Friedrich Merz, Sachsen-Anhalt

Merz wirbt in Sachsen-Anhalt um AfD-Wähler und warnt vor AfD-Regierung

Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 19:57 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Bundeskanzler Friedrich Merz wirbt im Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt ausdrücklich um potenzielle AfD-Wähler und warnt zugleich vor den wirtschaftlichen Folgen einer AfD-Regierung. Seine nicht öffentlichen Termine sollen CDU-Ministerpräsident Sven Schulze kurz vor der Wahl stärken.

Merz: Gibt zu Wählern in Sachsen-Anhalt keine Brandmauer
Wahlplakate vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wirbt im Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt gezielt um potenzielle AfD-Wähler. Bei einem Besuch in Quedlinburg erklärte er, es gebe zu den Wählern in Sachsen-Anhalt „keine Brandmauer" und betonte, diese Wähler gewinnen und, wenn sie verloren gegangen seien, auch zurückgewinnen zu wollen.

Merz wirbt um abgewanderte Wähler

Merz sprach von seiner „festen Überzeugung", dass die CDU den Menschen etwas anbieten könne und auch Erfolge vorzuweisen habe. Als Beispiel nannte er, dass die Bundesregierung die Migrationszahlen gesenkt habe. Damit knüpfte er an eines der zentralen Themen im politischen Wettbewerb mit der AfD an.

Zugleich erneuerte der Kanzler seine Warnung, Sachsen-Anhalt könnte unter einer AfD-Regierung von Investoren gemieden werden. Das Land dürfe „kein Experimentierfeld für Wutbürger werden", sagte er und stellte wirtschaftliche Stabilität und Verlässlichkeit als Kernanliegen der CDU heraus.

Wahlkampfunterstützung für Ministerpräsident Schulze

Der Besuch in Quedlinburg ist einer von zwei Terminen, mit denen Merz in der Endphase des Landtagswahlkampfs den amtierenden Ministerpräsidenten Sven Schulze (CDU) unterstützt. Neben dem Auftritt im Harz ist für Donnerstag ein Besuch eines Unternehmens in Leuna geplant.

Obwohl Merz ausdrücklich auf die Rückgewinnung abgewanderter Wähler setzt, sind beide Termine nicht öffentlich vorgesehen. Der Kanzler tritt damit im Wahlkampffinale vor allem in geschlossenen Runden mit Unternehmensvertretern und Parteifreunden auf und verzichtet auf größere öffentliche Kundgebungen.

Strategie ohne große Wahlkampfauftritte

Mit der Kombination aus klarer Abgrenzung gegenüber einer AfD-Regierung und gleichzeitiger Ansprache von AfD-Wählern verfolgt Merz eine doppelgleisige Strategie. Einerseits soll die CDU als handlungsfähige Alternative zur AfD präsentiert werden, andererseits sollen wirtschaftliche Risiken und politische Unwägbarkeiten eines Machtwechsels im Land deutlich gemacht werden.

Dass die Termine des Bundeskanzlers nicht öffentlich sind, lässt darauf schließen, dass die CDU im Schlussspurt auf gezielte Botschaften und die Mobilisierung von Unterstützern setzt, statt auf große Inszenierungen vor breitem Publikum. Für den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt bleibt damit die Frage, ob diese Strategie ausreicht, um die AfD auf Abstand zu halten und Schulze im Amt zu bestätigen.

Die Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz in Quedlinburg fügen sich in einen hoch emotional geführten Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt ein. Dort liegt die AfD in Umfragen deutlich vor der CDU, während Ministerpräsident Sven Schulze um eine erneute Mehrheit für sein Bündnis kämpft. Merz adressiert mit seiner Aussage explizit die potenziellen AfD-Wähler und betont, dass die CDU diese Wählergruppe nicht von vornherein ausschließen, sondern zurückgewinnen wolle.

Koalitionszusagen und Umgang mit AfD-Wählern

Die Formel von der „Brandmauer“ richtet sich traditionell gegen eine Zusammenarbeit mit der AfD als Partei, nicht gegen deren Wähler. Merz knüpft daran an, indem er die CDU als Angebot für enttäuschte oder abgewanderte Wähler präsentiert. Zugleich warnt er vor möglichen wirtschaftlichen Folgen einer AfD-geführten Landesregierung und setzt auf das Argument, Investoren könnten sich von Sachsen-Anhalt abwenden. Das greift ein zentrales Motiv des Wahlkampfs auf, in dem wirtschaftliche Stabilität und Standortfragen eine große Rolle spielen.

Bundespolitischer Kontext und Migrationspolitik

Wenn Merz die Senkung der Migrationszahlen als Beispiel für die Leistungsbilanz der Bundesregierung anführt, verweist er auf eines der konfliktträchtigsten Themen, die den Aufstieg der AfD begünstigt haben. Die Botschaft zielt darauf, sicherheits- und migrationspolitische Anliegen dieser Wähler ernst zu nehmen, ohne die programmatische Abgrenzung zur AfD aufzugeben. Für Leser in Sachsen-Anhalt bedeutet dies, dass die CDU versucht, einer möglichen AfD-Regierung ein Bild erwartbarer wirtschaftlicher Risiken und politischer Isolation entgegenzusetzen.

Ausblick für Sachsen-Anhalt

Mit zwei nicht öffentlichen Terminen im Land setzt Merz im Wahlkampffinale eher auf geschlossene Formate mit Unternehmen und Parteifreunden als auf große Kundgebungen. Das deutet auf eine Strategie, gezielt wirtschaftliche und gesellschaftliche Akteure anzusprechen, deren Unterstützung für Schulze und die CDU im Ringen um Mehrheiten entscheidend sein kann. Ob diese Ansprache der AfD-Wähler mit klaren Warnungen vor einer AfD-Regierung die Mehrheitsverhältnisse beeinflussen kann, wird sich erst am Wahltag zeigen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

n-tv: „Merz erlässt Anordnung zum Glücklichsein" (29.08.2026)

Die Kolumne ordnet den Auftritt der Bundesregierung und von Merz im bundespolitischen Kontext ein und hebt den kontrastierenden Wahlkampf in Sachsen-Anhalt hervor. Sie beschreibt Schulze als sachorientierten Gegenpol zur AfD und betont, dass die CDU mit Fakten und rationalen Argumenten gegen die Inszenierung der AfD antritt. Die Analyse nimmt Merz’ Kommunikationsstil kritisch in den Blick, bestätigt aber die zentrale Rolle Sachsen-Anhalts im aktuellen politischen Wettbewerb.

FOCUS online: „Möchte nicht, dass Magdeburg ein Vorort von Moskau wird” (29.08.2026)

Der Beitrag berichtet über Warnungen aus der Landespolitik vor einem stärkeren Einfluss Russlands im Fall einer AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt. Er betont, dass eine AfD-geführte Landesregierung als Zäsur für das ganze Land gesehen wird und stellt mehrere Wahlkampfauftritte gegen die AfD heraus. Während Merz wirtschaftliche Risiken und Investorenverhalten in den Vordergrund stellt, akzentuiert der Artikel außen- und sicherheitspolitische Bedenken gegenüber einer AfD-Regierung.

Beide Beiträge unterstreichen, dass Sachsen-Anhalt vor einer Richtungsentscheidung steht und eine mögliche AfD-Regierung als Risiko für Land, Bund und internationale Partner bewertet wird. Die Perspektiven unterscheiden sich in der Gewichtung: n-tv fokussiert stärker auf Kommunikation und Kampagnenstil, FOCUS online auf geopolitische und sicherheitspolitische Aspekte einer AfD-geführten Landespolitik.

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