Arbeitsmarkt: Ausländer tragen Beschäftigungswachstum allein seit 2024
Veröffentlicht: 14.07.2026 um 18:51 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Ohne sie würde die Zahl der Erwerbstätigen bereits schrumpfen. Das zeigen aktuelle Daten der Bundesagentur für Arbeit.
Zwischen Juni 2014 und Juni 2025 entfielen rund 43 Prozent des Beschäftigungszuwachses auf Staatsangehörige aus Drittstaaten. Etwa ein Drittel dieses Wachstums stammte aus klassischen Asylherkunftsländern. Der demografische Wandel macht die Abhängigkeit noch deutlicher: In der Dekade von 2014 bis 2024 sank die Zahl der Erwerbsfähigen mit deutschem Pass um rund 3,9 Millionen Menschen. Gleichzeitig wuchs die Gruppe der ausländischen Erwerbsfähigen um 3,4 Millionen an.
Andrea Nahles, Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, warnte bereits: Das Erwerbspotenzial werde 2026 voraussichtlich um rund 40.000 Personen zurückgehen.
Engpassberufe: Ausländeranteil verdoppelt sich
Besonders stark wächst der Einfluss ausländischer Fachkräfte in Branchen mit akutem Personalmangel. Der Anteil ausländischer Beschäftigter in Engpassberufen hat sich bundesweit von 7 Prozent (2014) auf 14 Prozent (2025) verdoppelt. In Sachsen arbeiteten Ende 2025 knapp 28.000 der insgesamt 154.000 ausländischen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Mangelberufen. Besonders betroffen: Gastronomie, Krankenpflege und Elektrotechnik.
Auch in der beruflichen Bildung zeichnet sich ein positiver Trend ab. In Sachsen-Anhalt wurden 2025 über 1.000 neue Ausbildungsverträge mit ausländischen Staatsangehörigen geschlossen – ein Plus von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Beliebteste Berufe: Verkäufer, Kaufleute für Büromanagement und Kfz-Mechatroniker.
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Regionale Initiativen: So wollen Betriebe Fachkräfte binden
Um internationale Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten, setzen regionale Akteure verstärkt auf Beratung und Vernetzung. Am heutigen Dienstag fand in Dülmen der sechste Workshop der Reihe „Betriebliche Welcome Guides Münsterland“ statt. Organisiert vom Münsterland e.V., unterstützt die Reihe Unternehmen bei der praktischen Integration. Ein weiteres Praxisforum für internationale Beschäftigung ist für den 7. Oktober in Münster geplant.
In der Region Stuttgart rücken alternative Qualifizierungswege in den Fokus. Bei einer Fachveranstaltung am 27. Juli soll die Validierung von Berufserfahrung thematisiert werden. Das Verfahren erlaubt es Personen ohne formalen Abschluss, ihre Kompetenzen anerkennen zu lassen. Die IHK Region Stuttgart schloss zwischen 2025 und 2026 bereits 16 solcher Verfahren ab. Die Handwerkskammer registrierte im ersten Halbjahr 2026 rund 30 Anträge.
Auch Kommunen beteiligen sich: Die Stadt Rheine nimmt am dreijährigen Landesprogramm „Gemeinsam klappt‘s“ teil. Es konzentriert sich auf die soziale und berufliche Integration junger Geflüchteter zwischen 18 und 27 Jahren.
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Bürokratie bremst: Über 200 Arztstellen unbesetzt
Trotz der Erfolge berichten Experten von erheblichen Hindernissen. Fachanwälte für Verwaltungsrecht und Kammervertreter kritisieren die Komplexität der Anerkennungsverfahren. In Sachsen-Anhalt sind derzeit über 200 Arztstellen unbesetzt. Gleichzeitig warten zahlreiche ausländische Mediziner auf ihre Kenntnisprüfung oder die Gleichwertigkeitsprüfung ihrer Abschlüsse. In Einzelfällen führen negative Bescheide trotz langjähriger Berufserfahrung zu juristischen Auseinandersetzungen um die Approbation.
Die IHK Bodensee-Oberschwaben empfiehlt Unternehmen daher, flexible Bewerbungsprozesse einzuführen und verstärkt auf Praktika sowie betriebliche Sprachförderung zu setzen. Der Bedarf ist enorm: Bis 2029 werden bundesweit rund 4,81 Millionen Stellen zu besetzen sein. Dem gegenüber stehen lediglich 440.000 zusätzliche Arbeitskräfte aus dem inländischen Bildungssystem oder durch Zuwanderung.
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