Sachsen-Anhalt, SPD

Sachsen-Anhalt: SPD lädt CDU, Grüne, Linke und BSW zu Regierungs-Gesprächen ein

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 17:11 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die SPD in Sachsen-Anhalt lädt CDU, Grüne, Linke und BSW zu Gesprächen über eine Regierungsbildung ein. Im Mittelpunkt steht auch die Möglichkeit eines überparteilichen Ministerpräsidenten – während AfD und BSW parallel über eine Zusammenarbeit sprechen.

Die SPD-Landeschefs Juliane Kleemann und Andreas Schmidt laden zu Gesprächen ein. (Archivbild) - Bild: Matthias Bein/dpa
Die SPD-Landeschefs Juliane Kleemann und Andreas Schmidt laden zu Gesprächen ein. (Archivbild) - Bild: Matthias Bein/dpa

Die SPD-Landesspitze in Sachsen-Anhalt hat Vertreter von CDU, Grünen, Linken und BSW zu Gesprächen über die Bildung einer Landesregierung eingeladen.

SPD will Möglichkeiten ausloten

Die SPD-Landeschefs Juliane Kleemann und Andreas Schmidt erklärten in einem Schreiben, man stehe in der Verantwortung, die bestehenden Möglichkeiten für eine stabile und handlungsfähige Regierung ernsthaft zu prüfen. Der Austausch soll am Dienstag in Magdeburg stattfinden.

Mehr als zwei Wochen nach der Landtagswahl sei weiterhin offen, auf welcher politischen Grundlage und mit welcher Mehrheit eine neue Landesregierung gebildet werden könne. Die SPD wolle insbesondere den Vorschlag eines überparteilichen Ministerpräsidenten erörtern und ausloten, ob daraus eine Perspektive für eine stabile Regierung entstehen könne.

AfD fehlen drei Stimmen

Die AfD hatte die Landtagswahl vor zweieinhalb Wochen klar gewonnen. Für eine Mehrheit im Parlament sind 42 Stimmen erforderlich, die AfD stellt 39 Abgeordnete.

CDU, Linke, Grüne und SPD verfügen zusammen ebenfalls über 39 Sitze. Das BSW ist mit fünf Abgeordneten vertreten und könnte damit bei Abstimmungen eine entscheidende Rolle spielen.

BSW spricht mit der AfD

Als einzige der eingeladenen Parteien war das BSW zuvor auf das Angebot der AfD eingegangen, über die Zukunft des Landes zu sprechen. Beide Parteien loten aus, inwiefern eine inhaltliche Zusammenarbeit möglich ist.

Eine Koalition mit der AfD lehnt das BSW nach der dpa-Meldung jedoch ab. Bei den Gesprächen geht es um Inhalte, die eine AfD-geführte Minderheitsregierung umsetzen müsste. Das BSW hatte sich außerdem für einen überparteilichen Ministerpräsidenten ausgesprochen und Offenheit für wechselnde Mehrheiten signalisiert.

Schwierige Mehrheitsbildung

Die Einladung der SPD erweitert den Kreis der möglichen Gespräche, löst das rechnerische Problem im Landtag aber nicht. Die AfD verfügt über 39 der 83 Sitze und verfehlt damit die absolute Mehrheit von 42 Mandaten. CDU, SPD, Grüne und Linke kommen zusammen ebenfalls auf 39 Sitze; das BSW könnte mit fünf Abgeordneten bei einzelnen Abstimmungen zum entscheidenden Faktor werden.

Politisch stehen sich dabei unterschiedliche Modelle gegenüber. Das BSW will nach der dpa-Meldung eine Koalition mit der AfD ausschließen, zugleich aber über Inhalte und wechselnde Mehrheiten sprechen. Die SPD bringt nun zusätzlich den Vorschlag eines überparteilichen Ministerpräsidenten in die Gespräche ein. Damit wird die Frage zentral, ob eine Regierung ohne klassische Koalition dauerhaft tragfähig wäre.

Parlament vor ersten Weichenstellungen

Der neu gewählte Landtag soll am 6. Oktober erstmals zusammentreten. Bis dahin dürfte es vor allem um die Besetzung des Präsidiums und um politische Mindestbedingungen für eine Regierungsbildung gehen. Eine Zusammenarbeit bei einzelnen Personalentscheidungen oder Sachthemen würde noch keine Koalition bedeuten, könnte aber das Kräfteverhältnis im Parlament sichtbar verändern.

Für die Bürgerinnen und Bürger hängt davon ab, wie schnell zentrale Landesentscheidungen getroffen werden können. Eine Minderheitsregierung wäre auf fallweise Unterstützung angewiesen und müsste Mehrheiten für Haushalt, Investitionen und Gesetzesvorhaben jeweils neu organisieren. Die Gespräche der SPD sind deshalb ein Versuch, neben der AfD-geführten Option eine institutionell belastbare Alternative auszuloten.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

DER SPIEGEL: „Regierungsbildung in Magdeburg: BSW sieht AfD in Sachsen-Anhalt noch unentschlossen“ (23.09.2026)

Der Bericht bestätige die Gespräche zwischen AfD und BSW und hebe hervor, das BSW schließe eine Koalition weiterhin aus. Zugleich setze er den Schwerpunkt auf die Einschätzung, die AfD habe bei möglichen Kooperationen noch keine klare Linie; offen bleibe, ob aus der inhaltlichen Zusammenarbeit stabile Mehrheiten entstehen könnten.

MDR: „AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt verändert die politische Landschaft“ (23.09.2026)

Der Beitrag ordne die schwierige Regierungsbildung in die veränderten Kräfteverhältnisse nach der Wahl ein und bestätige, dass mehrere Parteien eine Zusammenarbeit mit der AfD ausschlössen. Anders als der aktuelle Vorstoß der SPD richte sich der Schwerpunkt auf die strukturelle Bedeutung des Wahlergebnisses und die besondere Rolle des BSW; offen bleibe, welche politische Konstellation am Ende eine Mehrheit finde.

Beide Berichte stellten die fehlende absolute Mehrheit der AfD und die Schlüsselrolle des BSW heraus. Der SPIEGEL betone stärker die Unentschlossenheit der AfD und die Bedingungen des BSW, während der MDR die langfristige Verschiebung der politischen Kräfte hervorhebe; die konkrete Regierungsbildung bleibe offen.

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