Absturzsicherung: TH Köln testet Lifeline-Systeme mit 100-kg-Gewicht
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 08:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der sichere Betrieb technischer Infrastrukturen erfordert eine Kombination aus präzisen Messverfahren, strikten Verhaltensregeln für das Personal und einer robusten IT-Sicherheit. Aktuelle Fachinformationen detaillieren die notwendigen Schutzmaßnahmen, die von der manuellen Prüfung elektrischer Komponenten bis hin zur Absicherung komplexer Industrienetze reichen.
Präzisionsmessung und personelle Schutzmaßnahmen
Bei der Verwendung von spezialisierten Messgeräten, wie etwa einem 200-A-Kontaktwiderstandsmessgerät, steht die Unfallprävention im Vordergrund. Vor der Inbetriebnahme ist eine umfassende Sichtprüfung auf Schäden an den Messleitungen und der Stromquelle obligatorisch.
Das Bedienpersonal muss dabei eine spezifische persönliche Schutzausrüstung (PSA) tragen, die aus einer Schutzbrille, isolierten Handschuhen und eng anliegender Kleidung besteht; Schmuck ist vor Arbeitsbeginn abzulegen.
Die Arbeitsumgebung muss trocken, gut belüftet und frei von Hindernissen sein. Vor dem Anschluss des Geräts ist die Stromversorgung zwingend zu trennen. Zudem muss die korrekte Polarität beachtet werden, während das Berühren spannungsführender Teile untersagt bleibt. Nach Abschluss der Messungen sind die Leitungen fachgerecht zu trennen und das Gerät nach einer Reinigung trocken zu lagern.
Für die Analyse von Strömen in elektrischen Anlagen werden zudem Leckstromzangen eingesetzt. Hierbei wird zwischen verschiedenen Messmethoden unterschieden: Während ein einzelner aktiver Leiter den Laststrom anzeigt, erfasst die gemeinsame Messung aller aktiven Leiter (L+N bzw. L1, L2, L3 und N) den Differenzstrom.
Ein Beispiel aus der Praxis verdeutlicht die Sensibilität: Bei einem Strom von 5,000 A auf dem Außenleiter und 4,996 A auf dem Neutralleiter ergibt sich ein Differenzstrom von 4 mA. Die reine Schutzleitermessung (PE) kann durch parallele Erdwege von der Differenzstrommessung abweichen, etwa mit Werten von 8 mA gegenüber 14 mA.
Mechanische Sicherheit und Fallschutzprüfungen
Die Sicherheit von Absturzsicherungssystemen wurde durch Untersuchungen der TH Köln am Beispiel eines Lifeline-Systems verifiziert. In Tests mit einem 100 kg schweren Prüfgewicht und einer Fallhöhe von 1,50 m bei einer Vorspannung von 1 kN zeigte sich, dass die maximale Kraft in der Lifeline unter 6 kN verblieb. Im Höhensicherungsgerät wurden Belastungen von circa 4,3 kN gemessen.
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Numerische Simulationen mit spezialisierter Software stützen diese Ergebnisse. Diese berechneten eine vertikal Verschiebung von 1,16 m und eine Belastung von 4,1 kN über das Höhensicherungsgerät. Die Flexibilität des Systems trage maßgeblich zur Reduzierung der Gesamtbelastung und zu einem gedämpften Nachschwingverhalten bei.
In industriellen Umgebungen wie automatisierten Druckgießereien übernehmen Sicherheitszäune mit elektronischen Schlössern die physische Absicherung. Diese isolieren Gefahrenbereiche und stoppen das System automatisch, sobald ein Zauntor unbefugt geöffnet wird. Dies schütze das Personal vor Hochgeschwindigkeitsbewegungen der Maschinen sowie vor Metallspritzern.
Normative Anforderungen und digitale Risikobewertung
Für Reinräume definiert die Richtlinie VDI 2083 Blatt 3 die Messverfahren für die Partikelüberwachung ab einer Größe von 100 Nanometern. Diese Norm umfasst Sichtprüfungen, Filterleckprüfungen sowie Druckdifferenzmessungen und ersetzt bisherige anwenderspezifische Verfahren nach DIN EN 12599 oder ISO 14644-4.
Im Bereich der Maschinensicherheit unterstützt Software wie Safexpert 10 die Risikobeurteilung gemäß EN ISO 12100. Das System bereitet Unternehmen auf die ab dem 20. Januar 2027 geltende EU-Maschinenverordnung vor. Zukünftige Funktionen sollen zudem KI-Unterstützung bieten, wobei generierte Einträge ausdrücklich gekennzeichnet und menschlich geprüft werden müssen.
Wer sich mit der Prüfung elektrischer Komponenten und der Einhaltung technischer Normen befasst, muss auch die rechtlichen Pflichten bei der Unterweisung der Mitarbeiter im Blick behalten. Dieser kostenlose Ratgeber liefert eine bearbeitbare PowerPoint-Vorlage und praktische Tipps, um Elektro-Unterweisungen im Betrieb zeitsparend und rechtssicher durchzuführen. Kostenlose Muster-Vorlage für die Elektro-Unterweisung herunterladen
Netzqualität und IT-Sicherheit in der Produktion
Die Netzqualität in Industriebetrieben, etwa in einer 415-V-Textilfabrik, erfordert eine Überprüfung auf vier Ebenen, die von der EMV-Konformität gemäß Richtlinie 2014/30/EU bis zur Projektabnahme reicht. Besondere Aufmerksamkeit gelte der Neutralleitererwärmung und Stromverzerrungen, wobei bei Umgebungstemperaturen von 45 °C unter Volllast eine Derating-Prüfung notwendig sei.
Zur Absicherung der IT- und OT-Infrastruktur setzt Siemens auf die „Secure Reference Architecture“ nach IEC 62443. Diese sieht eine strikte Netzwerksegmentierung, den Einsatz von Demilitarisierten Zonen (DMZ) und Mikrosegmentierung vor, um die Ausbreitung von Angriffen zu verhindern.
Fernzugriffe erfolgen dabei ausschließlich über Jump Hosts. Ergänzend bieten Dienstleister wie telent und Koramis Managed-Security-Services an, die eine 24/7-Netzwerküberwachung, Schwachstellenanalysen und Incident-Management aus der Cloud umfassen.
