Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Sparkasse nach Millionen-Coup vorerst weiter geschlossen

06.01.2026 - 14:25:01 | dpa.de

Nach dem spektakulären Einbruch in Gelsenkirchen sorgen sich Kunden um ihr Geld. Etliche haben schon einen Anwalt beauftragt. Hat die Bank sie ausreichend aufgeklärt, dass die Haftung begrenzt ist?

Ein Absperrband der Polizei hängt vor der Sparkasse in Gelsenkirchen-Buer. Unbekannte hatten dort Beute in Millionenhöhe gemacht. (Archivbild) - Foto: Oliver Berg/dpa
Ein Absperrband der Polizei hängt vor der Sparkasse in Gelsenkirchen-Buer. Unbekannte hatten dort Beute in Millionenhöhe gemacht. (Archivbild) - Foto: Oliver Berg/dpa

Nach dem Millionen-Coup in einer Gelsenkirchener Sparkasse bleibt das Institut vorerst weiter geschlossen. Der geplünderte Tresorraum sei von der Polizei versiegelt worden, sagte ein Sparkassensprecher. Bevor die Bank ihre Tätigkeit wieder aufnehmen könne, müssten Unterlagen und Gegenstände in dem Raum für die Kunden gesichert werden. Es sei aktuell schwer zu sagen, wie lange das noch dauern werde.

Einsatzkräfte hatten den Einbruch vergangene Woche Montag nach einem Alarm der Brandmeldeanlage entdeckt. Die Täter brachen fast alle 3.250 Kunden-Schließfächer der Sparkassen-Filiale im Stadtteil Buer auf. Sie drangen in einen Archivraum ein, von dem aus sie ein großes Loch in den Tresorraum bohrten. Die Beutetour zog sich möglicherweise über mehrere Tage hin. Die Täter sind weiter flüchtig.

Kontakt mit mehr als 1.500 Kunden

Inzwischen hätten mehr als 1.500 Kunden über eine telefonische Hotline oder auf anderem Weg Kontakt mit der Bank aufgenommen, sagte der Sparkassensprecher. Mit Zustimmung der Kunden würden die Daten an die Polizei weitergeleitet, die automatisch Anzeige erstellt. Die Schließfächer sind laut Sparkasse pauschal bis zu einer Summe von jeweils 10.300 Euro versichert. 

Allein daraus ergibt sich bei mehr als 3.000 Schließfächern eine mögliche Schadenssumme von rund 30 Millionen Euro. Über 100 Kunden hätten aber Zusatz-Versicherungen über höhere Summen abgeschlossen, sagte der Sparkassen-Sprecher. Auch bei der Polizei seien teilweise Schadenssummen deutlich über dem versicherten Wert genannt worden, teils sechsstellige, sagte ein Polizeisprecher.

Vorwürfe gegen die Sparkasse

Der Marler Anwalt Burkhard Benecken, der nach seinen Angaben knapp 50 Geschädigte vertritt, warf der Bank eine mögliche Verletzung der Aufklärungspflicht vor. Dass es eine Versicherungshöchstgrenze gab, sei vielen Mandanten erst nachträglich klargeworden. «Sie sind aus allen Wolken gefallen», sagte er. 

Zwar stehe dies in den Schließfachverträgen, aber die Einleger seien meist juristisch unerfahren, die Bank hätte sie aktiv darauf hinweisen müssen, sagte Benecken. Dies könne möglicherweise zu einer Grundlage für zivilrechtliche Ansprüche gegen die Sparkasse werden. Der Sparkassensprecher sagte, dass die Begrenzung der Haftung in den Verträgen «klar und explizit enthalten» sei. 

300.000 bis 400.000 Euro im Schließfach

Bei seinen Mandanten liege der Schnitt der eingelagerten Werte bei mindestens 100.000 Euro pro Schließfach, manche hätten 300.000 bis 400.000 Euro gelagert, sagte Benecken. Der Anwalt widersprach Spekulationen über Schwarzgeld in den Fächern. Ein Großteil seiner Mandanten habe bereits Nachweise über einen seriösen Erwerb - etwa Videos von der Einlagerung von Bargeld oder Goldschmuck - vorgelegt. Benecken hatte zuvor mit dem «Kölner Stadt-Anzeiger» gesprochen.

Der spektakuläre Einbruch mit Millionenbeute soll auch in einer Sondersitzung des Innenausschusses im Landtag aufgearbeitet werden. Die SPD hat einen entsprechenden Antrag eingereicht, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Demnach soll es neben dem Sachstand der Ermittlungen auch um Fragen nach Schwachstellen im Sicherheitskonzept der Sparkasse und mögliche Verbindungen zur organisierten Kriminalität gehen.

So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!
de | unterhaltung | 68464014 |

Weitere Meldungen

Weiche beschädigt: Verspätung auf wichtiger ICE-Strecke. Mehrere Bahnhöfe werden nicht angefahren. Eine beschädigte Weiche bremst ICE- und IC-Züge aus: Reisende zwischen Ruhrgebiet und Berlin müssen mit deutlich längeren Fahrzeiten rechnen. (Unterhaltung, 29.04.2026 - 07:50) weiterlesen...

Wal auf Abwegen: Vor 60 Jahren schwamm Moby Dick im Rhein. Vor 60 Jahren schwamm Moby Dick im Rhein. Wochenlang bangten die Menschen um ihn. Schaulustige, immer neue Rettungsversuche und viel Mitleid mit einem verirrten Wal - das gab es alles schon mal. (Unterhaltung, 29.04.2026 - 06:12) weiterlesen...

Großrazzia gegen «Hells Angels» mischt Rocker-Szene auf. Ein Ableger wird verboten - aber es gibt noch viele weitere. Der Innenminister macht klar, was die Motorradclubs wirklich im Schilde führen. 1.200 Polizisten gehen gegen die «Hells Angels» in NRW vor. (Unterhaltung, 28.04.2026 - 13:18) weiterlesen...

Klingbeil bestätigt lauten Koalitionsstreit in Villa Borsig Lautstarke Debatten, harte Forderungen und ein kräftiges Nein – der SPD-Chef berichtet, wie beim Spitzentreffen der Koalition vor gut zwei Wochen um Feiertage und Sparpläne gestritten wurde. (Politik, 28.04.2026 - 12:29) weiterlesen...

Razzia bei Motorradrockern: Millionenwerte sichergestellt. Man habe große Vermögenswerte gesichert, Waffen und Hinweise auf Drogen entdeckt. Laut NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) waren die Razzien gegen «Hells Angels» ein Erfolg. (Unterhaltung, 28.04.2026 - 11:35) weiterlesen...

Reul: Bis zu 2,5 Millionen Euro bei Rocker-Razzia gesichert. Man habe große Vermögenswerte gesichert, Waffen und Hinweise auf Drogen entdeckt. Laut NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) waren die Razzien gegen «Hells Angels» ein Erfolg. (Unterhaltung, 28.04.2026 - 10:41) weiterlesen...