Ägypten, Halloween

Ägypten streicht Halloween an internationalen Schulen

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 06:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
An internationalen Schulen in Kairo fällt Halloween auf Anweisung der Regierung aus. Die Entscheidung löst eine Debatte über ägyptische Identität, islamische Traditionen und kulturelle Offenheit aus.

Schulregeln begrenzen Halloween in Kairo

  • Ägyptens Bildungsministerium streicht nicht-ägyptische Kulturfeste aus internationalen Schulen.
  • Die American International School in Kairo sagt ihre Halloween-Veranstaltung für mehr als 2.000 Schüler ab.
  • Öffentliche Kostüme und Treffen zu Halloween sind in diesem Jahr teils untersagt.
  • Ein paar Geschäfte in Kairo verkaufen gruselige Kostüme zu Halloween. (Archivbild) - Bild: Mohammed Talatene/dpa
  • Es gibt Halloween-Partys für Erwachsene und Kinder-Veranstaltungen. (Archivbild) - Bild: Mohammed Talatene/dpa
  • Aber nicht alle mögen das Fest und sehen eine Abkehr von ägyptischen Traditionen und Religion. (Archivbild) - Bild: Mohammed Talatene/dpa
Ein paar Geschäfte in Kairo verkaufen gruselige Kostüme zu Halloween. (Archivbild) - Bild: Mohammed Talatene/dpa Es gibt Halloween-Partys für Erwachsene und Kinder-Veranstaltungen. (Archivbild) - Bild: Mohammed Talatene/dpa Aber nicht alle mögen das Fest und sehen eine Abkehr von ägyptischen Traditionen und Religion. (Archivbild) - Bild: Mohammed Talatene/dpa

Ägypten streicht Halloween an internationalen Schulen

In Ägypten ist eine Debatte über Halloween entbrannt, nachdem internationale Schulen das Fest auf Anweisung der Regierung gestrichen haben. Während sich der Brauch in gehobenen Vierteln Kairos und in Teilen der Golfregion ausbreitet, sehen viele Ägypter darin einen fremden und nicht-islamischen Einfluss.

Regierung setzt auf nationale Kultur

Das Bildungsministerium verlangt von Schulen mehr Unterricht in arabischer Sprache, ägyptischer Geschichte und Islam. Zugleich sind nicht-ägyptische Kulturfeste verboten; dazu zählen neben Halloween auch Thanksgiving und andere nicht anerkannte Feiern.

Bildungsminister Mohamed Abdel Latif begründete den Schritt damit, dass Kinder keine Feste feiern sollten, die nicht Teil der eigenen Kultur seien. Erlaubt bleiben nach den neuen Vorgaben nur anerkannte nationale und religiöse Feiertage.

Halloween gewinnt in wohlhabenden Vierteln Anhänger

In Kairo gibt es inzwischen Halloween-Partys für Erwachsene, dekorierte Häuser und Süßigkeitenaktionen für Kinder. Für die meisten ägyptischen Familien bleibt der Brauch jedoch ohne große Bedeutung.

Ein vergleichbares Fest gibt es in Ägypten nicht. Während des Ramadan ziehen Kinder teilweise von Haus zu Haus, um Süßigkeiten oder kleine Spenden zu erhalten; an muslimischen Eid-Feiertagen besuchen manche Familien die Gräber verstorbener Angehöriger.

Religiöse Bewertung fällt zurückhaltend aus

Das Dar al-Ifta in Kairo bezeichnete Halloween 2017 als nicht Teil des islamischen Erbes und als Trend, dem Muslime nicht folgen sollten. Zugleich zeigt der Umgang mit dem Valentinstag, dass die Bewertung ausländischer Bräuche unter islamischen Gelehrten veränderlich sein kann.

In Saudi-Arabien und Dubai wird Halloween inzwischen öffentlich gefeiert. Saudi-Arabien veranstaltet nach früheren Verboten sogar Paraden, bei denen sich junge Menschen verkleiden.

Eltern beklagen Verlust internationaler Offenheit

Die American International School in Kairo mit mehr als 2.000 Schülern sagte ihre Halloween-Veranstaltung ab. Schulleiter Bill Kralovec erklärte, die Veranstaltung sei eine wichtige Tradition der Schulgemeinschaft gewesen.

Eltern internationaler Schulen sehen in den Feiern einen Teil einer weltoffenen Erziehung. Andere begrüßen die Vorgaben als Schutz vor einer kulturellen Übernahme durch ausländische Bräuche.

Öffentliche Feiern werden eingeschränkt

Eine der großen internationalen Schulen in Kairo teilte mit, Kostüme und öffentliche Treffen zu Halloween seien in diesem Jahr verboten. Die Polizei werde die Regeln strikt durchsetzen.

Private Feiern bleiben davon teilweise unberührt. Wer daran teilnimmt, soll sein Kostüm erst am Veranstaltungsort anziehen.

Die Debatte um Halloween an ägyptischen Schulen steht für einen breiteren Konflikt zwischen international geprägten Lebenswelten und einer staatlich betonten nationalen Identität. Betroffen sind vor allem Familien an internationalen Schulen in Kairo und anderen größeren Städten. Für die große Mehrheit der Schülerinnen und Schüler, die staatliche oder religiöse Schulen besucht, spielt das Fest dagegen nur eine geringe Rolle.

Die ägyptische Regierung verbindet die Einschränkungen mit einer stärkeren Gewichtung von Arabisch, ägyptischer Geschichte und islamischer Bildung. Damit wird Halloween nicht nur als importierter Brauch, sondern als Teil einer grundsätzlichen Auseinandersetzung über kulturelle Orientierung behandelt. Internationale Schulen stehen dabei besonders im Blick, weil sie neben ausländischen Lehrplänen auch Feste und Alltagstraditionen aus Europa oder Nordamerika vermitteln.

Kulturelle Grenzen im Alltag

Der Streit folgt einem Muster, das auch andere globale Bräuche betrifft. Valentinstag, westliche Popkultur und kommerzielle Feiertage werden in muslimisch geprägten Gesellschaften teils übernommen, angepasst oder zurückgewiesen. In Saudi-Arabien und Dubai hat Halloween zuletzt sichtbar mehr Raum erhalten, während Ägypten stärker auf Abgrenzung setzt.

Für Eltern und Schulen geht es deshalb um mehr als Kostüme und Süßigkeiten. Die Entscheidung berührt die Frage, welche kulturelle Offenheit internationale Bildung ausmachen soll und wie weit der Staat den schulischen Alltag bestimmen darf. Im privaten Bereich dürfte Halloween für manche Familien weiter möglich bleiben, während öffentliche Feiern und schulische Veranstaltungen stärker eingeschränkt werden.

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