Umfrage: 44 Prozent der Deutschen fürchten Gasknappheit im Winter
Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 00:01 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSViele Menschen in Deutschland blicken mit Sorge auf die kommende Heizsaison, denn die Gasspeicher sind derzeit nur etwa zur Hälfte gefüllt. Gleichzeitig zeigt eine aktuelle Umfrage, dass ein großer Teil der Bevölkerung mit Versorgungsproblemen im Winter rechnet.
Fast die Hälfte fürchtet Engpässe
Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des "Stern" und von RTL befürchten 44 Prozent der Deutschen, dass es im Winter zu Problemen mit Gas für Haushalte und Unternehmen kommen könnte. 53 Prozent haben keine Angst vor Versorgungsengpässen, sieben Prozent machten keine Angaben. Damit ist die Bevölkerung bei der Bewertung der Lage gespalten, mit einem deutlichen Anteil an Menschen, die eine unsichere Versorgung erwarten.
Regionale und politische Unterschiede
Die Befragten in Ostdeutschland befürchten häufiger als die Westdeutschen, dass es bei der Gasversorgung zu Problemen kommen könnte. Auch nach politischen Präferenzen zeigen sich Unterschiede: Während die Anhänger von Union, SPD und Grünen mehrheitlich keine Versorgungsengpässe für den kommenden Winter erwarten, befürchtet eine deutliche Mehrheit der AfD-Sympathisanten Probleme. Die Anhänger der Linken sind in dieser Frage gespalten.
Speicherstand und gesetzliche Vorgaben
Üblicherweise kaufen Händler im Sommer günstig Gas ein, speichern es und verkaufen es im Winter teurer weiter. In den vergangenen Monaten wurde jedoch weniger eingelagert als in den Vorjahren, weil der Gaspreis durch den Irankrieg gestiegen ist. Theoretisch müssen die Speicher bis zum 1. November auf bis zu 80 Prozent gefüllt sein. Diese gesetzlichen Vorgaben waren nach Ausbruch des Ukraine-Krieges und den Engpässen bei der Gas-Versorgung eingeführt worden.
Risiko bei kalten Wintern
Die Kennzahl für die Zielvorgaben beruht auf Hochrechnungen, wie viel Gas bei einem relativ kalten Winter verbraucht wird. Bleiben die Speicher deutlich unter der Marke von 80 Prozent, könnten Preissteigerungen und eine angespannte Versorgungslage die Folge sein. Die Umfrage zeigt, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung diese Gefahr bereits wahrnimmt und mit möglichen Engpässen rechnet.
Die Forsa-Umfrage zeigt, dass die Diskussion um die Gasversorgung weiterhin ein sensibles Thema in Deutschland bleibt. Zwar ist eine leichte Mehrheit der Bevölkerung aktuell gelassener, doch ein großer Teil sieht die Lage angesichts nur halb gefüllter Speicher kritisch. Die gesetzliche Marke von 80 Prozent bis zum 1. November ist ein politisch gesetzter Sicherheitsstandard, der nach den Erfahrungen mit den Lieferausfällen im Zuge des Ukraine-Krieges eingeführt wurde. Er soll sicherstellen, dass auch bei einem kalten Winter ausreichend Gas für Haushalte und Unternehmen verfügbar bleibt.
Regionale Unterschiede und politische Lager
Die stärkere Sorge in Ostdeutschland verweist auf unterschiedliche Erfahrungen mit Energiepreisen und wirtschaftlicher Lage. In vielen ostdeutschen Regionen sind Einkommen geringer, während hohe Heizkosten die Haushalte besonders treffen können. Dass Anhänger von Union, SPD und Grünen überwiegend keine Engpässe erwarten, deutet auf Vertrauen in die aktuelle Energiepolitik und die Funktionsfähigkeit der Versorgungsketten hin. Die deutlich höhere Skepsis unter AfD-Sympathisanten spiegelt hingegen ein generelles Misstrauen gegenüber staatlichen Maßnahmen und der Energiepolitik wider. Die gespaltene Haltung der Linken-Anhänger zeigt, dass auch im linken Lager die Bewertung der Risiken nicht einheitlich ist.
Bedeutung für Verbraucher und Wirtschaft
Für private Haushalte bleibt entscheidend, wie sich die Gaspreise im Herbst und Winter entwickeln und ob die Speicherziele erreicht werden. Je höher die Füllstände, desto stabiler ist in der Regel die Versorgung und desto geringer die Gefahr sprunghafter Preissprünge. Unternehmen, insbesondere in der energieintensiven Industrie, beobachten die Lage genau, da sie im Fall von Engpässen oder stark steigenden Preisen ihre Produktion anpassen müssten. Die Umfrage macht deutlich, dass ein Teil der Bevölkerung mögliche Risiken sieht und damit auch politischen Druck erzeugt, die Speicher konsequent zu füllen und alternative Energiequellen weiter auszubauen.
