DFB setzt Regionalliga-Reform an: Außerordentlicher Bundestag im Dezember soll über Kompassmodell entscheiden
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 11:50 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will noch in diesem Jahr eine grundlegende Entscheidung über die Zukunft der Regionalliga treffen.
Außerordentlicher Bundestag terminiert
DFB-Präsident Bernd Neuendorf hat den Generalsekretär Holger Blask beauftragt, gemeinsam mit den zuständigen Vizepräsidenten einen Außerordentlichen Bundestag am 18. Dezember 2026 vorzubereiten. Auf dieser Sitzung des höchsten Verbands-Gremiums soll über eine Reform der bisherigen Struktur der Regionalliga entschieden werden. Hintergrund ist, dass derzeit nicht alle Regionalliga-Meister direkt in die 3. Liga aufsteigen.
Vier Ligen statt fünf – Direktaufstieg für Meister
Nach den Plänen des DFB soll die Zahl der Regionalligen von bislang fünf auf künftig vier reduziert werden. Ziel ist, dass alle Meister der Regionalliga-Staffeln ohne zusätzliche Relegation in die 3. Liga aufsteigen. In der Vergangenheit hatte unter anderem der sächsische Club Lok Leipzig mehrfach die Meisterschaft errungen, war aber dreimal an anschließenden Relegationsspielen gescheitert und blieb deshalb in der Regionalliga.
Neuendorf macht Reform zur Chefsache
Neuendorf bezeichnete die Aufstiegsregelung als seit Jahren drängendes Thema im deutschen Fußball und betonte, sie müsse nun gelöst werden. Er verwies darauf, dass es für Vereine, Spieler und Fans schwer nachvollziehbar sei, wenn fünf Meister ermittelt werden, aber nicht alle den Sprung in die 3. Liga schaffen. In einem Interview hatte er die Reform bereits zur Chefsache erklärt.
Kompassmodell als bevorzugte Lösung
Als favorisierte Variante gilt das sogenannte Kompassmodell. Demnach sollen vier Staffeln mit jeweils 20 Mannschaften gebildet werden, die für jede Saison nach geografischen Gesichtspunkten neu zusammengestellt werden. Die Saison 2027/2028 wäre nach den DFB-Planungen eine Qualifikationssaison, in der die Grundlagen für die neue Struktur gelegt würden. Die Umstellung auf eine viergleisige Regionalliga soll anschließend zur Saison 2028/2029 erfolgen.
DFB will Trägerschaft der Regionalligen übernehmen
Im Zuge der Reform würde der DFB nach eigenen Angaben die Trägerschaft der vier Regionalligen übernehmen. Beim Außerordentlichen Bundestag im Dezember ist eine verbindliche Abstimmung über die Zukunft der Regionalliga vorgesehen. Neuendorf hob hervor, dass das Kompassmodell in den Abstimmungen der bisherigen Regionalliga-Träger unter den Vereinen bundesweit die meisten Stimmen erhalten habe. Aus seiner Sicht bietet der Ansatz die Chance auf eine Leistungsverdichtung und damit auf eine stärkere Talententwicklung im deutschen Fußball.
Reformdruck in den oberen Amateurligen
Die geplante Reform der Regionalliga-Struktur zeigt, wie stark der Druck aus den oberen Amateurligen in den vergangenen Jahren angewachsen ist. Viele Traditionsvereine investieren erheblich in ihre Kader und Infrastruktur, scheitern aber trotz sportlicher Meisterschaft am Sprung in die 3. Liga. Das Beispiel Lok Leipzig steht stellvertretend für Frustration in mehreren Regionen Deutschlands, in denen Meistertitel nicht automatisch mit sportlichem Aufstieg verbunden sind.
Strukturelle Folgen des Kompassmodells
Das favorisierte Kompassmodell würde die bisher fünf Staffeln auf vier Ligen mit jeweils 20 Mannschaften bündeln. Damit nähmen die Fahrten für die Vereine in einigen Regionen zwar tendenziell zu, zugleich entstünde aber eine bundesweit einheitlichere Wettbewerbsstruktur mit klarer Perspektive auf den Direktaufstieg. Die vom DFB avisierte Leistungsverdichtung könnte dazu führen, dass ambitionierte Klubs und Nachwuchsspieler häufiger auf höheres Niveau treffen, was langfristig die Durchlässigkeit in Richtung Profifußball stärken dürfte. Zugleich müssten viele Vereine ihre Kaderplanung, Finanzierung und Stadionlogistik an eine veränderte Ligengröße anpassen.
Bedeutung für Fans und Nachwuchsarbeit
Für Fans bedeutet eine verbindliche Entscheidung im Dezember mehr Planungssicherheit: Schon die Saison 2027/2028 würde als Qualifikationsjahr die Weichen für die neue Viergleisigkeit stellen, die ab 2028/2029 greifen soll. Dadurch könnten regionale Rivalitäten teilweise neu zugeschnitten werden, während andere Traditionsduelle häufiger oder regelmäßiger stattfänden. In der Nachwuchsarbeit der Vereine dürfte die Reform ein zusätzlicher Anreiz sein, Talente auf ein höheres Wettbewerbsniveau vorzubereiten, weil der direkte Aufstieg des Meisters klare sportliche Ziele setzt. Insgesamt könnte die Regionalliga damit stärker als Bindeglied zwischen Amateur- und Profifußball wahrgenommen werden.
