Deutschland, Niedersachsen

Trauer und offene Fragen nach tödlichen Schüssen in Stade

01.07.2026 - 17:08:04 | dpa.de

Die tödlichen Schüsse in einer Jugendhilfeeinrichtung haben großes Leid angerichtet. Hunderte Menschen trauern und suchen Trost in der Gemeinschaft. Die Mordkommission sammelt Hinweise.

  • Zahlreiche Menschen gedenken der Getöteten. - Bild: Moritz Frankenberg/dpa
    Zahlreiche Menschen gedenken der Getöteten. - Bild: Moritz Frankenberg/dpa
  • Nach der Tötung von sechs Menschen in Stade haben viele Menschen bei einem Trauergottesdienst Trost und Gemeinschaft gesucht.   - Bild: Moritz Frankenberg/dpa
    Nach der Tötung von sechs Menschen in Stade haben viele Menschen bei einem Trauergottesdienst Trost und Gemeinschaft gesucht. - Bild: Moritz Frankenberg/dpa
  • Nach der Gewalttat von Stade ist die Trauer groß. - Bild: Jörn Hüneke/Jörn Hünecke/dpa
    Nach der Gewalttat von Stade ist die Trauer groß. - Bild: Jörn Hüneke/Jörn Hünecke/dpa
  • Die Einrichtung, in der die tödlichen Schüsse fielen, ist versiegelt.  - Bild: Jörn Hüneke/Jörn Hünecke/dpa
    Die Einrichtung, in der die tödlichen Schüsse fielen, ist versiegelt. - Bild: Jörn Hüneke/Jörn Hünecke/dpa
  • Die tödlichen Schüsse von Stade sorgen für großes Leid.  - Bild: Moritz Frankenberg/dpa
    Die tödlichen Schüsse von Stade sorgen für großes Leid. - Bild: Moritz Frankenberg/dpa
Zahlreiche Menschen gedenken der Getöteten. - Bild: Moritz Frankenberg/dpa Nach der Tötung von sechs Menschen in Stade haben viele Menschen bei einem Trauergottesdienst Trost und Gemeinschaft gesucht.   - Bild: Moritz Frankenberg/dpa Nach der Gewalttat von Stade ist die Trauer groß. - Bild: Jörn Hüneke/Jörn Hünecke/dpa Die Einrichtung, in der die tödlichen Schüsse fielen, ist versiegelt.  - Bild: Jörn Hüneke/Jörn Hünecke/dpa Die tödlichen Schüsse von Stade sorgen für großes Leid.  - Bild: Moritz Frankenberg/dpa

Trauer und Fassungslosigkeit vereint sie. Nach den tödlichen Schüssen auf vier Frauen und zwei Männer in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade haben sich Hunderte Menschen in der Marktkirche Hannover versammelt. Viele weinen, immer wieder wischen sie sich Tränen aus den Augen. Die Gewalttat habe das ganze Land schockiert, sagt Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) als einer von mehreren Rednern während der Andacht.

Menschen trauern gemeinsam in vollen Kirchen

Mit Gebeten, Texten und Musik soll ein Zeichen der Verbundenheit gesetzt werden, auch für alle Beschäftigten der Jugendämter. Die Kirche ist voll. Es sind so viele Menschen gekommen, dass die Plätze nicht ausreichen. Darunter sind Familienangehörige, Freunde und Bekannte der Getöteten – und viele Arbeitskollegen. Einen ähnlichen Andrang hatte es tags zuvor in der St.-Wilhadi-Kirche in Stade gegeben. Auch dort kamen zahlreiche Menschen zusammen, um Trost und Halt zu finden.

Sechs Erwachsene wurden am Montag brutal aus dem Leben gerissen – darunter zwei Frauen und ein Mann aus dem Raum Hannover, die als Mitarbeitende des Jugendamtes der Region Hannover in der Stader Jugendhilfeeinrichtung waren. Getötet wurden zudem zwei Frauen und ein Mann, die als Beschäftigte der Stader Jugendhilfeeinrichtung vor Ort waren. Bei einem Termin sollte es um das Sorgerecht für ein Baby gehen. Der Vater des Kindes soll geschossen haben.

Polizei bittet Bevölkerung um Mithilfe

Der tatverdächtige 45-Jährige sitzt in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm sechsfachen Mord vor. Demnach schoss der Mann mit türkischer Staatsangehörigkeit während eines Gesprächstermins in der Einrichtung plötzlich mit einer mitgebrachten Schusswaffe auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Fünf der Getöteten starben am Tatort, ein weiteres Opfer im Krankenhaus.

Nach den Schüssen in der Stadt westlich von Hamburg floh der Mann in einem Auto, das eine 65-Jährige fuhr. Beamte schossen auf die Reifen des Wagens und nahmen die Insassen fest. Nach derzeitigen Erkenntnissen hat die Frau eine enge Verbindung zur Familie des Tatverdächtigen. Die Polizei befragte sie, inzwischen ist sie aus dem Gewahrsam entlassen.

Mann fiel schon vorher als aggressiv auf

Eine Mordkommission hat die Ermittlungen übernommen. Die Polizei bittet die Bevölkerung um Mithilfe. Zeugen sollen sich melden, Fotos und Videos hochladen. Derweil werden immer mehr Informationen zu dem Tatverdächtigen bekannt. So führt die Staatsanwaltschaft Hannover ein Ermittlungsverfahren gegen den Mann – wegen des Verdachts der Bedrohung. 

«Der Beschuldigte soll am 22. April im Zusammenhang mit der Behandlung seiner Tochter wegen eines Schütteltraumas gegenüber Ärzten der MHH aggressiv aufgetreten sein und ihnen verbal gedroht haben», teilte ein Sprecher der Behörde zu einem Vorfall in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) mit. 

Ob der Mann sein Baby schüttelte und damit verletzte, ist dem Krankenhaus MHH zufolge nicht abschließend geklärt. Nach der Behandlung sei ein Verfahren wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen gegen Vater und Mutter des Säuglings eingeleitet worden, teilte eine Klinik-Sprecherin auf dpa-Nachfrage mit. Demnach läuft das Verfahren noch.

Eltern wurde die Gesundheitssorge des Babys entzogen

Mutter des Kindes ist eine 34-Jährige. Ein Amtsgericht hatte unter anderem angeordnet, dass Mutter und Tochter gemeinsam in einer Mutter-Kind-Einrichtung untergebracht werden sollen. Zudem gab es eine Entscheidung, dass beiden Elternteilen die Gesundheitssorge entzogen bleibt.

In dem Sorgerechtsstreit stand eine Entscheidung des Oberlandesgerichts (OLG) Celle aus. Beide Elternteile hätten Beschwerde gegen ein familiengerichtliches Eilverfahren vom Amtsgericht Neustadt am Rübenberge eingelegt, bestätigte eine Sprecherin des OLG. Nach der Tat wurde die 34-Jährige von der Polizei befragt. Nach der Schließung der betroffenen Mutter-Kind-Gruppe wurden sie und ihr Baby anderweitig untergebracht, wie das Sozialministerium mitteilte.

Lassen sich solche Taten verhindern?

Nach der Gewalttat stellen sich viele Fragen – auch dazu, ob es die richtigen Sicherheitsvorkehrungen gab. Der 45 Jahre alte Verdächtige war polizeilich bekannt. Laut Lüneburgs Polizeipräsidentin Kathrin Schuol galt er aber nicht als «absolut gewalttätig».

Dass ein sogenanntes Hilfeplangespräch wie in Stade in der Einrichtung und nicht auf einer Polizeiwache oder bei einem Gericht stattfindet, ist laut niedersächsischem Sozialministerium üblich. «Es gab vereinzelt Fälle in der Vergangenheit, wo auch die Polizei dazugeholt wurde von der Kommune, vom Jugendamt, wenn die Gefahrenlage so eingeschätzt wurde, dass das nötig ist», sagte eine Ministeriumssprecherin. Dies sei hier nicht der Fall gewesen.

Wenn es beim Jugendamt Kenntnisse über Gefährdungen gebe, dann werde das natürlich berücksichtigt und es gebe Ratgeber dafür, hieß es. «Ob es darüber hinaus noch weitere Vorgaben geben muss über Sicherheitsvorkehrungen, darüber wird auf jeden Fall zu sprechen sein.» In welcher Form und in welchem Ausmaß, ließe sich zu diesem Zeitpunkt aber nicht sagen.

de | unterhaltung | 69668576 |

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