Hamburg, Deutschland

Zeuge: «Ich fand das eigenartig» – Aussagen im Block-Prozess

11.11.2025 - 14:44:36 | dpa.de

Die Block-Kinder wurden mutmaßlich von einer israelischen Sicherheitsfirma entführt. Angeblich sollte dieses Unternehmen eigentlich IT-Fragen klären. Doch Zeugen kam etwas eigenartig vor.

  • Richterin Isabel Hildebrandt ist Vorsitzende der Strafkammer. - Foto: Marcus Brandt/Pool dpa/dpa
    Richterin Isabel Hildebrandt ist Vorsitzende der Strafkammer. - Foto: Marcus Brandt/Pool dpa/dpa
  • Der Verteidiger des israelischen Angeklagten, Sascha Böttner, sieht im Leiter der Sicherheitsfirma die zentrale Figur. - Foto: Georg Wendt/dpa
    Der Verteidiger des israelischen Angeklagten, Sascha Böttner, sieht im Leiter der Sicherheitsfirma die zentrale Figur. - Foto: Georg Wendt/dpa
  • Dem Vater der entführten Kinder, Christina Blocks Ex-Mann Stephan Hensel, wurde nach Angaben eines Zeugens vorgeworfen, eine Gefahr für die Block-Unternehmensgruppe darzustellen.  - Foto: Marcus Brandt/dpa
    Dem Vater der entführten Kinder, Christina Blocks Ex-Mann Stephan Hensel, wurde nach Angaben eines Zeugens vorgeworfen, eine Gefahr für die Block-Unternehmensgruppe darzustellen. - Foto: Marcus Brandt/dpa
Richterin Isabel Hildebrandt ist Vorsitzende der Strafkammer. - Foto: Marcus Brandt/Pool dpa/dpa Der Verteidiger des israelischen Angeklagten, Sascha Böttner, sieht im Leiter der Sicherheitsfirma die zentrale Figur. - Foto: Georg Wendt/dpa Dem Vater der entführten Kinder, Christina Blocks Ex-Mann Stephan Hensel, wurde nach Angaben eines Zeugens vorgeworfen, eine Gefahr für die Block-Unternehmensgruppe darzustellen.  - Foto: Marcus Brandt/dpa

Die mutmaßlichen Entführer der Block-Kinder stellten sich nach Zeugenaussagen bei der Block-Unternehmensgruppe als IT-Experten vor. Bei einem Gespräch habe der Leiter der israelischen Sicherheitsfirma über ein Gefahrenpotenzial gesprochen, das angeblich von dem Ex-Mann von Christina Block, Stephan Hensel, ausgehe, sagte der IT-Chef der Block-Unternehmensgruppe als Zeuge im Landgericht Hamburg. Welche Gefahren konkret drohten, wurde aber nicht gesagt. «Am Ende des Tages konnten sie uns keine Beweise vorlegen.»

Die Unternehmerin Christina Block ist angeklagt, während eines langen Sorgerechtsstreits den Auftrag erteilt zu haben, zwei ihrer vier Kinder in der Silvesternacht 2023/24 aus der Obhut ihres in Dänemark lebenden Ex-Manns zu entführen. Die Tochter des Gründers der Restaurantkette «Block House», Eugen Block, bestreitet das.

Der damals zehnjährige Sohn und die 13 Jahre alte Tochter von Block und Hensel sollen von der israelischen Sicherheitsfirma nach Deutschland gebracht worden sein. Christina Block hat erklärt, dass die Firma nur mit der Überprüfung der IT-Sicherheit im Hotel Grand Elysée, das zur Block-Gruppe gehört, beauftragt worden sei. Die Rückholaktion hätten die Israelis auf eigene Faust gemacht. 

Vier Treffen mit israelischer Firma

Der Zeuge sagte weiter, er selbst und ein IT-Abteilungsleiter der Block-Gruppe hätten sich insgesamt viermal mit der israelischen Firma getroffen, zuletzt Ende November 2023. Die Firma habe für die Block-Gruppe arbeiten wollen. Er habe davon seinem direkten Vorgesetzten und dem damaligen Unternehmenschef per Mail berichtet. Dieser habe schnell reagiert und verlangt, die Kontakte sofort einzustellen, erklärte der IT-Leiter.

An drei der vier Treffen mit den Israelis nahm auf Bitte des IT-Chefs der Block-Gruppe auch deren IT-Abteilungsleiter teil. Der 44-Jährige sagte als Zeuge, er habe den Eindruck gehabt, der Geschäftsführer der Securityfirma habe Druck machen wollen. Dieser habe von einer Bedrohung aus dem Darknet berichtet, die von Hensel ausgehen sollte. Der Mann habe sogar ein konkretes Datum für eine angebliche Attacke genannt, aber keine Beweise dafür vorgelegt. «Ich fand das eigenartig», sagte der Zeuge.

«Noch nie mit einem ehemaligen Geheimagenten zu tun gehabt»

Beim letzten Treffen habe der israelische Geschäftsführer erklärt, seine Firma sei bis Anfang 2024 bezahlt und könne der Block-Gruppe bei der IT-Sicherheit helfen. Wer gezahlt haben soll, konnte der Zeuge nicht beantworten. Der Chef der israelischen Sicherheitsfirma habe aber erklärt, der Auftrag, die IT-Sicherheit des Hotels unter die Lupe zu nehmen, sei von der Familie Block erteilt worden.

Nach Angaben des IT-Chefs hatte sich der Geschäftsführer als ehemaliger Berufssoldat bei den israelischen Spezialkräften und als früherer Abteilungsleiter beim Geheimdienst Mossad vorgestellt. «Ich habe noch nie mit einem ehemaligen Geheimagenten zu tun gehabt», sagte der 60-Jährige.

Ein Israeli sitzt in Untersuchungshaft

Die Staatsanwaltschaft Hamburg verdächtigt den Leiter der israelischen Sicherheitsfirma und fünf weitere Israelis, an der Entführung der Block-Kinder beteiligt gewesen zu sein, und fahndet nach ihnen. Der in Haft sitzende siebte Israeli wurde im Herbst 2024 bei der Einreise nach Zypern festgenommen. Der 36-Jährige hatte bereits Ende August ausgesagt, dass er wenige Wochen vor der Rückholaktion von dem Geschäftsführer der Sicherheitsfirma angeworben wurde. 

Dieser habe von der großen Angst der Familie Block um die Kinder gesprochen, lautete seine Aussage. Der Junge und das Mädchen sollten vor ihrem angeblich gefährlichen Vater gerettet werden. Jedem an der «Rettungsaktion» Beteiligten wurden 10.000 Euro versprochen. Er habe der Familie Block nur helfen wollen, betonte der Angeklagte damals.

Sein Verteidiger, Sascha Böttner, erklärte am 21. Verhandlungstag, die Zeugenaussage des Block-IT-Chefs zeige, welch zentrale Figur der Leiter der israelischen Sicherheitsfirma in diesem Fall sei. Als Mossad-Agent habe er sämtliche Manipulationstechniken erlernt und Legenden verkaufen können.

XXL-Prozess wird verlängert

Das Landgericht Hamburg hat für den Prozess um die Entführung der Block-Kinder 19 neue Verhandlungstermine bis Ende Juni 2026 angesetzt. Es ist bereits die zweite Verlängerung. Ursprünglich waren für den im Juli begonnen Prozess Termine bis Ende des Jahres anberaumt worden, dann wurden weitere Daten bis März 2026 und nun noch einmal bis Sommer mitgeteilt. Sollten tatsächlich alle gebraucht werden, wären es insgesamt 71 Prozesstage.

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