Altersvorsorge: Kapitalrente ab 2028 mit 0,5 bis 2 Prozent Beitrag
23.06.2026 - 18:03:20 | boerse-global.de
Insgesamt 33 Empfehlungen sollen die Alterssicherung zukunftsfest machen. Kern des Pakets: die Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge (bAV).
Sozialpartner sollen bAV voranbringen
Die Kommission setzt dabei auf den Sozialpartnerdialog. Neue Vorsorgemodelle sollen breiter in der Arbeitswelt verankert werden. Die R+V Versicherung begrüßte die Vorschläge ausdrücklich. Vorstandsvorsitzende Claudia Andersch erklärte: „Sozialpartnermodelle bieten flexible Anlagemöglichkeiten und höhere Renditechancen – bei gleichzeitiger Entlastung der Arbeitgeber."
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Ein Vorbild gibt es bereits: 2022 startete das erste branchenweite Sozialpartnermodell für die chemische Industrie. Die Kommission empfiehlt nun, solche Modelle auf andere Wirtschaftszweige zu übertragen.
Kapitalgedeckte Vorsorge nach schwedischem Vorbild
Ein wesentlicher Bestandteil des Reformpakets ist die Einführung einer obligatorischen Kapitalrente. Geplant ist ein Zusatzbeitrag von 0,5 bis 2 Prozent des Bruttolohns – paritätisch getragen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Die Umsetzung ist ab 2028 vorgesehen.
Als Referenz dient der schwedische AP7-Standardfonds. Er erzielte in der Vergangenheit eine durchschnittliche Rendite von elf Prozent pro Jahr. Während BDI-Präsident Leibinger das Konzept befürwortet, meldet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) Bedenken an. Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen warnte gestern vor zu starken staatlichen Strukturen und forderte mehr Wettbewerb.
Renteneintrittsalter steigt – Rente mit 63 fällt
Die Kommission empfiehlt, das Renteneintrittsalter an die steigende Lebenserwartung zu koppeln. Das Verhältnis: zwei zu eins. Bis 2041 würde die Regelaltersgrenze demnach auf 67,5 Jahre ansteigen.
Zudem soll die sogenannte „Rente mit 63" abgeschafft werden – mit Vertrauensschutz für rentennahe Jahrgänge. Wirtschaftsverbände wie DIHK und ZDH loben die Schritte als Beitrag zur Generationengerechtigkeit. Die Gewerkschaften sehen das anders. DGB-Chefin Yasmin Fahimi und Verdi-Chef Frank Werneke kritisieren: „Damit wird die Lebensleistung langjährig Beschäftigter nicht ausreichend gewürdigt."
Pflicht zur Betriebsrente? Die Meinungen gehen auseinander
2023 verfügten nur rund 52 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten über eine betriebliche Altersvorsorge. Der DGB forderte gestern eine verpflichtende Betriebsrente für alle. Unterstützung kommt von SPD-Chef Lars Klingbeil. Die Arbeitgeberverbände lehnen eine solche Pflicht ab – wegen steigender Lohnnebenkosten.
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Aktuelle Umfragedaten der DEVK zeigen ein geteiltes Bild: 48 Prozent der Erwerbstätigen befürworten eine Pflicht, 39 Prozent lehnen sie ab. Die monatliche Zahlungsbereitschaft der Befürworter liegt mehrheitlich zwischen 50 und 200 Euro.
Trotz der Kontroversen wollen CDU-Chef Friedrich Merz und Bundestagspräsidentin Bärbel Bas das Paket als Gesamtkonzept zügig umsetzen. Eine erste gesetzliche Verankerung der Reformen ist für 2027 geplant.
