Metall, SPD

35-Stunden-Woche: IG Metall und SPD lehnen Arbeitszeitverlängerung ab

Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 20:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Gewerkschaft und SPD weisen Forderungen nach Arbeitszeitverlängerung zurück und warnen vor Reallohnverlusten. Industrie verweist auf Standortprobleme.

Arbeitszeit-Debatte: IG Metall und SPD lehnen längere Wochenarbeitszeit ab
Arbeiter in einer modernen Industriehalle in einem Gespräch während einer Schicht in der Metall- und Elektroindustrie. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

In der Debatte um die künftige Arbeitszeitgestaltung in Deutschland haben die Gewerkschaft IG Metall und Vertreter der SPD Forderungen aus der Industrie nach einer Arbeitszeitverlängerung entschieden abgelehnt. Am 12. August 2026 betonten Spitzenvertreter beider Organisationen die Bedeutung der bestehenden tariflichen Regelungen und warnten vor Reallohnverlusten durch eine Ausweitung der Wochenarbeitszeit ohne finanziellen Ausgleich.

Gewerkschaft und Politik warnen vor Lohnkürzungen

Die Tarifvorständin der IG Metall, Nadine Boguslawski, erklärte am 12. August 2026, dass Angriffe auf die 35-Stunden-Woche faktisch auf Lohnkürzungen abzielen würden. Die Gewerkschaft reagierte damit auf zunehmenden Druck aus Arbeitgeberkreisen, die eine Rückkehr zu längeren Arbeitszeiten fordern. Die SPD-Vizefraktionschefin Dagmar Schmidt stützte diese Position und bezeichnete die 35-Stunden-Woche als das Ergebnis einer konsensualen Einigung zwischen den Tarifpartnern.

In der Metall- und Elektroindustrie ist die 35-Stunden-Woche im Westen bereits seit 1995 etabliert, während sie in den ostdeutschen Bundesländern erst seit 2021 gilt. Für den kommenden Herbst sind neue Tarifgespräche in der Branche angesetzt. Die IG Metall kündigte bereits am 11. August 2026 an, die Forderungen der Arbeitgeberseite abzulehnen und bereitet sich auf Protestmaßnahmen vor.

Industrievertreter fordern längere Arbeitszeiten

Auslöser der aktuellen Kontroverse sind Äußerungen namhafter Wirtschaftsvertreter. Nikolas Stihl, Aufsichtsratschef des Motorsägenherstellers Stihl, forderte am 11. und 12. August 2026 Gespräche über längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich. Er begründete dies mit der wirtschaftlichen Lage und verwies darauf, dass Deutschland sich die 35-Stunden-Woche in guten Zeiten habe leisten können, dies aktuell jedoch nicht mehr der Fall sei. Stihl bezeichnete die Frankfurter Zentrale der IG Metall als ideologisch geprägt und mahnte, die Blutung der deutschen Industrie müsse gestoppt werden. Dabei verwies er auf den Verlust von fast 500.000 Industriearbeitsplätzen.

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Unterstützung erhielt Stihl von weiteren Branchengrößen. Martin Brudermüller, Aufsichtsratsvorsitzender von Mercedes, forderte zuvor ebenfalls eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche bei gleichbleibendem Gehalt. Der Unternehmer Martin Herrenknecht plädierte am 11. August 2026 für die 40-Stunden-Woche als neuen Standard und verwies auf die im internationalen Vergleich hohen Arbeits- und Energiekosten in Deutschland. Er regte zudem steuerliche Anreize für freiwillige Mehrarbeit an und nannte die Schweiz als Vorbild, wo Arbeitnehmer durchschnittlich 42 Stunden pro Woche und damit rund 250 Stunden pro Jahr mehr arbeiteten als in Deutschland.

Auch aus der Politik kamen vereinzelt unterstützende Signale für die Forderungen der Wirtschaft. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) erklärte am 10. August 2026, dass die 35-Stunden-Woche nicht mehr in die aktuelle Zeit passe. Die Unternehmerin Sarna Röser ergänzte am 11. August 2026, Deutschland habe kein Problem mit der 35-Stunden-Woche an sich, sondern leide unter Standort- und Gewerkschaftsproblemen.

Statistische Einordnung der Arbeitszeitrealität

Aktuelle Daten der Hans-Böckler-Stiftung zeigen, dass knapp 20 % der Beschäftigten in Branchen arbeiten, in denen eine tarifliche Wochenarbeitszeit von 35 Stunden oder weniger gilt. Die durchschnittliche tarifliche Wochenarbeitszeit über alle Branchen hinweg wird mit 37,8 Stunden angegeben. Demgegenüber stehen Zahlen des Statistischen Bundesamtes, wonach Vollzeitbeschäftigte im Jahr 2025 tatsächlich durchschnittlich 39,9 Stunden pro Woche arbeiteten.

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Die wirtschaftliche Dringlichkeit der Debatte wird durch Daten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) untermauert. Einer Studie zufolge sank die Zahl der Industriebeschäftigten im Jahr 2025 auf 6,6 Millionen, was einem Zehnjahrestief entspricht. Allein im vergangenen Jahr gingen in diesem Sektor knapp 200.000 Arbeitsplätze verloren.

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