Klüssendorf wirft Berliner Linken nach Neukölln-Auftritt Antisemitismus vor
Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 01:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSSPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf wirft der Berliner Linken gut zwei Wochen vor der Abgeordnetenhauswahl ein Antisemitismus-Problem vor. Auslöser ist ein Auftritt eines Rappers bei einer Wahlkampfveranstaltung des Neuköllner Bezirksverbands, bei dem zur Intifada aufgerufen wurde.
Klüssendorf kritisiert Eralp
Klüssendorf sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, wenn so klarer Antisemitismus geäußert werde und sich nicht alle klar abgrenzten, dann gebe es in der Linken in Berlin eindeutig ein Antisemitismus-Problem. Er verwies dabei auch auf die Spitzenkandidatin der Linken in Berlin, Elif Eralp, die aus seiner Sicht in der direkten Verantwortung stehe.
Eralp sei als Spitzenkandidatin für den Wahlkampf ihrer Partei verantwortlich und müsse endlich hart durchgreifen, statt nur nebulös Konsequenzen zu fordern, sagte Klüssendorf. Zugleich betonte er, die Linke sei grundsätzlich für die SPD ein möglicher Koalitionspartner.
Vorfall in Neukölln
Bei der Veranstaltung in Neukölln am vergangenen Samstag hatte der Rapper Dahabflex Zeilen wie „Yalla Yalla Intifada“ und „Death to the IDF“ vorgetragen. Klüssendorf sagte, die Vorgänge machten ihm sehr große Sorgen und lösten erhebliche Bedenken aus.
Nach der Veranstaltung erklärte Eralp, sie sei entsetzt, und forderte Aufklärung und Konsequenzen. Die Abgeordnetenhauswahl in Berlin findet am 20. September statt.
Der Fall trifft die Berliner Linke mitten im Endspurt vor der Abgeordnetenhauswahl und verschärft den Druck auf die Partei, sich in der Nahostfrage klar abzugrenzen. Für die SPD ist das politisch doppelt relevant: Sie greift den möglichen Koalitionspartner an und versucht zugleich, sich im Wahlkampf als klare Gegenposition zu antisemitischen Positionen zu profilieren.
Die Debatte ist nicht neu, gewinnt aber in Wahlkämpfen regelmäßig an Schärfe, wenn lokale Ereignisse bundespolitische Linien sichtbar machen. In Berlin ist das besonders heikel, weil die Linkspartei in einem Stadtteil wie Neukölln auf sehr unterschiedliche Milieus trifft und jedes Signal zur Israel- und Palästinafrage sofort über den Wahlkreis hinaus wirkt.
Wahlkampf und Koalitionsoptionen
Dass Klüssendorf die Linke trotz der Vorwürfe weiter als möglichen Koalitionspartner bezeichnet, zeigt den Spagat zwischen inhaltlicher Abgrenzung und strategischer Offenheit. Genau dieser Spagat prägt die Berliner Machtarithmetik: Wer regierungsfähig wirken will, muss Konflikte klar benennen, ohne potenzielle Bündnisse vorschnell auszuschließen.
Bedeutung für die Berliner Linke
Für Elif Eralp ist der Vorgang besonders belastend, weil sie im Wahlkampf nicht nur auf Distanz gehen, sondern innerparteilich Führung demonstrieren muss. Entscheidend wird sein, ob die Linke das Ereignis als Ausrutscher eines einzelnen Auftritts behandelt oder als Anlass für eine breitere Linie gegen antisemitische Entgleisungen und für disziplinierte Wahlkampfregeln.
Je näher der 20. September rückt, desto stärker wird der Vorfall zum Test für Glaubwürdigkeit, Konfliktfähigkeit und Regierungsfähigkeit der Partei.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
taz: „Berlins Linke und Nahost“ (02.09.2026)
Der Beitrag ordnet den Auftritt von Dahabflex als Auslöser einer breiteren Debatte innerhalb der Berliner Linken ein und beschreibt die schnellen Distanzierungen aus der Parteispitze. Zugleich betont er, dass in der Partei nicht alle dieselbe Lesart der Zeilen teilen und die Kontroverse auch innerparteiliche Konfliktlinien sichtbar macht.
Während die dts-Meldung vor allem die politische Attacke von SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf und die Reaktion von Elif Eralp zuspitzt, legt die taz den Schwerpunkt auf den parteiinternen Umgang mit dem Vorfall. Offen bleibt dort vor allem, wie stark der Streit die Berliner Linke organisatorisch und im Wahlkampf belastet.
taz: „LeoH“ (02.09.2026)
Der kurze Beitrag verweist auf die grundsätzliche Auseinandersetzung um die Bewertung israelfeindlicher oder antisemitischer Aussagen im linken Milieu. Er unterstreicht damit den größeren Deutungsrahmen, in den der Berliner Vorfall fällt.
Im Unterschied zur dts-Meldung rückt dieser Text weniger den konkreten Wahlkampfauftritt als die dahinterliegende politische und moralische Konfliktlinie in den Vordergrund. Für die aktuelle Affäre liefert er eher Einordnung als neue Fakten, bestätigt aber die Schärfe der Debatte.
Die Berichterstattung zeigt Einigkeit darüber, dass der Auftritt in Neukölln die Berliner Linke politisch unter Druck setzt. Unterschiedlich sind vor allem der Fokus auf Wahlkampffolgen, innerparteiliche Dynamik und die grundsätzliche Israel-Palästina-Debatte.
