Arbeitszeit-Digitalisierung: Bas plant elektronische Erfassung für alle
19.06.2026 - 19:31:45 | boerse-global.de
Das zeigt eine Civey-Studie im Auftrag von Allgeier inovar, die im Mai 2026 veröffentlicht wurde. Hochgerechnet auf das Jahr entspricht das einem Verlust von rund 28 Arbeitstagen pro Person.
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Wo die Zeit bleibt
Die Ursachen sind klar benannt: 38 Prozent der Befragten nennen die Suche nach Dokumenten als größten Zeitfresser. 33 Prozent leiden unter häufigen Wechseln zwischen verschiedenen Software-Tools, 29 Prozent unter unklaren Zuständigkeiten.
Die Folgen sind nicht nur wirtschaftlich spürbar. 57 Prozent der Beschäftigten gaben an, durch diese Ineffizienzen unter Stress zu stehen. Dabei haben bisher lediglich 20 Prozent der Unternehmen ihre dokumentenbasierten Prozesse vollständig digitalisiert.
Neue digitale Formulare für HR
Abhilfe versprechen spezialisierte Lösungen. Der Anbieter Jotform stellt seit heute neue digitale Formularvorlagen für Personalabteilungen bereit. Sie decken Kernbereiche wie standardisierte Krankmeldungen ab und sollen die Datenerfassung vereinheitlichen.
Auch in der beruflichen Bildung geht es voran. Die Handwerkskammer Magdeburg wies Mitte Juni auf den digitalen Ausbildungsnachweis „BLok“ hin. Für einmalig 30 Euro netto pro Vertrag können Auszubildende und Betriebe ihre Nachweise online führen. Die ordnungsgemäße Führung ist Voraussetzung für die Zulassung zur Gesellenprüfung. Ein Wechsel zwischen digitaler und handschriftlicher Form bleibt jederzeit möglich.
Im Hamburger Raum nutzen KMU vermehrt digitale Unterweisungen nach dem Arbeitsschutzgesetz und den DGUV-Vorgaben. Diese als Blended Learning anerkannten Online-Unterweisungen müssen dokumentiert und mindestens zwei Jahre aufbewahrt werden.
Gesetz zwingt zur elektronischen Erfassung
Der Trend zur Digitalisierung bekommt politischen Rückenwind. Ein Referentenentwurf von Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas sieht eine Reform des Arbeitszeitgesetzes vor. Betriebe sollen grundsätzlich zur elektronischen Arbeitszeiterfassung verpflichtet werden. Zudem könnten Abweichungen vom Achtstundentag zugunsten einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit per Tarifvertrag vereinbart werden.
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Die Wirtschaft reagiert gespalten. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger und Vertreter von Gesamtmetall kritisieren, dass die geplante Flexibilisierung nur tarifgebundenen Unternehmen vorbehalten bleiben soll. Auch CDU-Generalsekretär Linnemann lehnt den Entwurf in seiner jetzigen Form ab.
Teams erkennt, wer im Büro ist
Microsoft kündigte für Juni 2026 die Funktion „Workplace Check-in“ für Teams an. Das System erkennt automatisch, ob ein Endgerät im Firmen-WLAN eingeloggt ist. Die Funktion ist standardmäßig deaktiviert und erfordert in Deutschland zwingend eine Betriebsvereinbarung sowie die Zustimmung von Administratoren und Endnutzern.
Bei SAP treibt der Konzern den Übergang zur Cloud voran. Die Wartung für das bisherige SAP HCM ist bis Ende 2027 zugesichert, mit einer optionalen Verlängerung bis 2030. Zukünftige HR-Lösungen setzen verstärkt auf Cloud-Modelle wie SuccessFactors und Employee Central Payroll.
Tools allein reichen nicht
Mareike Busche von Figma warnte anlässlich des Produktivitätstages am 20. Juni vor zu viel Technologie-Optimismus. Im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz sei nicht mehr allein die Geschwindigkeit der Bearbeitung entscheidend. Die Qualität der Arbeitsergebnisse und die Effektivität kollaborativer Workflows gewännen an Bedeutung. Digitale Tools sind eben nur so gut wie die Prozesse, die sie abbilden.
