Superminister Völler ist heiß auf WM-Start: «Alle brennen»
10.06.2026 - 07:53:21 | dpa.deNach nur einem Tag reiste Rudi Völler aus dem WM-Quartier in Winston-Salem schon wieder ab. Und das mit einem guten Gefühl. «Alle brennen», sagte der DFB-Sportdirektor mehrmals zur großen Vorfreude bei der Fußball-Nationalmannschaft auf den Turnierstart. Da konnte sich Julian Nagelsmanns Superminister beruhigt auf den Weg zum Eröffnungsspiel im von ihm so sehr geliebten Aztekenstadion in Mexiko-Stadt machen.
Die entscheidenden Nachrichten lieferte Völler zuvor vom Gelände der Wake Forest University. Hinter der Tribüne des W. Dennie Spry Stadiums hatte Manuel Neuer auf einem separaten Trainingsplatz mit dem vollständigen Torwart-Quartett die nächste Einheit aufgenommen. Ohne erkennbare Probleme an der linken Wade machte der 40-Jährige alle Übungen mit.
Neuer im Plan für Sonntag
Völler war kurz zuvor am Platz entlanggelaufen. Konzentriert tippte er auf seinem Handy. Zweifel am Comeback des Rekordtorwarts am Sonntag (19.00 Uhr/ARD und MagentaTV) beim WM-Auftakt gegen Curaçao gibt es nicht mehr. «Ihn bringt nichts aus der Ruhe. Es läuft alles gut. Er ist wieder bei der Mannschaft», sagte Völler über Neuer.
Völler sprach auch über Joshua Kimmich, über Julian Nagelsmann, über Jamal Musiala und Florian Wirtz, über Kai Havertz und auch über Ersatz-Stürmer Nick Woltemade und deren jeweilige WM-Ambitionen. Die gemeinsame Klammer für die DFB-Stars: «Alle brennen» auf die XXL-WM. «Alle Spieler sind fit, das ist bei einem Turnier das Allerwichtigste», überbrache Völler gute Nachrichten im zum Pressekonferenzraum umgebauten Hörsaal der Privat-Universität.
Für WM-Weisheiten ist Völler bei der Nationalmannschaft zuständig. Sein Wort hat bei allen Themen Gewicht. Der unerschöpfliche Erfahrungsschatz von bisher vier WM-Turnieren als Spieler (1986, 1990, 1994) und DFB-Teamchef (2002) gibt dem 66-Jährigen diese Autorität - und auch die Verantwortung.
Denn so positiv und hoffnungsvoll die sportlichen Nachrichten auch gehalten werden. Und so schwungvoll und in bester Laune Leroy Sané und Nico Schlotterbeck mit ihren voll besetzten Golf-Carts zum Training düsten: Es gibt natürlich auch Konfliktzonen. Völler ist in Amerika auch für alle schwierigen Themengebiete zuständig, sie gehören zu seinem Ressort als Sportdirektor. Die Prellbock-Tätigkeit stand immer in seiner Stellenbeschreibung.
Völler regelt die Konfliktthemen
Er ist Innenminister, wenn es um einen möglichen Lagerkoller im Turnierhotel oder ein Risiko mit dem leicht zu ramponierenden Rasen auf dem Trainingsplatz geht. Und er ist Außenminister, wenn er die Ticketpreise der FIFA oder die Einreiseverweigerung für einen Schiedsrichter aus Somalia durch die US-Behörden kritisch kommentieren muss.
Völler räumt alles ab. Sollte die WM für die DFB-Elf in einem Misserfolg enden, will er jedenfalls keine Ausreden hören, dass das Hotel «The Graylan Estate» nicht den Ansprüchen genügte. «Also es wird, egal, wie weit es geht, niemals eine Entschuldigung sein, dass vielleicht das Trainingsgelände oder das Trainingszentrum nicht gut genug waren», sagte er energisch. Sagt man so etwas, wenn man nicht die Sorge hat, das genau das eintreten könnte?
Die in Winston-Salem latent lodernde Lagerkoller-Debatte ist für Völler ohnehin aus der Zeit gefallen. Der entscheidende Unterschied zu seinen Zeiten als Spieler: «Wir hatten damals kein Internet. Wir hatten keine Handys. Es gab auch kein deutsches Fernsehprogramm. Das war früher komplizierter, glauben Sie mir. Also Lagerkoller, wie wir es früher mal kennen, das gibt's heute überhaupt nicht mehr», argumentierte Völler.
Eines soll Völler auf keinen Fall werden: Verteidigungsminister für Nagelsmann, wenn der WM-Traum nach 2018 und 2022 schon wieder zu früh enden sollte. «Wir werden schwer zu schlagen sein», verspricht er recht allgemein zur Zielsetzung. Er warnt vor Leichtsinn auch beim Start am Sonntag (19.00 Uhr/ARD und MagentaTV) gegen den krassen Außenseiter Curaçao. Mutiger als die Das-Glas-ist-halb-voll-Rhetorik wäre es, zu sagen: «Wir können viele Gegner schlagen.»
Über New York nach Texas
Den Bundestrainer kann der 66-Jährige beim Countdown aber durchaus mal ein paar Tage alleine lassen in North Carolina. Nach der Visite in Mexiko, wo auch ein 86.000-Euro-Scheck für zwei Bildungsprojekte der ihm so wichtigen DFB-Stiftung überreicht werden, geht es direkt weiter nach New York. Dort ist Völler bei der Eröffnung des German House of Soccer in Manhattan dabei, bevor es für den Vielflieger weiter zum ersten deutschen Spiel nach Houston geht. Dann wird Völler sicherlich für ein Erfolgserlebnis «brennen».
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