Italien, Russland

Keine Jury, Feier, Löwen: Biennale im Chaos

01.05.2026 - 12:49:33 | dpa.de

Zusammen mit der documenta in Kassel gilt die Schau in Venedig als wichtigste Ausstellung zeitgenössischer Kunst weltweit. Kurz vor Beginn geht es jedoch nur um Politik. Im Fokus: Russland und Israel.

  • Wenige Tage vor Beginn hat die Kunstbiennale in Venedig keine Jury mehr. (Archivbild) - Foto: Robert Messer/dpa
    Wenige Tage vor Beginn hat die Kunstbiennale in Venedig keine Jury mehr. (Archivbild) - Foto: Robert Messer/dpa
  • Der russische Pavillon auf dem Biennale-Gelände stammt noch aus Zarenzeiten. (Archivbild) - Foto: Felix Hörhager/dpa
    Der russische Pavillon auf dem Biennale-Gelände stammt noch aus Zarenzeiten. (Archivbild) - Foto: Felix Hörhager/dpa
  • Die verstorbene deutsche Installationskünstlerin Henrike Naumann. (Archivbild) - Foto: Claudia Drescher/dpa-Zentralbild/dpa
    Die verstorbene deutsche Installationskünstlerin Henrike Naumann. (Archivbild) - Foto: Claudia Drescher/dpa-Zentralbild/dpa
Wenige Tage vor Beginn hat die Kunstbiennale in Venedig keine Jury mehr. (Archivbild) - Foto: Robert Messer/dpa Der russische Pavillon auf dem Biennale-Gelände stammt noch aus Zarenzeiten. (Archivbild) - Foto: Felix Hörhager/dpa Die verstorbene deutsche Installationskünstlerin Henrike Naumann. (Archivbild) - Foto: Claudia Drescher/dpa-Zentralbild/dpa

Die Kunstbiennale in Venedig - eine der wichtigsten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst weltweit - steht vor einem Scherbenhaufen. Wenige Tage vor Beginn trat die internationale Jury im Streit um den Umgang mit Russland und Israel geschlossen zurück. Seit Gründung der Biennale 1895 gab es das noch nie. Die groß geplante Eröffnungsfeier fällt ebenso aus wie die übliche Vergabe der Goldenen Löwen. Preise werden jetzt erst zum Ende der Biennale im November vergeben - und zwar nicht mehr von einer Jury, sondern durch eine Abstimmung unter dem Publikum.

Zusammen mit der documenta in Kassel gehört die alle zwei Jahre stattfindende Biennale in der italienischen Lagunenstadt zu den wichtigsten Veranstaltungen zeitgenössischer Kunst. Die 61. Auflage geriet jedoch in die Mühlen der Weltpolitik: zunächst, weil inmitten des Ukraine-Kriegs erstmals wieder Kunst aus Russland dabei sein wird, und dann auch noch, weil die Jury vergangene Woche sowohl Russland als auch Israel von der Preisvergabe ausschloss. 

61. Auflage auch von Todesfällen überschattet

Zudem wird die Biennale von zwei Todesfällen überschattet: Vergangenes Jahr starb die Kuratorin der Ausstellung, Koyo Kouoh, mit 57 Jahren an Krebs. Im Februar erlag die Installationskünstlerin Henrike Naumann, die Deutschland vertreten sollte, mit erst 41 Jahren ebenfalls einem Krebsleiden. Der deutsche Pavillon wurde trotzdem nach den Ideen Naumanns und der Deutsch-Vietnamesin Sung Tieu gestaltet. Auf dem Biennale-Gelände stehen Pavillons, die von den verschiedenen Nationen genutzt werden. Vor der offiziellen Eröffnung am Samstag nächster Woche darf bereits die Fachwelt hinein. 

Der geschlossene Rücktritt der Jury unter Vorsitz der brasilianischen Kunsthistorikerin Oliveira Farks sorgt in der Kunstwelt für Schlagzeilen weit über Italien hinaus. Die Erklärung wurde von den fünf Jury-Mitgliedern gemeinsam veröffentlicht, ohne dass sie ihre Gründe näher erläuterten. Die italienische Zeitung «La Repubblica» titelte: «Biennale im Chaos». Nach deren Informationen wurde die Jury zum Rücktritt gedrängt - auch mit der Drohung, dass Schadensersatzforderungen auf die fünf Mitglieder zukommen könnten. Offiziell gab es keine Bestätigung dafür.

Italiens Ministerpräsidentin Meloni: «Überblick verloren» 

Offensichtlich steht der Abgang in Zusammenhang mit dem Streit um Russland und Israel. Wegen des Kriegs gegen die Ukraine wurde der russische Pavillon in den vergangenen vier Jahren von Russland nicht genutzt. Jetzt soll dort Kunst gezeigt werden, deren Macherinnen Verbindungen in den Kreml haben. Israel wird in Venedig vom israelisch-rumänischen Künstler Belu-Simion Fainaru vertreten. An Israels militärischem Vorgehen gibt es international ebenfalls viel Kritik. Vergangene Woche erklärte die Jury dann, dass weder Russland noch Israel mit einem Preis rechnen könnten.

Daraufhin schickte die italienische Regierung «Inspektoren» nach Venedig. Zuvor schon hatten Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Kulturminister Allesandro Giuli angekündigt, der Eröffnung fernzubleiben. Meloni sagte zum Rücktritt der Jury: «Ich weiß nicht, ob dies mit der Entsendung der Inspektoren zusammenhängt. Was die Dynamik dieser Angelegenheit angeht, habe ich den Überblick etwas verloren.» Die EU droht der Biennale damit, wegen Russlands Beteiligung Zuschüsse in Millionenhöhe zu streichen.

Israel begrüßt Rücktritt der Jury

Nach dem Rücktritt der Jury kündigte die Biennale-Leitung an, die Goldenen Löwen nun erst am letzten Ausstellungstag im November zu vergeben. Statt der üblichen Preise soll es nur zwei «Leoni dei Visitatori» («Besucherlöwen») geben. Dabei werden dann auch die Beiträge aus Russland und Israel zur Auswahl stehen. Israels Außenminister Gideon Saar begrüßte dies. «Die Botschaft ist klar: In der Kulturwelt ist kein Platz für Politik, Boykotte oder Antisemitismus.»

Russland sieht die erste Teilnahme an der Biennale seit Beginn seines Angriffskriegs als Ende seiner kulturellen Isolation im Westen. Noch 2022 warfen die russischen Künstler in Venedig aus Protest gegen den Krieg hin. 2024 überließ der russische Staat seinen Pavillon aus Zarenzeiten dem Land Bolivien. Im fünften Kriegsjahr ist jede Zurückhaltung gefallen.

Museumsdirektor sieht Kunst als Teil von «Spezialoperation»

Am Start sind aber keine unabhängigen Künstler, die in ihrer Heimat oft Zensur und strafrechtliche Verfolgung fürchten müssen. Verantwortlich ist vielmehr die Kuratorin Anastassija Kornejewa mit einem Musik- und Performanceprojekt. Kornejewa ist Tochter eines Rüstungsmanagers im Rang eines Geheimdienstgenerals. In Moskau leitet sie mit Jekaterina Winokurowa, Tochter von Außenminister Sergej Lawrow, eine Galerie für moderne Kunst.

Für die Ukraine und andere Russland-Kritiker ist die Kulturoffensive Teil von Moskaus hybrider Kriegsführung. Tatsächlich meinte der Museumsdirektor der Eremitage in St. Petersburg, Michail Piotrowski, einmal, russische Ausstellungen im Ausland seien eine «Art der Spezialoperation». So wird der Krieg gegen die Ukraine in Russland offiziell genannt. In Venedig sind nächste Woche auch mehrere Demonstrationen geplant: Am Freitag soll gegen Israel protestiert werden, am Samstag gegen Russland.

So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
de | unterhaltung | 69268498 |