Niederländisches Königshaus, Kolonialismus

Niederländisches Königshaus verdiente 576 Millionen Euro an Kolonien

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 14:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Eine historische Studie belastet das niederländische Königshaus schwer: Die Oranier unterstützten demnach über Jahrhunderte Kolonialismus und Sklaverei und verdienten daran umgerechnet fast 576 Millionen Euro. König Willem-Alexander bezeichnete die Ergebnisse als „erschütternd und konfrontierend“.

König Willem-Alexander hatte selbst den Auftrag zu der Studie gegeben. (Archivbild) - Bild: Remko de Waal/Pool ANP/AP/dpa
König Willem-Alexander hatte selbst den Auftrag zu der Studie gegeben. (Archivbild) - Bild: Remko de Waal/Pool ANP/AP/dpa

Das niederländische Königshaus hat einer historischen Studie zufolge über Jahrhunderte den Kolonialismus unterstützt und daran umgerechnet fast 576 Millionen Euro verdient.

Studie im Beisein des Königs vorgestellt

Die umfassende Untersuchung wurde in Leiden im Beisein von König Willem-Alexander präsentiert. Der Monarch hatte die Studie selbst in Auftrag gegeben.

Demnach stand das Haus Oranien-Nassau bis Mitte des 20. Jahrhunderts hinter kolonialer Herrschaft und der gewaltsamen Unterdrückung von Aufständen. Die Oranier hätten koloniale Kriegführung als unvermeidlich und gerechtfertigt betrachtet, sagte der leitende Historiker Gert Oostindie.

Millionengewinne vor allem in Indonesien

Den Historikern zufolge stammten die Einnahmen vor allem aus der ehemaligen Kolonie Niederländisch-Indien, dem heutigen Indonesien. Am Sklavenhandel selbst hätten die Monarchen zwar kaum verdient; sie hätten ihn jedoch unterstützt und erfolglos in entsprechende Vorhaben investiert.

Auch gegen Menschenhandel und Sklaverei habe es in der königlichen Familie lange keine Einwände gegeben. Erst unter Königin Juliana, die von 1948 bis 1980 regierte, habe sich die Haltung langsam gewandelt. 1949 erkannten die Niederlande die Souveränität Indonesiens an.

Willem-Alexander nennt Ergebnisse erschütternd

2023 hatte sich Willem-Alexander im Namen des Königreichs für die Versklavung Tausender Menschen entschuldigt. Zum 150. Jahrestag der Abschaffung der Sklaverei bat er auch um Vergebung dafür, dass seine Vorfahren nichts gegen das System unternommen hatten.

Die Ergebnisse der neuen Studie nannte der König „erschütternd und konfrontierend“. Er bekräftigte die Notwendigkeit, sich der Vergangenheit ehrlich zu stellen: „Ohne anzuerkennen, was geschehen ist, kommen wir nicht weiter.“

Historische Verantwortung des Königshauses

Die Studie ordnet die niederländische Monarchie nicht nur als passive Begleiterin der Kolonialpolitik ein. Nach den Ergebnissen standen die Oranier über lange Zeit grundsätzlich hinter kolonialer Herrschaft, militärischer Gewalt und der Unterdrückung von Widerstand. Damit richtet sich der Blick auf die politische und wirtschaftliche Verantwortung einer Institution, deren Geschichte eng mit der Entwicklung des niederländischen Staates verbunden ist.

Besonders relevant ist die genannte Summe von fast 576 Millionen Euro nach heutigem Wert. Sie verweist auf materielle Vorteile aus kolonialen Strukturen, vor allem in Niederländisch-Indien. Dass die Studie zugleich nur geringe direkte Einnahmen aus dem Sklavenhandel feststellt, ändert nichts an der politischen Unterstützung und den Investitionen, die das System ermöglichten.

Folgen für Aufarbeitung und Gegenwart

Die Untersuchung steht im Zusammenhang mit einer breiteren niederländischen Debatte über Kolonialismus, Sklaverei und staatliche Verantwortung. Willem-Alexanders Entschuldigung von 2023 hatte bereits anerkannt, dass Vorfahren des Monarchen die Versklavung nicht verhindert hatten. Die neue Studie erweitert diese Debatte um konkrete historische Befunde zur Rolle und Bereicherung der Dynastie.

Für die Gegenwart dürfte entscheidend sein, wie aus der Anerkennung Konsequenzen entstehen. Im Mittelpunkt stehen mögliche Formen weiterer Aufarbeitung, historische Bildung und der Umgang mit Nachfahren betroffener Gruppen. Die Veröffentlichung macht zudem sichtbar, dass koloniale Gewinne nicht allein bei Handelsunternehmen oder dem Staat anfielen, sondern auch das Umfeld des Herrscherhauses prägten.

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