WM, USA

«Episch?»: Argentiniens Comeback-Könige fordern Spanien

Veröffentlicht: 16.07.2026 um 07:23 Uhr, dpa.de

Argentinien zieht nach einem späten 2:1 gegen England ins WM-Finale ein – und bringt mit einem Banner zur Falkland-Frage politische Brisanz ins Stadion.

  • Lionel Messi wird auf Schultern getragen. - Bild: Tom Weller/dpa
    Lionel Messi wird auf Schultern getragen. - Bild: Tom Weller/dpa
  • Trainer Lionel Scaloni will nun Spanien schlagen. - Bild: Tom Weller/dpa
    Trainer Lionel Scaloni will nun Spanien schlagen. - Bild: Tom Weller/dpa
  • Giovani Lo Celso mit dem Falkland-Banner. - Bild: Rebecca Blackwell/AP/dpa
    Giovani Lo Celso mit dem Falkland-Banner. - Bild: Rebecca Blackwell/AP/dpa
  • Das Falkland-Banner im argentinischen Fanblock. - Bild: Rebecca Blackwell/AP/dpa
    Das Falkland-Banner im argentinischen Fanblock. - Bild: Rebecca Blackwell/AP/dpa
Lionel Messi wird auf Schultern getragen. - Bild: Tom Weller/dpa Trainer Lionel Scaloni will nun Spanien schlagen. - Bild: Tom Weller/dpa Giovani Lo Celso mit dem Falkland-Banner. - Bild: Rebecca Blackwell/AP/dpa Das Falkland-Banner im argentinischen Fanblock. - Bild: Rebecca Blackwell/AP/dpa

Dass dieses dramatische WM-Halbfinale zwischen Argentinien und England viel mehr als nur ein Fußball-Spiel war, war nach dem Schlusspfiff in großen schwarzen Buchstaben zu lesen. Während Lionel Messi vor den euphorisierten Fans tanzte, zeigten seine Mitspieler hinter ihm ein Banner: «Die Malvinas sind argentinisch» war dort zu lesen.

Da war sie also, die politische Dimension, der Falkland-Krieg von 1982, der diesem ohnehin schon aufgeladenen Duell weitere Brisanz verlieh. Das Banner war während des 2:1 auch auf den Zuschauerrängen zu sehen gewesen. Mit dem Spruch will Argentinien seine vermeintlichen Besitzansprüche auf die sogenannten Malvinas, wie die Inseln in Argentinien heißen, erklären.

Mit einer Strafe des Weltverbandes FIFA ist zu rechnen, doch davon war an diesem Abend in Atlanta erst einmal keine Rede. Im Mittelpunkt stand der unfassbare Wille der Argentinier, die bis zur 85. Minute durch ein Tor von Anthony Gordon zurücklagen - und dann durch die Treffer von Enzo Fernandez und Lautaro Martinez doch noch in das Endspiel gegen Spanien einzogen.

Scaloni und das richtige Adjektiv

«Episch? Historisch? Wie sollen wir es nennen?», fragte Trainer Lionel Scaloni auf der Suche nach dem richtigen Adjektiv. «Es gibt nichts Vergleichbares. Die Jungs hatten keine Angst, sie fühlten die Last der Verantwortung nicht.»

Und Argentinien hatte Lionel Messi, der erneut entscheidenden Anteil an dem Sieg hatte. Der 39-Jährige bereitete beide Treffer vor. «Messi in den letzten 20 Minuten - da konnte er machen, was er wollte», sagt Scaloni und verriet das Erfolgsgeheimnis: «Sie spielen wie Achtjährige. Sie denken nicht daran, ob sie vorbeischießen oder in das Finale kommen. Sie wollen nur Fußball spielen.»

Langsam muss man sich dennoch fragen, wie lange das noch gutgehen soll. Wie viele Leben hat diese Mannschaft? Schon im Sechzehntelfinale mühte sich der Titelverteidiger zu einem 3:2 gegen Kap Verde. Eine Runde später lag der Titelverteidiger gegen Ägypten bis zur 79. Minute 0:2 zurück und siegte in der Nachspielzeit durch ein kontroverses Tor, da ein Ägypter zuvor gefoult worden war. Im Viertelfinale gegen die Schweiz musste man wieder über die Verlängerung gehen.

Tuchel lobt

«Dieses Team spielt am besten in schwierigen Situationen», sagte Scaloni. Sein englischer Amtskollege Thomas Tuchel stimmte dem zu: «Sie spielen am besten, wenn sie in Rückstand sind. Dann gehen sie mehr Risiko. Sie hatten nichts mehr zu verlieren und investierten mehr.»

Doch wie ist das immer wieder möglich? Neben Messi sind die Fans ein enormer Faktor. In Atlanta war die englische Hymne nicht zu verstehen, weil argentinische Pfiffe diese übertönten. Es habe sich angefühlt wie ein Auswärtsspiel, sagte Tuchel.

Selbst Messi ist die ganze Sache nicht geheuer. «Es ist verrückt, was wir gerade erleben und wie sich die Dinge entwickeln», sagte der Superstar. «Vielleicht hatten die Leute Zweifel, weil wir mit Spielern an der Leistungsgrenze und mit Problemen hierhergekommen sind. Aber wenn diese Mannschaft zusammenhält, geht sie immer noch einen Schritt mehr und das überträgt sich auf alle.»

Scaloni möchte als Weltmeister abreisen

Und in diesem sechsten WM-Duell mit England spielte bei der Albiceleste der Falkland-Krieg eine zusätzlich motivierende Rolle. Wie schon im Viertelfinale 1986, nachdem Diego Maradona von Rache gesprochen hatte. «Wir haben versucht, unser Land und all jene zu repräsentieren, die diesen traurigen Moment unserer Geschichte erlebt haben, damit sie sich mit uns identifizieren können und wir ein positives Bild vermitteln», sagte Mittelfeldstratege Leandro Paredes.

Argentinien und Großbritannien hatten 1982 mehr als 70 Tage lang Krieg um die Falklandinseln vor der Küste Argentiniens geführt. Dabei starben rund 1000 Soldaten. Die Inseln sind seit 1833 britisches Überseegebiet. Bis heute weigert sich Großbritannien, über den Anspruch auf die Malvinas zu verhandeln.

Im Finale gegen Spanien muss es nun einen anderen Faktor geben. Denn das Ziel ist klar. «Ich möchte hier als Weltmeister abreisen», sagte Scaloni und betonte die Bedeutung von äußeren Einflüssen: «Fußball ist manchmal mehr als Taktik.»

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