Amazon erhöht Löhne ab September: 16,66 Euro für 40.000 Mitarbeiter
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 07:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Arbeitnehmervertretungen fordern in mehreren Branchen deutliche Entgeltsteigerungen. Während in der norddeutschen Süßwarenindustrie Warnstreiks den Druck erhöhen, kündigen Logistikkonzerne eigene Lohnanpassungen an.
Warnstreiks in der Süßwarenindustrie
Rund 20 Produktionsstätten in Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein haben Beschäftigte bestreikt. Namhafte Hersteller wie Nestlé in Hamburg, Bahlsen in Hannover, die Schwartauer Werke sowie Froneri in Uelzen sind betroffen. Allein in Hannover und Umgebung beteiligten sich über 1.000 Beschäftigte an den eintägigen Warnstreiks.
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) fordert 5,8 Prozent mehr Entgelt, mindestens jedoch 235 Euro monatlich – bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeberseite habe bislang nur minimale Verbesserungen angeboten. Auf einer zentralen Kundgebung in Lüneburg untermauerten die Streikenden ihre Forderungen nach einem Abschluss, der die gestiegenen Lebenshaltungskosten auffängt.
Lohnanpassungen im Logistiksektor
Auch in der Hafenwirtschaft und Logistik stehen Lohnfragen im Fokus. Verdi fordert für die Beschäftigten in deutschen Seehäfen ein Plus von 8,2 Prozent. Parallel dazu kündigte Amazon an, die Löhne für seine Logistikmitarbeiter ab September 2026 anzuheben. Der Einstiegslohn steigt auf durchschnittlich 16,66 Euro pro Stunde, an einigen Standorten auf mindestens 17 Euro. Nach zwei Jahren Betriebszugehörigkeit liegt der Stundenlohn künftig bei 18,87 Euro – ein Plus von rund 3,1 Prozent.
Trotz dieser Erhöhung kritisiert Verdi das Ausbleiben eines rechtsverbindlichen Tarifvertrags. Das Unternehmen beschäftigt bundesweit über 40.000 Mitarbeiter. Auch in der Chemie- und Pharmabranche bahnen sich Auseinandersetzungen an: Die IG BCE fordert ein Lohnplus oberhalb der Inflationsrate, was die Arbeitgeberseite bereits abgelehnt hat.
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So entwickeln sich die Gehälter
Die Bundesagentur für Arbeit zeigt die allgemeine Lohnentwicklung: Das Median-Bruttomonatsentgelt für Vollzeitbeschäftigte stieg 2025 auf 4.217 Euro – ein Zuwachs von 5,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gender-Pay-Gap verringerte sich leicht auf 309 Euro.
Regional sieht es unterschiedlich aus: Hamburg führt mit 4.768 Euro, gefolgt von Baden-Württemberg und Hessen. Schlusslicht ist Mecklenburg-Vorpommern mit 3.497 Euro. Ein deutliches Gefälle zeigt sich beim Bildungsgrad: Beschäftigte ohne Berufsabschluss verdienten im Median 3.133 Euro, Akademiker dagegen 6.146 Euro.
Besonders dynamisch entwickelte sich die Pflege: Die Löhne für Fachkräfte in der Altenpflege stiegen zwischen 2018 und 2025 um 54 Prozent auf 4.438 Euro. In der metall- und elektroerzeugenden Industrie betrug das Plus dagegen nur 18,4 Prozent auf 4.891 Euro.
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Drohende Altersarmut trotz Vollzeitarbeit
Trotz der Lohnzuwächse warnen Gewerkschafter vor Altersarmut – besonders in Ostdeutschland. Um eine Rente oberhalb der Armutsgefährdungsgrenze von derzeit 1.446 Euro brutto zu erreichen, ist ein Bruttomonatsentgelt von 3.771 Euro über 45 Beitragsjahre erforderlich.
In Ostdeutschland verdienen jedoch rund 54 Prozent der Vollzeitbeschäftigten weniger als 3.700 Euro. Bundesweit liegt dieser Anteil bei 39 Prozent. In Sachsen-Anhalt sind sogar rund 60 Prozent betroffen. Kritiker fordern daher eine Abkehr von Plänen zur Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren und weisen auf die strukturelle Schieflage bei der Entlohnung hin.
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