Grüne, Atompolitik

Verlinden fordert neue Sicherheitsbewertung für Atomfabrik Lingen

Veröffentlicht am: 05.09.2026 um 16:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Die Grünen-Politikerin Julia Verlinden drängt nach dem Anschlag auf den Flughafen Halle/Leipzig auf eine neue Sicherheitsbewertung der Brennelemente-Fabrik in Lingen und der dortigen Kooperation mit einem russischen Staatskonzern. Sie stellt die Frage, wie konsequent Deutschland russischen Einfluss in sicherheitsrelevanten Bereichen begrenzt.

Grünen-Fraktionsvize fordert Prüfung von Atom-Projekt mit Russland
Julia Verlinden (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Die stellvertretende Fraktionschefin der Grünen-Bundestagsfraktion Julia Verlinden fordert eine Prüfung der Kooperation zwischen einem russischen Staatskonzern und der Brennelemente-Fabrik ANF zur Produktion von Kernbrennstoffen auf deutschem Boden. Nach ihren Worten soll die Bundesregierung die Sicherheitslage rund um die Atomfabrik in Lingen neu bewerten.

Verlinden verlangt neue Sicherheitsbewertung

„Ich fordere die Bundesregierung auf, eine neue Sicherheitsbewertung der Atomfabrik in Lingen vorzunehmen“, sagte Verlinden der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (noz). Aus ihrer Sicht reicht die bisherige Einstufung nicht mehr aus, um den aktuellen Risiken gerecht zu werden.

Nachdem die Bundesregierung Russland für den Sprengstoffanschlag auf den Flughafen Halle/Leipzig verantwortlich gemacht habe, müssten die Risiken der Beteiligung eines russischen Staatskonzerns an der Produktion von Kernbrennstoffen auf deutschem Boden dringend neu bewertet werden, so Verlinden gegenüber noz. Sie betonte, es könne nicht sein, dass Mitarbeiter eines Staates, der Deutschland längst nicht mehr nur hybrid bedrohe, in einer niedersächsischen Atomfabrik ein- und ausgehen.

Mögliche Folgen für die Anlage in Lingen

Durch eine bundespolitische Neubewertung von Sicherheitsfragen könne die Genehmigung der Atomanlage in Lingen geändert und der Einfluss Russlands unterbunden werden, sagte Verlinden der noz. Aus ihrer Sicht eröffnet eine geänderte Sicherheitsbewertung die Möglichkeit, strengere Vorgaben oder Einschränkungen für die Kooperation mit dem russischen Staatskonzern zu beschließen.

Nicht zuletzt seien strengere Sicherheitsvorkehrungen in Lingen auch eine Frage der Glaubwürdigkeit gegenüber den europäischen Partnern, führte die Grünen-Politikerin weiter aus. Sie nannte dabei ausdrücklich Staaten in Nordeuropa und im Baltikum, die angesichts der aktuellen Lage besonders sensibel auf Sicherheitsrisiken im Zusammenhang mit Russland reagieren.

Debatte um russischen Einfluss auf kritische Infrastruktur

Mit ihrer Forderung reiht sich Verlinden in eine anhaltende Diskussion über den Umgang mit russischer Beteiligung an kritischer Infrastruktur in Deutschland ein. Dabei geht es neben der physischen Sicherheit von Anlagen wie der Brennelemente-Fabrik in Lingen auch um politische Signale an Partnerstaaten, die für eine klare Linie gegenüber Russland eintreten.

Die Forderung der Grünen-Politikerin Julia Verlinden fällt in eine Phase stark belasteter Beziehungen zwischen Deutschland und Russland. Nach dem Sprengstoffanschlag auf den Flughafen Halle/Leipzig, den die Bundesregierung Russland zurechnet, steht die sicherheitspolitische Kooperation mit russischen Staatsunternehmen grundsätzlich auf dem Prüfstand. Vor diesem Hintergrund richtet sich der Blick nun auch auf industrielle Anlagen, in denen russische Firmen Zugang zu sensibischer Infrastruktur und Technologie haben.

Atomwirtschaft und Sicherheitsdebatte

Die Brennelemente-Fabrik ANF in Lingen nimmt in der deutschen Atomlandschaft eine Sonderrolle ein. Auch nach dem Atomausstieg produziert sie Kernbrennstoffe, die überwiegend für den Export bestimmt sind. Die Beteiligung eines russischen Staatskonzerns an dieser Produktion berührt gleich mehrere Ebenen: technische Sicherheit, Spionage- und Sabotagerisiken sowie die Frage, ob Russland über wirtschaftliche Strukturen Einfluss in sicherheitsrelevanten Bereichen behalten sollte.

Verlinden verknüpft ihre Kritik mit der Einschätzung, dass Russland Deutschland „nicht mehr nur hybrid“ bedrohe. Gemeint ist eine Kombination aus Cyberangriffen, Desinformation und nun auch mutmaßlich physischen Anschlägen. In diesem Kontext erscheint die Forderung nach einer neuen Sicherheitsbewertung als Teil einer breiteren Debatte: Wie konsequent setzt die Bundesregierung ihre Linie gegenüber Russland in allen Sektoren um, die als kritisch gelten?

Bedeutung für Politik und Region

Für die Bundesregierung könnte eine Neubewertung der Anlage in Lingen weitreichende Folgen haben – von verschärften Auflagen über eine Änderung der Genehmigung bis hin zu möglichen Einschränkungen der Kooperation mit dem russischen Konzern. Für die Region Lingen wären solche Schritte auch wirtschaftlich spürbar, da die Brennelementeproduktion ein spezialisierter Industriezweig mit gut qualifizierten Arbeitsplätzen ist. Zugleich verweist Verlinden auf die europäische Dimension: Strengere Sicherheitsvorkehrungen sollen die Glaubwürdigkeit Deutschlands gegenüber Partnern in Nordeuropa und im Baltikum stärken, die sich besonders von russischen Bedrohungen betroffen sehen.

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