Pandemie drängt Mütter in Teilzeit – Väter schuften mehr
Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 15:10 Uhr | dts-nachrichtenagentur.deIm aktuellen Bericht des DIW Berlin wurde ein Phänomen seziert, das gleichermaßen auffällt wie bitter: Mütter mit jungen, schulpflichtigen Kindern reduzierten während der ersten Lockdowns ihre Stundenzahl im Job – nur der absolute Ausstieg blieb meist aus. Die Zahl der Mütter, die weiterhin in Vollzeit arbeiteten, rutschte durch die pandemiebedingten Schulschließungen um gut 5% ab. Auch wer den Spagat wagte, musste oft umdisponieren. Auf der anderen Seite – fast ein Klischee – erhöhten Väter die eigene Erwerbstätigkeit. Vermutlich, um das aufgefangene Familieneinkommen zu stützen. Gerade bei verheirateten Paaren wurde das alte Modell – Mann verdient, Frau kümmert sich – sichtbarer als je zuvor. Markus Grabka vom DIW sieht darin sogar einen Rückfall in überholte Muster, die Frauen am längeren Hebel benachteiligen: weniger Einkommen, weniger Rente, und das alles auf Jahrzehnte gesehen. Wer Kinder hat, die schon älter sind, scheint weniger davon betroffen – vielleicht, weil Teenager doch mal das Pausenbrot selbst schmieren. Die eigentliche Frage bleibt offen: Wie nachhaltig ist dieser Rückschritt? Ist er reversibel? Das wurde diesmal nicht erforscht. Klar ist nur: Strukturelle Hürden im Arbeitsleben stützen das Ungleichgewicht, das jeder Krise trotzt.
Die Studie des DIW dokumentiert klar, dass die Pandemie die Arbeitsverteilung in Familien mit jungen Kindern deutlich beeinflusste – und dabei bestehende Ungleichheiten noch verstärkte. Während Mütter häufiger ihre Arbeitszeit kürzten, stemmen Väter mehr Stunden; besonders auffällig ist dies bei verheirateten Paaren mit Schulkindern. Noch immer fehlen langfristige Analysen dazu, ob Frauen nach der Pandemie zurück in die Vollzeit kehren – aktuelle Einschätzungen mahnen allerdings, dass Strukturen im Arbeitsmarkt und der Mangel an Betreuungsangeboten alte Rollenmuster unnötig zementieren könnten. Zum Thema passend berichten Medien aktuell verstärkt über eine Debatte zum Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung bis 2026, neue Homeoffice-Konzepte bei Großunternehmen sowie zur angestrebten Besserstellung von Eltern in existenziellen Ausnahmesituationen. In mehreren europäischen Ländern wird die Entwicklung ebenfalls genau beobachtet, beispielsweise fordern Initiativen in Frankreich und den Niederlanden flexiblere Arbeitszeitmodelle für beide Elternteile. Im Übrigen bleiben viele Arbeitgeber im deutschsprachigen Raum zurückhaltend, wenn es darum geht, gleichberechtigte Modelle aktiv zu fördern.
- Im Spiegel wurde berichtet, dass der Bundestag die gesetzlichen Weichen für einen bundesweiten Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung bis 2026 stellte – hierbei gibt es jedoch deutliche Kritik an der schleppenden Umsetzung in den Ländern und warnende Stimmen, dass insbesondere in strukturschwachen Regionen der Personalmangel die Wirkung komplett ausbremsen könnte. (Quelle: [Spiegel Online](https://www.spiegel.de))
- Die Süddeutsche Zeitung schildert in einer aktuellen Langzeit-Recherche die Geschichten mehrerer Familien, die während der Lockdowns in Care-Arbeit und Homeoffice fast zerrieben wurden; viele Frauen berichten, dass sie bis heute beruflich nicht zum Stand von 2019 zurückgekehrt sind und die langfristigen finanziellen Folgen fürchten. (Quelle: [Süddeutsche Zeitung](https://www.sueddeutsche.de))
- Krautreporter analysiert, inwiefern die Pandemie neue Denkansätze für eine gerechtere Aufteilung von Erwerbsarbeit und Familienpflichten hervorbrachte: Während einige Unternehmen kreative Ansätze zur Unterstützung von Eltern testeten, berichten Betroffene, dass echte Gleichberechtigung oft an tief verwurzelten Betriebskulturen scheitert. (Quelle: [Krautreporter](https://krautreporter.de))
