Arbeitsplatz-Schutz, Neuseeland

Arbeitsplatz-Schutz: Neuseeland und Schweiz verschärfen Stalking-Gesetze

Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 12:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neuseeland und Schweiz verschärfen Stalking-Gesetze. Deutsche Unternehmen sehen steigende Konflikte und psychische Belastungen.

Stalking am Arbeitsplatz: Neue Leitfäden und Urteile weltweit
Ein moderner, leerer Büroarbeitsplatz mit Laptop in einer ruhigen und geordneten Umgebung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Anforderungen an Unternehmen zum Schutz ihrer Beschäftigten vor Nachstellung und Belästigung steigen international. Neuseeland veröffentlichte neue staatliche Leitfäden für Arbeitgeber, während die Schweiz mit einem ersten Urteil zum neuen Straftatbestand für Nachstellung für Klarheit sorgt.

Neuer Praxisleitfaden für Arbeitgeber

Das neuseeländische Frauenministerium, die Organisation Shine und der Verband Human Resources New Zealand stellten am 23. Juli 2026 den Leitfaden „Recognise, Respond, Support“ vor. Die Publikation hilft Unternehmen, Stalking-Risiken frühzeitig zu erkennen und angemessen zu reagieren.

Hintergrund ist eine Gesetzesänderung vom Mai 2026. Seither gelten Stalking und Belästigung in Neuseeland als Straftaten – mit bis zu fünf Jahren Haft.

Erstes Urteil in der Schweiz

Auch in Europa verschärft sich der rechtliche Rahmen. Seit dem 1. Januar 2026 ist Nachstellung in der Schweiz ein eigener Straftatbestand. Im Juli 2026 fiel dazu das erste Urteil in Bern.

Das Gericht verurteilte einen 26-Jährigen, der eine Frau monatelang verfolgt hatte – im Fitnessstudio, über zahlreiche Social-Media-Accounts und durch Auflauern an ihrem Wohnort. Die Strafe: eine bedingte Geldstrafe von 8.000 Franken bei zweijähriger Probezeit plus eine unbedingte Buße von 2.500 Franken.

Modellprojekt in Schleswig-Holstein

In Deutschland werden spezifische Schutzmaßnahmen erprobt. Ein im März 2026 gestartetes Modellprojekt in Schleswig-Holstein sensibilisiert Frauenhäuser und Beratungsstellen für die Gefahren technikgestützten Stalkings.

Parallel verdeutlichen Fälle aus dem öffentlichen Dienst die Relevanz: In Chemnitz wurde ein Polizeibeamter wegen sexueller Belästigung verurteilt. Er hatte im Herbst 2024 eine Jugendliche unter Vorwand fotografiert und in sein Privatfahrzeug gelockt.

Konflikte am Arbeitsplatz nehmen drastisch zu

Die Notwendigkeit für HR-Maßnahmen untermauern aktuelle Daten der Versicherung Axa-Arag. Die Fälle wegen Verletzung der Fürsorgepflicht stiegen 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 36 Prozent. Auch bei missbräuchlichen Kündigungen (plus 26 Prozent) und Streitigkeiten um Arbeitszeugnisse (plus 14 Prozent) gab es deutliche Zunahmen.

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Als Ursachen nennen Experten steigenden Spardruck, Herausforderungen durch Homeoffice und eine abnehmende Gesprächsbereitschaft. Die Versicherungsprämien in diesem Segment stiegen von 2021 bis 2025 um durchschnittlich 4,5 Prozent.

Ständige Erreichbarkeit belastet die Psyche

Eine Studie der IU Internationalen Hochschule vom Januar 2026 zeigt: 40 Prozent der 2.000 Befragten fühlen sich gedanklich ständig „auf Empfang“. Ein Drittel sieht sich verpflichtet, auch außerhalb der Arbeitszeit erreichbar zu sein – mit Folgen wie emotionaler Erschöpfung und Schlafproblemen.

Präventionsstrategien für Unternehmen

Um Mitarbeiter zu schützen und rechtliche Risiken zu minimieren, empfehlen Experten transparente Erreichbarkeitsregeln und eine aktive Rolle der Führungskräfte. Wesentlich sind die systematische Erfassung psychischer Belastungen sowie die Reflexion der Teamkultur.

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Dass Stalking-Vorwürfe auch den politischen Raum erreichen, zeigt eine aktuelle Stellungnahme des Drogenbeauftragten Hendrik Streeck. Er warf Vertretern der Tabaklobby vor, ihn auf Sommerfesten zu verfolgen und Gesprächspartner zu fotografieren, um ihn zu diskreditieren.

Hilfe für betroffene Beschäftigte

In Neuseeland veröffentlichten die Menschenrechtskommission und sieben Großunternehmen eine gemeinsam Modellrichtlinie für Betroffene häuslicher Gewalt, die oft auch am Arbeitsplatz verfolgt werden. Schätzungen zufolge sind dort rund 500.000 Menschen von häuslicher Gewalt betroffen – über 40 Prozent von ihnen in festen Arbeitsverhältnissen.

Ähnliche Kampagnen wie „See, Ask, Respond“ in Nordengland schulen Arbeitgeber darin, Anzeichen von Missbrauch bei Kollegen oder Kunden rechtzeitig zu erkennen.

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