Altersvorsorge-Reform, Depot

Altersvorsorge-Reform: Neues Depot ersetzt Riester ab Januar 2027

13.06.2026 - 12:39:08 | boerse-global.de

Das flexible Altersvorsorgedepot startet 2027 und stößt laut Umfrage auf hohe Akzeptanz, besonders bei jungen Sparern.

Rentenreform 2026: Neues Altersvorsorgedepot ersetzt Riester-Rente
Altersvorsorge-Reform - Eine vielfältige Gruppe von Menschen betrachtet digitale Bildschirme mit Finanzdaten, symbolisierend das neue Altersvorsorgedepot. 13.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Sie ersetzt die Riester-Rente durch ein flexibleres Altersvorsorgedepot. Das System startet am 1. Januar 2027 und soll breitere Bevölkerungsschichten ansprechen.

Junge Sparer zeigen großes Interesse

Eine Umfrage des Instituts puls im Auftrag von Quirion belegt hohe Akzeptanz. 52 Prozent der 16- bis 60-Jährigen können sich vorstellen, ein Depot zu eröffnen. Besonders stark fällt das Interesse bei den 16- bis 40-Jährigen aus: Rund 60 Prozent signalisierten Bereitschaft. Fast die Hälfte aller Befragten plant den Einstieg direkt zum Starttermin.

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Die Sparer wollen im Schnitt 181 Euro monatlich einzahlen. Männer investieren durchschnittlich 223 Euro, Frauen dagegen nur 124 Euro. Transparente Produktinformationen, niedrige Gebühren und klare Regeln für die Auszahlung – das sind die wichtigsten Kriterien bei der Anbieterwahl.

So funktioniert die Förderung

Pro investiertem Euro zahlt der Staat ab 2027 eine Grundzulage von 50 Cent. Maximal gibt es 540 Euro Zuschuss bei einem Eigenbeitrag von 1.800 Euro jährlich. Der Mindesteigenbeitrag für die Förderung liegt bei 120 Euro pro Jahr. Hinzu kommt eine Kinderzulage von bis zu 300 Euro pro Kind – die gibt es bereits ab 25 Euro monatlichem Eigenbeitrag.

Steuerlich folgt das Depot dem EET-Prinzip: Beiträge und Erträge bleiben in der Ansparphase steuerfrei. Die späteren Auszahlungen werden als Einkommen versteuert. Die 12/65-Regel besagt: Der Vertrag muss mindestens zwölf Jahre laufen, Auszahlungen beginnen frühestens mit 65.

Anders als bei der Riester-Rente ist keine Beitragsgarantie mehr Pflicht. Drei Produktkategorien stehen zur Wahl: Depots ohne Garantie, mit 80-prozentiger Garantie oder mit vollständiger Beitragsgarantie.

Staat startet Frührenten-Programm für Kinder

Ein Kernelement der Reform: Ab 2027 erhalten alle Sechsjährigen des Jahrgangs 2020 eine staatliche Unterstützung. Der Staat zahlt monatlich 10 Euro Startkapital in ein Altersvorsorgedepot. Bis zur Volljährigkeit summiert sich der Zuschuss auf 1.440 Euro. Für Kinder ohne privates Depot durch die Eltern ist eine staatliche Auffanglösung geplant. Eine Ausweitung auf ältere Jahrgänge ist für 2029 vorgesehen.

Finanzminister Klingbeil sprach sich zudem für eine Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge aus. Die Kombination aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge mache das System zukunftsfest.

Branche zeigt sich skeptisch

Trotz positiver Umfragewerte: Auf einer Fachtagung für Pensionskassen am 9. Juni in Frankfurt äußerten 60 Prozent der Teilnehmer Skepsis. Sie fordern mehr Rechtssicherheit und Bürokratieabbau. Rund 40 Prozent sehen Chancen, besonders durch flexiblere Bedeckungsvorschriften.

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Verbraucherschützer raten bestehenden Riester-Sparern von voreiligen Kündigungen ab. Für Sparer mit langem Anlagehorizont lohne der Wechsel wegen der höheren Aktienquote. Geringverdiener mit vielen Kindern könnten im alten System aber besser gestellt sein. Bestehende Riester-Verträge haben Bestandsschutz.

Gesetzliche Rente unter Druck

Die Einführung des Depots fällt in schwierige Zeiten für die gesetzliche Rentenversicherung. Die Nachhaltigkeitsrücklage lag Ende 2025 bei 41,3 Milliarden Euro – etwa 1,38 Monatsausgaben. Bis Ende 2026 soll dieser Puffer auf eine Monatsausgabe sinken. Der Beitragssatz bleibt bis Ende 2027 bei 18,6 Prozent stabil. Für 2028 prognostizieren Experten einen Anstieg auf 19,9 Prozent. Geplante Kürzungen der Bundeszuschüsse könnten den Druck zusätzlich erhöhen.

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