrat fordern einen umfassenden Sozialplan mit angemessenen Abfindungen und Regelungen für ältere Arbeitnehmer. Der DGB OWL solidarisierte sich mit den Beschäftigten und kritisierte die kurze Kündigungsfrist von nur drei Monaten zwischen Schließungsankündigung und Betriebsende.
Die Belegschaft ist quer durch alle Altersgruppen betroffen. Die 21-jährige Auszubildende Sophia Bogomolov hat bereits Bewerbungen an andere Brauereien geschickt – ein Zeichen der Verunsicherung, das viele Kollegen teilen.
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Verhandlungen im Juni – Hoffnung auf Neuanfang
Die offiziellen Verhandlungen über einen Sozialtarifvertrag zwischen der NGG und der Geschäftsführung sollen Anfang Juni beginnen. Ziel ist es, eine rechtliche Grundlage für Abfindungen und den Übergang der betroffenen Mitarbeiter zu schaffen.
Doch es gibt auch Hoffnung auf eine Fortsetzung der Brautradition in der Region. Friedhelm Brandenburg sucht offenbar Unterstützer für die Vision einer neuen regionalen Braustätte in Herford – nachdem der alte Standort Ende August endgültig schließt.
Strukturwandel trifft viele Branchen
Der Fall Herford steht exemplarisch für einen breiteren industriellen Umbruch. Erst am Freitag trafen sich Management und Betriebsrat des Zalando-Logistikzentrums in Erfurt zu ersten Gesprächen über einen Sozialplan – dort sind rund 2.000 Arbeitsplätze bedroht, der Standort soll im September schließen.
Parallel dazu wächst der Druck auf die Bundesregierung: Rund 10.000 Krankenhausbeschäftigte hatten am Donnerstag bundesweit gegen ein Sparpaket der Regierung protestiert. Die geplanten Reformen sollen die Krankenkassen ab 2027 um mehrere Milliarden Euro entlasten – die Gewerkschaft Verdi warnt jedoch vor Personalabbau und Qualitätseinbußen. Weitere Großdemonstrationen sind für den 10. Juni in Hannover geplant.
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