Deutschland, Nordrhein-Westfalen

Ex-Pfleger könnte mehr als 100 Menschen getötet haben

22.01.2026 - 11:06:21 | dpa.de

Im November wurde ein ehemaliger Pfleger in Aachen wegen zehnfachen Mordes verurteilt. Womöglich hat er aber mehr Menschen umgebracht - deutlich mehr. Es gibt weitere Exhumierungen.

Ein bereits wegen zehnfachen Mordes in Aachen verurteilter Ex-Pfleger könnte für mehr als 100 weitere Todesfälle verantwortlich sein. - Foto: Oliver Berg/dpa
Ein bereits wegen zehnfachen Mordes in Aachen verurteilter Ex-Pfleger könnte für mehr als 100 weitere Todesfälle verantwortlich sein. - Foto: Oliver Berg/dpa

Ein bereits wegen zehnfachen Mordes in Aachen verurteilter Ex-Pfleger könnte für mehr als 100 weitere Todesfälle verantwortlich sein. Es gebe eine entsprechend hohe Zahl an «Verdachtsfällen», teilte die Aachener Oberstaatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts mit. Mehrere Medien berichteten darüber.

Gegenstand der neuen Ermittlungen sind mögliche Taten jenseits mehrerer bereits abgeurteilter Fälle. Der Ex-Pfleger war im November 2025 vom Aachener Landgericht wegen 10-fachen Mordes und 27-fachen Mordversuchs zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Dabei wurde auch eine besondere Schwere der Schuld festgestellt - eine Freilassung nach 15 Jahren ist damit in der Regel ausgeschlossen.

Nach Überzeugung des Gerichts hatte der Mann während seiner Nachtschichten in einer Klinik in Würselen schwer kranken Menschen eigenmächtig überhöhte Mengen an Beruhigungsmitteln verabreicht - teils in Kombination mit Schmerzmitteln und teilweise auch mehrfach. Auslöser sollen ein persönliches Störgefühl und eine eigene Vorstellung von Ordnung gewesen sein. Der Pfleger selbst hatte die Vorwürfe im Prozess zurückgewiesen. Er habe keine Medikamente mit dem Ziel verabreicht, Leben zu verkürzen, erklärte er in einer Aussage im Mai 2025.

Verdachtsfälle liegen deutlich über 100

Die Taten, um die es in diesem Verfahren gegangen war, hatten sich in einem Zeitraum von Dezember 2023 bis zum Mai 2024 ereignet. Bei den neuen Verdachtsfällen geht es nun um mögliche Tötungsdelikte in der Zeit davor. Der Deutsche hatte bereits seit 2020 an der Klinik in Würselen gearbeitet. Nach dem Urteil hatte die Aachener Staatsanwaltschaft schon angekündigt, dass eine weitere Anklage wahrscheinlich sei. 

Nun gibt es einen ersten Überblick, was in einer neuen Anklage stehen könnte. «Die Verdachtsfälle in dem laufenden Verfahren liegen derzeit deutlich über 100», erklärte Oberstaatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts. Sie betonte zugleich, dass es sich um einen Anfangsverdacht handle. «Der kann natürlich auch noch wegfallen.» Es habe bereits 27 Exhumierungen im Zusammenhang mit den neuen Vorwürfen gegeben. Etwa 30 stünden noch aus. 

Auch in Köln Exhumierungen

Der Fall reicht inzwischen auch über Aachen hinaus: Auch in Köln wird ermittelt. Dort hatte der Mann bis 2020 gearbeitet. Die Kölner Staatsanwaltschaft bestätigte im Dezember Exhumierungen.

Immer wieder sorgen ähnliche Fälle für Entsetzen. Als bislang größte Mordserie der deutschen Nachkriegsgeschichte gilt der Fall des Ex-Pflegers Niels Högel: Das Landgericht Oldenburg verurteilte ihn 2019 wegen 85 Morden zu lebenslanger Haft. 

«Die Pflege und Medizin machen niemanden zu Serientätern. Jedoch macht es Pflege und Medizin Serientätern weiterhin viel zu leicht», kritisierte der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, im Lichte der neuen Verdachtsfälle. «Es fehlt eine Kultur des Hinschauens.»

Top-Künstler verdienen durch Tantiemen auch im Schlaf. Und was macht dein Erspartes?

Top-Künstler verdienen durch Tantiemen auch im Schlaf. Und was macht dein Erspartes?

Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für immer kostenlos

unterhaltung | 68509026 |

Weitere Meldungen

Neue Hosen-Single: «Die Show muss weitergehen». Die Band stimmt mit ihrer Single «Die Show muss weitergehen» auf das kommende Album ein. Nach jahrelanger Durststrecke gibt es neue Musik von den Toten Hosen. (Unterhaltung, 13.03.2026 - 11:37) weiterlesen...

Zu viel Risiko? Das sagt Kompany zu Comeback-Verletzungen. Trainer Kompany weist Spekulationen vor dem Leverkusen-Spiel zurück. Beim FC Bayern kommt es aktuell zu einigen Folge-Blessuren nach Verletzungen - wie bei Neuer, Davies oder Musiala. (Politik, 13.03.2026 - 11:21) weiterlesen...

Hier entstehen die Sommer-Hits des Jahres. Kurz vor seinem Tourstart in Köln gewährt der Ballermann-Sänger Einblicke in sein Studioleben in der Eifel. Weit weg von der Bierkönig-Bühne bastelt Julian Sommer an den Songs für die neue Saison. (Unterhaltung, 13.03.2026 - 06:00) weiterlesen...

BGH prüft Streit um Familienarchiv verfolgter Zeugen Jehovas. Die Zeugen Jehovas erheben Anspruch auf die mehr als 1.000 Dokumente. In einem Museum in Dresden liegt ein Archiv, das die Geschichte der zur NS-Zeit verfolgten Kusserow-Familie erzählt. (Politik, 13.03.2026 - 05:00) weiterlesen...

Transfercoup: Kellermann wird Sportdirektor der BVB-Frauen. Im Sommer geht Ralf Kellermann und kümmert sich dann um eine Drittligamannschaft. Er ist einer der erfolgreichsten Trainer und Manager im Frauenfußball und führte Wolfsburg zu zahlreichen Titeln. (Politik, 12.03.2026 - 16:01) weiterlesen...

Kirche bewilligte bisher 93 Millionen für Missbrauchsopfer. Wie aus jetzt veröffentlichten Daten hervorgeht, sind dies zum Teil durchaus erhebliche Summen. Die katholische Kirche zahlt Missbrauchsopfern seit einigen Jahren sogenannte Anerkennungsleistungen. (Politik, 12.03.2026 - 14:45) weiterlesen...