Altersvorsorge: DGB fordert verpflichtende bAV für 20 Millionen
07.06.2026 - 10:02:56 | boerse-global.de
Doch sinkende Rentenansprüche und steigende Abgaben trüben die Bilanz.
Im Jahr 2026 können Arbeitnehmer bis zu 338 Euro monatlich steuer- und sozialabgabefrei in die bAV umwandeln. Ein weiterer Betrag bis zu 676 Euro ist steuerfrei möglich. Seit 2019 haben Beschäftigte zudem einen gesetzlichen Anspruch auf einen Arbeitgeberzuschuss von mindestens 15 Prozent – seit Januar 2022 auch für bestehende Verträge.
Die Rechnung: Was bleibt wirklich vom Brutto?
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Das Modell klingt verlockend. Wer 200 Euro umwandelt und 15 Prozent Zuschuss erhält, spart monatlich 230 Euro. Der Nettoaufwand? Nur rund 113 Euro.
Doch der Haken: Das reduzierte Bruttogehalt senkt die Ansprüche auf die gesetzliche Rente, Arbeitslosengeld I und Krankengeld. Experten warnen: Der 15-Prozent-Zuschuss reicht oft nicht aus, um diese Verluste auszugleichen. Anders sieht es bei einer arbeitgeberfinanzierten bAV aus – die gilt als sinnvoll.
Fünf Durchführungswege stehen zur Wahl: Direktversicherung, Pensionskassen, Pensionsfonds, Unterstützungskassen und direkte Pensionszusagen. Pensionsfonds bieten höhere Renditechancen, aber weniger Garantien.
DAX-Konzerne: Pensionsverpflichtungen steigen rasant
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen setzen auch die Industrie unter Druck. Eine Studie von Willis Towers Watson zeigt: Die Pensionsverpflichtungen der DAX-Konzerne stiegen im zweiten Quartal 2026 auf 428,8 Milliarden Euro – ein Plus von sieben Prozent. Das Planvermögen wuchs nur um 0,4 Prozent auf 237 Milliarden Euro.
Der Rechnungszins fiel auf 1,70 Prozent. Der Ausfinanzierungsgrad im DAX liegt damit bei nur 55,3 Prozent. Grund sind unter anderem die Leitzinssenkungen der EZB.
Trotz der Probleme bleibt die bAV beliebt: 70 Prozent der Arbeitnehmer sorgen hauptsächlich darüber vor. Über 80 Prozent fordern eine aktive Rolle des Arbeitgebers.
Politik: Kommt die verpflichtende Betriebsrente?
Die Diskussion um die Zukunft der Altersvorsorge wird schärfer. DGB-Chefin Yasmin Fahimi forderte Anfang Juni eine verpflichtende bAV auf tariflicher Basis. Ziel: die rund 20 Millionen Beschäftigten ohne Betriebsrente erreichen. Konkrete Eckpunkte sollen Ende Juni folgen.
Gleichzeitig stehen Einsparungen im Raum. Aus der Jungen Union kommt die Forderung, geplante Rentenerhöhungen zu kürzen. Das Bundeskabinett plant, die Bundeszuschüsse zur Rentenversicherung im Haushalt 2027 zu reduzieren. Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) warnt: Das würde die Beiträge zwangsläufig steigen lassen. Ehemalige DRV-Geschäftsführer rechnen vor: Eine Kürzung um vier Milliarden Euro bedeute 0,2 Prozentpunkte mehr Beitrag.
Beitragsprognose: Bis 2029 auf 20 Prozent?
Die finanzielle Belastung für Arbeitnehmer dürfte zunehmen. Berechnungen des Wirtschaftsweisen Martin Werding zufolge könnte der Rentenbeitrag bis 2028 auf 19,9 Prozent und bis 2029 auf 20,0 Prozent steigen. Für einen Durchschnittsverdiener wären das rund 42 Euro weniger netto pro Monat.
Hintergrund: Die Nachhaltigkeitsrücklage schmilzt von über 41 Milliarden Euro Ende 2025 auf voraussichtlich knapp 12 Milliarden Euro Ende 2027.
Rentner: Die versteckte Kostenfalle
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Auch für heutige Rentner wird es teurer. Bei Betriebsrenten müssen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge in voller Höhe selbst getragen werden. Seit 2020 gibt es einen Freibetrag von 197,75 Euro pro Monat.
Besonders tückisch: Eine falsche Einstufung in der Krankenversicherung der Rentner (KVdR). Werden freiwillige GKV-Zeiten oder Erziehungszeiten nicht angerechnet, können jährlich erhebliche Summen verloren gehen. Die Beweislast liegt beim Versicherten.
Frauen sind besonders von Altersarmut bedroht. Laut AXA Vorsorge Report vom März 2026 befürchtet fast ein Drittel, den Lebensstandard im Alter nicht halten zu können. In der Generation X geben 61 Prozent der Frauen an, sich keine zusätzliche Vorsorge leisten zu können.
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