Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland

Möwen könnten blasige Haut von Buckelwal Timmy aufpicken

08.04.2026 - 13:02:28 | dpa.de

Der vor Wismar in der Ostsee gestrandete Wal wird vermutlich sterben. Gerettet werden kann er nicht. Warum Experten eine aktive Tötung des kranken Wals in Mecklenburg-Vorpommern ausschließen.

  • Der Buckelwal Timmy kann vermutlich nicht gerettet werden. - Foto: Philip Dulian/dpa
  • Der Buckelwal Timmy kann vermutlich nicht gerettet werden. - Foto: Philip Dulian/dpa
Der Buckelwal Timmy kann vermutlich nicht gerettet werden.  - Foto: Philip Dulian/dpa Der Buckelwal Timmy kann vermutlich nicht gerettet werden.  - Foto: Philip Dulian/dpa

Der vor Wismar in der Ostsee gestrandete Buckelwal befindet sich Experten zufolge im Sterbeprozess. Dass er nicht auf die Boote reagiere, sei ein Zeichen dafür, sagte Bianca König von der Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) Deutschland der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Wie lange der Sterbeprozess dauert, hänge von verschiedenen Faktoren ab. 

«Der Wal hat mehrere Baustellen, die ihn beeinträchtigen und dafür sorgen werden, dass er sterben wird.» Es könne heute Abend passieren, aber auch erst in drei Tagen. Falls der Wal eine Stunde nicht atme, sei das ein Zeichen dafür, dass er tot sei. 

Großes Gewicht kann zum Tod beitragen

Das Hauptproblem sei das Gewicht des Tieres und die geringe Wassertiefe: «Wale brauchen die Schwerelosigkeit im Wasser, das Gewicht wird immer weiter auf die Organe drücken, das führt zu Organversagen und Kreislaufkollaps», sagte König. «Es hängt davon ab, wie viel Auftrieb er im Wasser hat und vom Gesamtzustand.»

Auch die durch den geringen Salzgehalt des Wassers geschädigte und eingerissene Haut sei ein Problem: «Es bilden sich Blasen und die werden von Möwen angepickt.» Dann könnten Pilze und Bakterien die Wunden besiedeln und sich auf den ganzen Organismus auswirken, was den Wal zusätzlich schwäche.

In den vergangenen Tagen gab es zudem Diskussionen über das mögliche Fischereinetz im Maul. Ein großer Teil des Netzes - 50 bis 70 Meter - sei bereits Anfang März entfernt worden, hatte das Umweltministerium in Schwerin mitgeteilt. Reste des Netzes können sich aber möglicherweise noch im Wal befinden.

Erschießen ist keine Option

Den Wal zu töten und von seinem Schicksal zu «erlösen» sei aktuell keine Option, sagte König der dpa. 

Die Option Einschläferung sei vom Tisch, weil darüber bei so großen Säugetieren in der Praxis zu wenig bekannt sei. Es bestehe die Gefahr, dass die sedierenden Medikamente, die vor der Tötung verabreicht werden, zu gering dosiert werden. «Man kann nicht ausschließen, dass er die Tötung bei vollem Bewusstsein miterlebt», sagte die Expertin. Auch eine Überdosierung könne zu Komplikationen führen. 

Im besten Fall werden Tiere sediert und schlafen friedlich ein und bekommen dann ein Mittel zur Tötung verabreicht. Das könne bei Timmy aber nicht sichergestellt werden. 

Sprengung des Wal-Kopfes

Auch das Tier zu erschießen, komme nicht infrage, unter anderem, weil schwierig abzuschätzen ist, wohin der Schuss gesetzt wird. Mögliche Mehrfachschüsse können dann nicht ausgeschlossen werden. 

Die radikalste, aber wahrscheinlich effektivste Methode wäre es, einen Sprengsatz unter den Kopf zu legen und den Kopf zu sprengen, sagte König. Das sei aber ethisch nicht vertretbar und auch aufgrund der zuschauenden Menschen keine Möglichkeit. Zudem könne die Methode dazu führen, dass der Wal reißt und die Proben für eine spätere wissenschaftliche Analyse unbrauchbar werden.

«Alle drei Möglichkeiten der aktiven Tötung wurden ausgeschlossen, und entschieden, den Wal auf natürliche Weise sterben zu lassen», betonte König.

Wal kann nicht gerettet werden

Nach diversen wissenschaftlichen Untersuchungen der vergangenen Tage hatten Experten zuletzt bei einer Pressekonferenz auf der Insel Poel mitgeteilt, dass das Tier weder lebend geborgen werden soll, noch sich aus eigener Kraft werde befreien können. Rettungsversuche werden ausgeschlossen. Würde man versuchen, den Wal etwa mit Gurten oder Seilen anzuheben, bestehe die Gefahr, die Haut abzuziehen. 

Der Patient sei «schwerstkrank», sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Dienstag.

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