Mecklenburg-Vorpommern, Politbarometer

ZDF-Politbarometer: AfD liegt vor SPD in Mecklenburg-Vorpommern

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 12:01 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Eine Woche vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern liegt die AfD im ZDF-Politbarometer vor der SPD, während die bisherige rot-rote Regierung ihre Mehrheit verlieren würde. Zugleich bleibt Ministerpräsidentin Manuela Schwesig bei der persönlichen Zustimmung deutlich vorne.

Politbarometer: SPD bleibt in MV der AfD auf den Fersen
Wahlplakate für die Landtagswahl 2026 für SPD und AfD (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Knapp eine Woche vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern liegt die AfD im ZDF-Politbarometer mit 37 Prozent vor der SPD, die auf 34 Prozent kommt. Dennoch bleibt die SPD der AfD damit dicht auf den Fersen und könnte bei einem knappen Ausgang weiter eine zentrale Rolle bei der Regierungsbildung spielen.

Parteienwerte und Mehrheitsverhältnisse

Nach der aktuellen Projektion der Forschungsgruppe Wahlen würde die CDU 7 Prozent erreichen, die Linke 10 Prozent, die Grünen 5 Prozent und das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) 4 Prozent. Die übrigen Parteien kämen zusammen auf 3 Prozent. Auf dieser Basis hätte die amtierende Landesregierung aus SPD und Linke keine parlamentarische Mehrheit mehr, da beide Parteien zusammen nicht auf eine ausreichende Zahl von Sitzen kämen.

Die Forschungsgruppe Wahlen betont, dass es sich bei den genannten Zahlen um Projektionswerte und nicht um eine Prognose für den Wahlausgang handelt. Dies gilt ausdrücklich sowohl für die Frage, welche Partei stärkste Kraft wird, als auch für das Abschneiden der kleineren Parteien im Hinblick auf die Fünf-Prozent-Hürde.

Unentschlossene Wähler und Vergleich zur letzten Wahl

In Mecklenburg-Vorpommern sind dem Politbarometer zufolge derzeit 25 Prozent der Wahlberechtigten noch nicht sicher, ob und wen sie wählen wollen. Diese Gruppe kann den Ausgang der Wahl spürbar beeinflussen, insbesondere dort, wo Parteien nahe an der Sperrklausel liegen.

Im Vergleich zur Landtagswahl 2021 zeigen die Werte deutliche Verschiebungen: Damals erreichte die SPD 39,6 Prozent und lag klar vor der AfD mit 16,7 Prozent. Die CDU kam seinerzeit auf 13,3 Prozent, die Linke auf 9,9 Prozent, die Grünen auf 6,3 Prozent, während die übrigen Parteien zusammen 14,2 Prozent erzielten.

Bewertung der Spitzenkandidaten und Koalitionspräferenzen

Bei der persönlichen Zustimmung für die Spitzenkandidaten dominiert in Mecklenburg-Vorpommern weiterhin die bisherige Amtsinhaberin. Im direkten Vergleich wünschen sich 61 Prozent der Befragten Manuela Schwesig (SPD) als zukünftige Ministerpräsidentin, während 28 Prozent den AfD-Spitzenkandidaten Leif-Erik Holm in diesem Amt sehen wollen. 5 Prozent wollen keinen der beiden, weitere 6 Prozent kennen keinen der Kandidaten oder sind unentschlossen.

Auch bei möglichen Koalitionsmodellen ergibt sich ein differenziertes Bild. Zwar würde eine Regierung aus SPD und Linke nach der Projektion derzeit keine Mehrheit erreichen, sie ist jedoch das einzige der als realistisch betrachteten Bündnisse, das mit 46 Prozent mehr Befürworter als Gegner hat. 41 Prozent lehnen diese Konstellation ab, bei 13 Prozent ist es egal oder sie sind sich noch nicht sicher.

Das neue ZDF-Politbarometer für Mecklenburg-Vorpommern kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich der Wahlkampf in seinem entscheidenden Schlussspurt befindet. Die Projektion weist die AfD mit 37 Prozent knapp vor der SPD mit 34 Prozent aus, während die bisherige Regierungskoalition aus SPD und Linke ihre bisherige Mehrheit verlieren würde. Die Zahlen markieren damit eine deutliche Verschiebung im Vergleich zur Landtagswahl 2021, als die SPD noch klar stärkste Kraft war und die AfD deutlich hinter ihr lag.

Gleichzeitig zeigt sich jedoch ein ambivalentes Bild: Während die AfD bei den Parteipräferenzen vorne liegt, bleibt Ministerpräsidentin Manuela Schwesig bei der persönlichen Zustimmung klar dominierend. 61 Prozent der Befragten sprechen sich im Direktvergleich für sie als zukünftige Regierungschefin aus, gegenüber 28 Prozent für den AfD-Spitzenkandidaten Leif-Erik Holm. Diese Diskrepanz zwischen Personen- und Parteienpräferenz ist ein wichtiger Hinweis darauf, dass ein Teil der Wähler zwar mit der bisherigen Politik unzufrieden ist, Schwesig als Person aber weiterhin deutlich vertraut.

Gewicht der Unentschlossenen und Koalitionsfragen

Von zentraler Bedeutung ist zudem, dass nach den Erhebungen 25 Prozent der Wahlberechtigten in Mecklenburg-Vorpommern noch nicht sicher wissen, ob und wen sie wählen werden. Dies kann die Kräfteverhältnisse am Wahltag noch spürbar verändern, zumal die kleineren Parteien in einigen Fällen nahe an der Fünf-Prozent-Hürde liegen. Ob etwa Grüne oder BSW sicher in den Landtag einziehen, bleibt damit offen.

Auch die Frage möglicher Koalitionen ist durch das Politbarometer nur umrissen, aber politisch hoch relevant. Zwar würde eine Fortsetzung der aktuellen Regierung aus SPD und Linke nach den Zahlen derzeit keine Mehrheit mehr erreichen, sie ist jedoch das einzige realistische Bündnis, das in der Umfrage mehr Zustimmung als Ablehnung erfährt. In der praktischen Regierungsbildung könnten daher andere Konstellationen eine Rolle spielen, wenn sich das Wahlergebnis deutlich von der Projektion unterscheidet.

Einordnung im bundespolitischen Kontext

Vor dem Hintergrund bundesweiter Debatten über den Aufstieg der AfD und die Stabilität der etablierten Parteien fügt sich Mecklenburg-Vorpommern in einen größeren Trend ein. Der Vorsprung der AfD bei den Parteiwerten bei gleichzeitig schwächerer Bewertung des Spitzenkandidaten bestätigt, dass Wahlentscheidungen zunehmend zwischen Protest, Programminhalten und Personenabwägung aufgespalten sind. Für die SPD und Manuela Schwesig bleibt damit entscheidend, ob es gelingt, die hohe persönliche Zustimmung in zusätzliche Stimmen für die Partei zu übersetzen.

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