Amazonas-Studie: Illegaler Goldabbau und Extremwetter setzen Indigene doppelt unter Druck
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 09:49 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Illegale Goldförderung und extreme Wetterereignisse treffen indigene Gebiete im brasilianischen Amazonas besonders hart und verstärken sich in ihren Folgen gegenseitig.
Studie sieht doppelte Bedrohung für indigene Territorien
Nach einem Bericht des Forschungsinstituts für Umweltfragen im Amazonasgebiet (IPAM) sind die Territorien indigener Gemeinschaften überproportional stark vom illegalen Goldabbau betroffen. Zugleich seien gerade diese Bevölkerungsgruppen immer häufiger extremen Wetterlagen ausgesetzt, darunter Dürren, Brände und Überschwemmungen. Wenn Goldschürfen und klimatische Extreme dieselben Regionen treffen, addieren sich die Belastungen für Menschen und Umwelt.
Flächenwachstum seit 1985 besonders drastisch
Der Studie zufolge waren die von Goldsuchern besetzten Flächen im Amazonasgebiet im Jahr 2024 insgesamt 20-mal so groß wie 1985. In ausgewiesenen indigenen Gebieten fiel die Ausweitung noch drastischer aus: Dort vergrößerte sich die betroffene Fläche um das 24-fache. Dürren beeinträchtigen den Zugang zu Wasser, die Mobilität und die Nahrungsmittelproduktion der Gemeinschaften – wird dasselbe Wassersystem gleichzeitig durch Bergbau belastet, verschärfen sich die Folgen weiter.
Gesundheitsrisiken durch Quecksilber im Wasser
Umweltorganisationen weisen darauf hin, dass beim Goldabbau häufig Quecksilber eingesetzt wird, um Gold vom Erz zu trennen. Das giftige Metall gelangt in Flüsse und Böden und verschmutzt das Wasser mit gravierenden Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen. Die Umweltschutzorganisation WWF betont dabei auch die Lage der vom Aussterben bedrohten Amazonas-Rosa-Flussdelfine, in deren Blut Untersuchungen extrem hohe Quecksilberkonzentrationen festgestellt haben – ein alarmierendes Zeichen für den Zustand des gesamten Flussökosystems.
Verschmutzung wirkt über Grenzen indigener Gebiete hinaus
Nach dem IPAM-Bericht muss illegaler Goldabbau nicht direkt innerhalb indigener Territorien stattfinden, um deren Bewohner zu gefährden. Die Verschmutzung breitet sich über die Wassereinzugsgebiete aus und verstärkt die Auswirkungen von Dürren, Bränden und Überschwemmungen auch in weiter entfernten Regionen. Die Autoren empfehlen daher, indigene Gebiete konsequenter zu schützen und vorhandene Anpassungspläne an den Klimawandel nicht nur zu erarbeiten, sondern auch praktisch umzusetzen.
Illegaler Bergbau und Klimakrise im Amazonas
Der Bericht des Forschungsinstituts IPAM macht deutlich, wie sich zwei zentrale Krisen im brasilianischen Amazonasgebiet überlagern: die Zunahme des illegalen Goldabbaus und die Verschärfung extremer Wetterereignisse. Beide Entwicklungen treffen indigene Territorien besonders hart und greifen direkt in ihre Lebensweise ein. Wenn Flüsse weniger Wasser führen, Böden austrocknen oder Überschwemmungen zunehmen, verschärft Quecksilberbelastung und Sedimenteintrag aus dem Bergbau die ohnehin angespannte Lage.
Schutz indigener Gebiete als Schlüssel
Die Studie weist darauf hin, dass die besetzten Flächen im Amazonas seit 1985 massiv gewachsen sind und in indigenen Gebieten sogar 24-mal größer ausfallen. Das zeigt, wie stark diese Gemeinschaften trotz verfassungsrechtlicher Anerkennung ihrer Territorien unter Druck geraten. Zugleich breitet sich Verschmutzung über ganze Wassereinzugsgebiete aus und bedroht Menschen auch dann, wenn der Bergbau formal außerhalb ihrer Grenzen stattfindet. Für Leserinnen und Leser in Europa macht dies deutlich, dass globale Nachfrage nach Gold – etwa für Schmuck und Finanzprodukte – unmittelbare Folgen für Gesundheit, Biodiversität und kulturelle Identität im Amazonas hat.
Folgen für Ökosysteme und globale Debatten
Der Verweis auf die Rosa-Flussdelfine unterstreicht, dass der Konflikt um illegalen Bergbau kein abstraktes Umweltproblem ist, sondern die Stabilität eines zentralen Ökosystems betrifft. Hohe Quecksilberwerte in der Nahrungskette sind ein Warnsignal für den gesamten Flussraum und damit auch für die Trinkwasserversorgung vieler Gemeinden. Politisch fügt sich der Bericht ein in eine breitere Debatte um Schutz indigener Rechte, Umsetzung von Klimaanpassungsplänen und internationale Verantwortung für Lieferketten. Die Empfehlung, Schutzgebiete wirksamer abzusichern und Anpassungsstrategien tatsächlich umzusetzen, zeigt, dass es nicht allein an fehlenden Konzepten, sondern vor allem an deren Durchsetzung mangelt.
