AfD-Regierung: Ökonomen warnen vor 690 Milliarden Euro Schaden
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSFührende Ökonomen warnen vor verheerenden wirtschaftlichen Folgen, falls die AfD in deutschen Bundesländern oder auf Bundesebene Regierungsmacht erhält. Sie sehen zentrale Forderungen der Partei als Gefahr für Wohlstand, Beschäftigung und die Stabilität der öffentlichen Finanzen.
IW-Chef Hüther kritisiert AfD-Kurs als unseriös
Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, bezeichnet die Wirtschaftspolitik der AfD als unseriös. Sie sei geeignet, die aktuelle Krise auf Jahrzehnte zu verlängern. Das gelte nach seiner Einschätzung für die Pläne der Partei in der Finanz-, Migrations-, Europa- und Energiepolitik.
Besonders kritisch bewertet Hüther den von der AfD geforderten Austritt aus dem Euro. Ein solcher Schritt wäre für Deutschland aus seiner Sicht wirtschaftlich „suizidal“, weil die deutsche Exportwirtschaft ohne Euro und Europäische Union nicht funktionieren könne. Nach Hüthers Berechnungen würde ein EU-Austritt innerhalb von fünf Jahren einen wirtschaftlichen Schaden von rund 690 Milliarden Euro verursachen und etwa 2,5 Millionen Arbeitsplätze gefährden.
Widersprüche bei Renten- und Steuerplänen
Hüther wirft der AfD vor, staatliche Investitionsprogramme zu kritisieren und zugleich hohe Rentenversprechen bei gleichzeitigen Steuersenkungen zu machen. Ein Rentenniveau von 70 Prozent sei seiner Einschätzung nach schlicht nicht finanzierbar. Zugleich spricht er von „Bigotterie“, wenn im gleichen Atemzug utopische Leistungen versprochen werden.
DIW-Präsident Fratzscher warnt vor „Dexit“
Auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, äußert sich deutlich kritisch zur Wirtschafts- und Finanzpolitik der AfD. Er sieht in den Konzepten der Partei eine extrem neoliberale Ausrichtung mit Steuersenkungen für Wohlhabende und Einschnitten bei Sozialleistungen.
Fratzscher kritisiert die Forderungen der AfD als von Widersprüchen durchzogen. Höhere Renten, niedrigere Steuern und weniger Zuwanderung passten aus seiner Sicht nicht zusammen. Entweder mangele es der Partei an Kompetenz, oder es handle sich um puren Populismus. Hauptleidtragende einer Umsetzung dieser Politik wären nach seiner Einschätzung die eigenen Wähler der AfD.
Folgen für Arbeitsplätze und Wanderungsbewegungen
Ein „Dexit“, also ein Austritt Deutschlands aus der Europäischen Union, wäre nach Fratzschers Bewertung das Ende des deutschen Wirtschaftsmodells und würde viele Millionen gute Arbeitsplätze zerstören. Der wirtschaftliche Schaden wäre maximal, warnt der DIW-Präsident.
Darüber hinaus bezeichnet Fratzscher zentrale AfD-Forderungen als „Vertreibungsprogramm“. Deutschland brauche nicht weniger, sondern mehr Zuwanderung, um seinen Wohlstand zu sichern. Wenn sich das Land nicht weiter öffne, werde seiner Einschätzung nach viel Wohlstand verloren gehen. Die Politik der AfD würde aus seiner Sicht auch zu einer stärkeren Abwanderung von Deutschen und deutschen Unternehmen führen.
Die scharfen Warnungen von IW-Direktor Michael Hüther und DIW-Präsident Marcel Fratzscher richten sich gegen zentrale wirtschaftspolitische Forderungen der AfD. Beide Ökonomen kritisieren vor allem die Idee eines Austritts Deutschlands aus der Eurozone oder gar aus der Europäischen Union. Ihren Berechnungen zufolge würde ein solcher Schritt das exportorientierte deutsche Wirtschaftsmodell massiv treffen, weil Unternehmen stark von stabilem Zugang zum europäischen Binnenmarkt und von der gemeinsamen Währung profitieren.
Die Kritik zielt nicht nur auf Europa-, sondern auch auf Finanz- und Sozialpolitik. Hüther und Fratzscher werfen der AfD vor, gleichzeitig deutlich höhere Renten, niedrigere Steuern und weniger Zuwanderung zu propagieren. Diese Kombination gilt in der ökonomischen Forschung als nicht tragfähig, weil eine alternde Gesellschaft ohne qualifizierte Zuwanderung und bei sinkenden Steuereinnahmen kaum auskömmliche Rentenversprechen finanzieren kann. Vor diesem Hintergrund sprechen beide von unseriöser Politik und Populismus.
Demografischer Druck und Fachkräftemangel
Im Hintergrund steht die seit Jahren bekannte demografische Entwicklung in Deutschland. Die geburtenstarken Jahrgänge gehen schrittweise in Rente, während die Zahl der Erwerbstätigen langfristig sinkt. Zugleich melden viele Branchen einen zunehmenden Fachkräftemangel. Ökonomen sehen darin ein zentrales Risiko für Wachstum, Produktivität und die Finanzierbarkeit des Sozialstaats. Forderungen nach geringerer Zuwanderung stehen im Widerspruch zu dieser Ausgangslage, weil sie das Arbeitskräfteangebot weiter verknappen würden.
Europa als Stütze des Wirtschaftsmodells
Auch der Hinweis auf einen „Dexit“ spiegelt eine breite ökonomische Debatte wider. Das deutsche Modell mit starker Industrie, ausgeprägter Exportorientierung und komplexen Lieferketten ist eng mit EU-Regeln, dem Binnenmarkt und dem Euro verflochten. Ein Austritt würde neue Zollschranken, Währungsrisiken und Rechtsunsicherheiten bringen und damit Investitionen und Arbeitsplätze belasten. Die Warnungen der Ökonomen ordnen die AfD-Forderungen deshalb als Risiko für Wohlstand, Beschäftigung und die langfristige Stabilität der öffentlichen Finanzen ein.
