Arbeitszeitgesetz: Bundesregierung plant Wochenlimit statt Tageshöchstzeit
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 13:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bundesregierung plant eine grundlegende Reform des Arbeitszeitgesetzes, bei der die tägliche Höchstarbeitszeit stärker durch eine maximale Wochenarbeitszeit ersetzt werden soll. Wie aus einem Bericht vom 28. September 2026 hervorgeht, wird ein erster Gesetzentwurf dazu kontrovers diskutiert. Eine endgültige Entscheidung steht derzeit noch aus.
Ziel der geplanten Neuregelung ist es, Betrieben und Beschäftigten mehr Flexibilität zu ermöglichen, während das bisherige Schutzniveau gewahrt bleiben soll. Maßgeblich bleiben dabei weiterhin die gesetzlichen Ruhezeiten sowie die Vorgaben der EU-Arbeitszeitrichtlinie. Dennoch stößt der Vorstoß auf deutliche Bedenken: Kritiker warnen vor überlangen Arbeitstagen und steigenden Belastungen für die Arbeitnehmer.
Rufe nach längeren Arbeitszeiten in der Industrie
Flankiert wird die politische Debatte durch Forderungen aus Wirtschaft und Wissenschaft, die tariflichen Arbeitszeiten auszuweiten. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer bezeichnete die in tarifgebundenen deutschen Autobetrieben geltende 35-Stunden-Woche als überholt. Er sprach sich für eine längere Arbeitszeit ohne Lohnausgleich aus, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und Industriearbeitsplätze im Land zu halten. Dudenhöffer geht dabei nicht von Werksschließungen über Nacht aus, sondern erwartet eine schrittweise Verkleinerung der Betriebe.
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Auch in den Chefetagen von Industrieunternehmen gibt es entsprechende Vorstöße. So regte der Mercedes-Aufsichtsratsvorsitzende Martin Brudermüller 40 Wochenstunden ohne Lohnerhöhung bei gleichem Gehalt an. Bereits Ende Juni wandte sich der Mercedes-Vorstand mit einem Schreiben an die Beschäftigten und argumentierte, dass Mehrarbeit für dasselbe Geld der direkteste Weg zu günstigeren Arbeitsstunden sei.
Mitte August hatte zudem der Unternehmer Nikolas Stihl für die Industrie eine Ausweitung von 35 auf 40 Wochenstunden bei gleichem Lohn ins Gespräch gebracht.
Sparprogramme und Kostendruck bei den Herstellern
Der Druck auf die Arbeitskosten ist spürbar gewachsen. Michael Schiebe, Produktionsvorstand bei Mercedes, stellte die Schließung von zwei deutschen Werken in Aussicht, sollten die Kosten nicht sinken. Das erklärte Ziel bleibe jedoch, alle inländischen Standorte zu erhalten. Konkrete Standorte oder Zeitpläne für Werksschließungen wurden nicht benannt. Der Konzern hat bereits ein umfassendes Sparprogramm gestartet.
Zusätzlich belasten operative Hürden das Tagesgeschäft: Wegen eines Komponentenengpasses fiel im Werk Sindelfingen vorübergehend eine Schicht aus, bevor die Produktion ab Montag wieder regulär laufen sollte. Auch am Kapitalmarkt spiegelt sich die Lage wider: Am 25. September 2026 notierte die Mercedes-Aktie bei 41,29 Euro, was einem Rückgang von 31,51 % seit Jahresbeginn entspricht.
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Getrennte Meinungen unter Wirtschaftsforschern
Unter Ökonomen gehen die Ansichten über den Nutzen längerer Arbeitszeiten auseinander. Alexander Schiersch vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) verwies darauf, dass geringere Stundenkosten die Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung sichern könnten, sofern sich die zusätzlich produzierten Güter auch absetzen lassen. Andernfalls drohe trotz allem ein Stellenabbau.
Friedhelm Pfeiffer vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) stufte den Nutzen längerer Arbeitszeiten als ungewiss ein. Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) betonte seinerseits, dass vor allem tragfähige Geschäftsmodelle und Innovationen entscheidend seien und nicht primär Lohnsenkungen durch Mehrarbeit.
Die Diskussion um die künftige Gestaltung von Arbeitszeiten und gesetzlichen Schutzvorschriften dürfte die Koalition daher weiter intensiv beschäftigen.
