Arbeitssicherheit, Regeln

Arbeitssicherheit: Neue Regeln für additive Fertigung ab Januar 2027

Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 17:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ab 2027 gelten verschärfte EU-Dokumentationspflichten für 3D-Drucker. Neue Ausbildungsregeln für Bauberufe forcieren zudem Nachhaltigkeit und Digitalisierung.

Neue Vorschriften für 3D-Druck: EU-Verordnung und Ausbildungsreform 2026
Industrieller 3D-Drucker in einer modernen Fertigungsumgebung mit Fokus auf Präzision und Arbeitssicherheit. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Seit dem 1. August 2026 gelten neue Ausbildungsordnungen für 19 Bauberufe. Zusammen mit der EU-Maschinenverordnung zwingen sie Unternehmen in der additiven Fertigung, ihre Betriebsanweisungen grundlegend zu überarbeiten.

EU-Maschinenverordnung setzt Fristen

Ab dem 20. Januar 2027 müssen alle neuen Maschinen die verschärften Dokumentationsvorschriften der EU-Maschinenverordnung (MVO) 2023/1230 erfüllen. Besonders betroffen: Hersteller und Anwender von 3D-Drucksystemen.

Die Verordnung verlangt, dass technische Unterlagen und Betriebsanweisungen präziser auf die Gefährdungen der jeweiligen Anlage zugeschnitten sind. In der additiven Fertigung ist das komplex, denn hier wirken Hardware, Software und Materialien eng zusammen. Jens Feuerlein, Geschäftsführer eines Prüfungsdienstleisters, empfiehlt Unternehmen, den Stand ihrer Dokumentation digital zu prüfen und Korrekturen frühzeitig einzuleiten.

Ausbildung: Nachhaltigkeit wird Pflicht

Die neuen Ausbildungsordnungen, bereits im Juni 2024 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht, setzen verstärkt auf Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Gefahrstoffmanagement. Für die additive Fertigung sind vor allem die Standards zum ressourcenschonenden Bauen und der verbindliche Nachhaltigkeits-Check relevant.

Auch digital wird aufgerüstet: Building Information Modeling (BIM) und Drohneneinsatz sind nun fester Bestandteil der Lehrpläne. Die internen Arbeitsanweisungen müssen entsprechend angepasst werden, damit Auszubildende die neuen Technologien sicher anwenden können.

Anzeige

Wer sich mit den neuen Dokumentationspflichten für moderne Industrieanlagen befasst, sollte seine Betriebsanweisungen rechtssicher gestalten. Diese kostenlose Word-Vorlage hilft Ihnen, die Anforderungen in wenigen Minuten umzusetzen und Bußgelder zu vermeiden. Betriebsanweisung in wenigen Minuten fertig: Kostenlose Word-Vorlage jetzt herunterladen

Titan-Druck mit Schutzgas: Neue Risiken

Die jüngsten technischen Entwicklungen zeigen, warum spezifische Sicherheitsvorgaben nötig sind. Gefertec stellte Anfang August das System „Arctitan“ vor, das Titanbauteile per plasma-basiertem Wire Arc Additive Manufacturing (WAAM) in Schutzgasatmosphäre fertigt. Der Sauerstoffgehalt muss dabei extrem niedrig bleiben – zwischen 10 und 15 ppm. Das stellt besondere Anforderungen an Belüftung und Gasschutz, die in Gefährdungsbeurteilungen einfließen müssen.

Auch mobile Systeme sind im Kommen: Die TU Wien entwickelte mit der igm Robotersysteme AG eine Reparaturanlage in einem 20-Fuß-Container, die Scannen und Schweißen automatisiert. Solche Einheiten brauchen eigene Betriebsanweisungen, denn sie kommen unter wechselnden Umgebungsbedingungen zum Einsatz.

Materialvielfalt wächst – auch bei Rezyklaten

Die Materialpalette erweitert sich rasant. Protolabs hat sein Angebot für die Drohnenindustrie um Inconel 625, AISI 4130 und Aluminium 5754 ausgebaut – der Umsatz mit Drohnenkunden stieg seit 2023 um über 90 Prozent.

Gleichzeitig gewinnen nachhaltige Werkstoffe an Bedeutung. Die Nobufil GmbH bietet technische Filamente aus 100 Prozent recycelten Polymeren an, darunter glasfaser- und kohlefaserverstärkte Varianten (PETG GF, PCTG CF). Sie können die CO2-Emissionen im Vergleich zu Neukunststoffen um bis zu 80 Prozent senken. Bei der Verarbeitung müssen Betriebsanweisungen jedoch die spezifischen Schmelztemperaturen und mögliche Emissionen beim Druck dokumentieren.

Anzeige

Ob neue Fertigungsverfahren oder innovative Werkstoffe – eine rechtssichere Gefährdungsbeurteilung ist die Basis für jeden sicheren Betrieb. Nutzen Sie bewährte Checklisten und Vorlagen, um Ihre Dokumentation schnell und behördenkonform zu erstellen. Gefährdungsbeurteilung: So erstellen Sie GBUs, die Aufsichtsbehörden sofort anerkennen

Training direkt am Gerät

Die US Navy setzt auf praxisnahe Ausbildung: Die Phillips Federal Division lieferte 24 Fertigungssysteme an eine Ausbildungseinrichtung in Virginia – darunter hybride Anlagen von Haas und Meltio sowie Verbundwerkstoffsysteme von Markforged. Das Personal soll direkt an den Systemen für Flotteninstandhaltung und expeditionäre Fertigung geschult werden.

Für den Prosumer-Bereich erschien Anfang des Jahres ein Praxisbuch zu Bambu-Lab-Druckern. Autor Stephan Knaus behandelt Softwarebedienung, Troubleshooting und Filament-Handhabung – die Grundlage für sicheres Arbeiten in der Werkstatt.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | wirtschaft | 69913611 |