Sachsen-Anhalt: Landtag wählt ersten AfD-Präsidenten
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 11:03 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDer neue Landtag von Sachsen-Anhalt ist einen Monat nach der Landtagswahl zu seiner konstituierenden Sitzung in Magdeburg zusammengekommen.
AfD nominiert Tobias Rausch
Im Mittelpunkt steht die Wahl des Landtagspräsidenten. Die AfD, die die Wahl mit fast 44 Prozent der Stimmen gewonnen hat, schlägt dafür ihren langjährigen Abgeordneten Tobias Rausch vor.
Der 35-Jährige ist gelernter Immobilienkaufmann, gehört seit 2016 der AfD-Fraktion an und arbeitet als parlamentarischer Geschäftsführer. Sollte er gewählt werden, wäre Rausch der erste AfD-Politiker an der Spitze eines deutschen Landtags.
AfD in Sachsen-Anhalt als rechtsextrem eingestuft
Der Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt hat die AfD als gesichert rechtsextrem eingestuft. Die Wahl des Parlamentspräsidenten erfolgt in geheimer Abstimmung.
Die AfD verfügt im neuen Landtag über 39 Sitze. CDU, SPD, Grüne und Linke kommen zusammen ebenfalls auf 39 Mandate. Das BSW ist mit fünf Abgeordneten vertreten und hat angekündigt, für Rausch zu stimmen.
Hunderte Menschen demonstrieren
Vor Beginn der Sitzung demonstrierten Hunderte Menschen auf dem Domplatz vor dem Parlament. Nach Angaben von dpa-Reportern lasen sie unter anderem laut aus dem Grundgesetz vor.
Mehrheit für den AfD-Kandidaten zeichnet sich ab
Die erste Sitzung markiert den formalen Beginn der neuen Legislaturperiode. Die AfD verfügt über 39 der 83 Sitze und ist damit stärkste Fraktion. Das BSW hat angekündigt, Tobias Rausch zu unterstützen; gemeinsam kämen beide Fraktionen auf 44 Stimmen und damit auf eine absolute Mehrheit.
Präsidentenwahl als politisches Signal
Das Amt des Landtagspräsidenten ist nicht mit der Leitung der Landesregierung gleichzusetzen. Der Präsident führt die Plenarsitzungen, vertritt das Parlament nach außen und achtet auf die Einhaltung der parlamentarischen Ordnung. Eine Wahl Rauschs hätte dennoch bundespolitische Bedeutung, weil erstmals ein AfD-Politiker den Parlamentsvorsitz eines deutschen Landtags übernehmen würde.
Regierungsbildung bleibt offen
Mit der Präsidentenwahl ist die Machtfrage in Sachsen-Anhalt nicht entschieden. Die Wahl des Ministerpräsidenten ist erst für Dezember vorgesehen. AfD-Fraktionschef Ulrich Siegmund benötigt dafür Stimmen außerhalb seiner Fraktion; das BSW hat angekündigt, sich enthalten zu wollen. Damit bleibt offen, ob und wie eine stabile Mehrheit für eine Regierung zustande kommt. Für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet die neue Konstellation zunächst ein arbeitsfähiges Parlament, aber zugleich längere Verhandlungen über politische Mehrheiten und die künftige Landesregierung.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
MDR: „Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Neues Parlament kommt zur ersten Sitzung zusammen“ (06.10.2026)
Der Liveticker bestätige den Beginn der konstituierenden Sitzung und stelle die zugesicherte Unterstützung des BSW für Tobias Rausch heraus. Anders als die dpa-Meldung beleuchte er zusätzlich die Kritik an Rausch, die angekündigten Gegenpositionen von SPD, Grünen und Linken sowie die organisatorischen Folgen der Sitzung.
MDR: „Neuer Landtag in Sachsen-Anhalt: Was bis zum Start entschieden wird“ (05.10.2026)
Der Bericht ordne die Sitzung in die Bildung des neuen Parlaments ein und erläutere, dass Ausschüsse, Fraktionen und Sitzordnung bereits vorbereitet worden seien. Er hebe zudem hervor, dass die Präsidentenwahl nicht mit der Regierungsbildung gleichzusetzen sei und die Wahl des Ministerpräsidenten erst später anstehe.
Beide Beiträge stellten die mögliche Wahl des ersten AfD-Landtagspräsidenten in Deutschland und die Schlüsselrolle des BSW heraus. Offen bleibe, welche Mehrheiten sich anschließend für die Regierungsbildung und die weitere parlamentarische Arbeit bildeten.
