DFB-Generalsekretär Blask attackiert Infantinos WM-Investorenpläne
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 12:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDFB-Generalsekretär Holger Blask hat seine Kritik an Fifa-Präsident Gianni Infantino deutlich verschärft und vor allem dessen Umgang mit Investorenplänen rund um die Fußball-Weltmeisterschaft beanstandet. Anlass ist ein geplanter Verkauf von Anteilen an der WM-Vermarktung, von dem der Deutsche Fußball-Bund nach eigenen Angaben erst über Medienberichte erfuhr.
DFB fühlt sich von Fifa-Plänen übergangen
Blask sagte dem Wirtschaftsmagazin "Capital", die Informationen über die Pläne der Fifa-Spitze hätten den Verband "total kalt erwischt". Dass bei einem der wertvollsten Vermögenswerte des Weltverbandes an den eigenen Gremien vorbei agiert werde, sei aus Sicht des DFB inakzeptabel. Nach seinen Aussagen war der Investorenprozess zudem "völlig intransparent", der konkrete Inhalt des Deals und die Herleitung der Bewertung der Rechte seien unklar geblieben und wirkten "komplett abenteuerlich".
Klare Absage an Investorenbeteiligungen an Wettbewerben
Generell erteilte Blask Investorenmodellen wie dem von Infantino verfolgten eine deutliche Absage. Eine Beteiligung externer Geldgeber an Wettbewerben oder an DFB-eigenen Unternehmen sei nicht vorstellbar. Als grundsätzlich denkbar nannte er lediglich Beteiligungen von Investoren an klar abgegrenzten Projekten, etwa wenn im Fußball das technische Know-how oder die finanziellen Mittel für bestimmte Vorhaben fehlten.
Projektbezogene Kooperationen als Ausnahme
Als Beispiel für eine solche Ausnahme verwies der Generalsekretär auf ein mögliches Joint Venture mit einem Technologiekonzern im Rahmen eines Digitalisierungsprojekts. In solchen Fällen könnten Investoren nach seinen Vorstellungen eingebunden werden, ohne dass sie direkten Einfluss auf sportliche Wettbewerbe erhielten.
DFB-Vertrauen in Infantino schwer erschüttert
Mit Blick auf die Fifa-Präsidentenwahl im kommenden Frühjahr stellte Blask die Vertrauensfrage. Persönlich könne er keinen Weg erkennen, wie Infantino das Vertrauen des DFB wiederherstellen könnte. Über die endgültige Positionierung des Verbandes bei der Wahl entscheide jedoch das DFB-Präsidium, betonte der Generalsekretär.
Die deutliche Kritik von Holger Blask fällt in eine Phase, in der die Fifa unter Präsident Gianni Infantino verstärkt auf neue Erlösquellen und Investoren setzt. Im Mittelpunkt steht dabei der Versuch, Anteile an der Vermarktung der Fußball-Weltmeisterschaft an externe Geldgeber zu veräußern und damit langfristige Einnahmen zu sichern. Für nationale Verbände wie den DFB berührt ein solcher Schritt unmittelbar die Frage, wie stark sie künftig noch auf die Gestaltung von Wettbewerben und deren finanzieller Grundlage Einfluss nehmen können.
Aus deutscher Perspektive spielt zudem eine Rolle, dass der DFB nach eigenen Finanzproblemen und Reformprozessen seinen Anspruch auf Transparenz und Mitsprache betont. Wenn die Spitze des Weltverbandes bei zentralen Vermarktungsfragen ohne vorherige Information der Mitgliedsverbände und eigener Gremien agiert, steht für den DFB nicht nur die Höhe möglicher Erlöse, sondern auch die Governance-Struktur des Weltfußballs zur Debatte. Blasks Aussagen machen deutlich, dass dem Verband Modelle, in denen Investoren direkt an Wettbewerben beteiligt werden, als Risiko für sportliche Integrität und Verbandsautonomie gelten.
Suche nach alternativen Finanzierungswegen
Gleichzeitig verweist der Generalsekretär mit dem Beispiel eines Joint Ventures im Bereich Digitalisierung darauf, dass der DFB externe Partner nicht grundsätzlich ablehnt. Entscheidend sind aus seiner Sicht eine klare Projektbezogenheit, Transparenz des Geschäftsmodells und die Wahrung der Kontrolle über sportliche Kernentscheidungen. Vor diesem Hintergrund dürfte die anstehende Fifa-Präsidentenwahl auch zum Gradmesser dafür werden, wie stark die europäischen Verbände und speziell der DFB Einfluss auf die strategische Ausrichtung des Weltverbandes nehmen wollen, wenn es um Investorenmodelle und die Vermarktung von Großereignissen geht.
