Friedrich Merz, Kiew

Merz in Kiew: Kanzler fordert Putin zum Ende des „sinnlosen Krieges“ auf

Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 12:32 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Bundeskanzler Friedrich Merz hat der Ukraine bei seinem Solidaritätsbesuch in Kiew weitere Unterstützung zugesichert. Während seines Aufenthalts gingen russische Drohnenangriffe auf die Hauptstadt weiter; Deutschland stellt insgesamt 1,35 Milliarden Euro für Waffen und Energieinfrastruktur bereit.

  • Noch nie war ein Kanzler-Besuch in Kiew so gefährlich - die Sirenen heulten auch, als Merz mit Selenskyj die Überreste des historischen Gebäudes der Akademie der Wissenschaften besichtigte.  - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Noch nie war ein Kanzler-Besuch in Kiew so gefährlich - die Sirenen heulten auch, als Merz mit Selenskyj die Überreste des historischen Gebäudes der Akademie der Wissenschaften besichtigte. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • Merz sagte, er bringe Selenskyj die Botschaft mit: «Auf unsere Hilfe könnt ihr weiter zählen.»  - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Merz sagte, er bringe Selenskyj die Botschaft mit: «Auf unsere Hilfe könnt ihr weiter zählen.» - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • Deutschland ist mittlerweile größter Unterstützer der Ukraine in ihrem seit mehr als viereinhalb Jahren dauernden Abwehrkampf gegen den russischen Angriffskrieg.  - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Deutschland ist mittlerweile größter Unterstützer der Ukraine in ihrem seit mehr als viereinhalb Jahren dauernden Abwehrkampf gegen den russischen Angriffskrieg. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • Merz wird in Kiew von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und zehn Unternehmern aus den Bereichen Rüstung und Energie in Kiew begleitet. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Merz wird in Kiew von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und zehn Unternehmern aus den Bereichen Rüstung und Energie in Kiew begleitet. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • Auf der Nordbrücke über den Fluss Dnipro in Kiew kam es bei einem russischen Luftangriff während Merz' Besuch erneut zu einem Einschlag.  - Bild: Andriy Dubchak/AP/dpa
    Auf der Nordbrücke über den Fluss Dnipro in Kiew kam es bei einem russischen Luftangriff während Merz' Besuch erneut zu einem Einschlag. - Bild: Andriy Dubchak/AP/dpa
Noch nie war ein Kanzler-Besuch in Kiew so gefährlich - die Sirenen heulten auch, als Merz mit Selenskyj die Überreste des historischen Gebäudes der Akademie der Wissenschaften besichtigte.  - Bild: Kay Nietfeld/dpa Merz sagte, er bringe Selenskyj die Botschaft mit: «Auf unsere Hilfe könnt ihr weiter zählen.»  - Bild: Kay Nietfeld/dpa Deutschland ist mittlerweile größter Unterstützer der Ukraine in ihrem seit mehr als viereinhalb Jahren dauernden Abwehrkampf gegen den russischen Angriffskrieg.  - Bild: Kay Nietfeld/dpa Merz wird in Kiew von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und zehn Unternehmern aus den Bereichen Rüstung und Energie in Kiew begleitet. - Bild: Kay Nietfeld/dpa Auf der Nordbrücke über den Fluss Dnipro in Kiew kam es bei einem russischen Luftangriff während Merz' Besuch erneut zu einem Einschlag.  - Bild: Andriy Dubchak/AP/dpa

Bundeskanzler Friedrich Merz hat der Ukraine bei einem Solidaritätsbesuch in Kiew anhaltende Unterstützung zugesichert und Russlands Präsident Wladimir Putin zum Ende des Krieges aufgefordert.

Appell an Putin vor zerstörter Akademie

„Herr Putin, hören Sie diesen sinnlosen Krieg auf!“, sagte Merz vor der Ruine der Akademie der Wissenschaften, die wenige Tage zuvor bei einem Drohnenangriff zerstört worden war. Er sei zu Gesprächen bereit, zugleich müssten die Angriffe auf die Zivilbevölkerung aufhören.

Bei dem Termin mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj heulten erneut die Luftalarmsirenen. Merz sprach angesichts der Schäden von täglichen Kriegsverbrechen.

Drohnenangriffe während des Besuchs

Russland setzte seine Luftangriffe auf Kiew und andere Teile der Ukraine während des Besuchs fort. Auf der Nordbrücke über den Dnipro kam es erneut zu einem Einschlag; Bürgermeister Vitali Klitschko sprach von zwei Verletzten.

Der Kanzler hielt sich zu diesem Zeitpunkt rund fünf Kilometer entfernt in der deutschen Botschaft auf. In den ersten fünf Stunden seines Besuchs wurde in Kiew fünf Mal Drohnenalarm ausgelöst. Nach ukrainischen Angaben setzte Russland landesweit 135 Drohnen ein.

1,35 Milliarden Euro für Waffen und Energie

Merz wurde von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und zehn Unternehmern aus den Bereichen Rüstung und Energie begleitet. Deutschland will in Kürze Tausende Abfangdrohnen liefern, die gegen besonders schnelle russische Kampfdrohnen mit Düsenantrieb eingesetzt werden sollen.

Zudem soll die Produktion weitreichender Waffen vorangetrieben werden. Dafür soll eine Milliarde Euro aus bereits bewilligten Haushaltsmitteln freigegeben werden. Weitere 350 Millionen Euro sind für die Reparatur und den Wiederaufbau zerstörter Kraftwerke vorgesehen.

Selenskyj dankt Deutschland

Selenskyj dankte Deutschland für die „konsequente Führungsstärke“ beim Schutz der ukrainischen Bevölkerung. Russland müsse gemeinsam gestoppt werden, sagte der Präsident.

Allein in der vergangenen Woche habe Russland nach Selenskyjs Angaben mehr als 1.900 Angriffsdrohnen, 1.700 Gleitbomben und 25 Raketen eingesetzt. Die Angriffe führten auch zu Stromausfällen.

Warnung aus Moskau

Wenige Stunden vor der Ankunft des Kanzlerzugs hatte das russische Außenministerium ausländische Besucher und Diplomaten aufgefordert, Kiew zu verlassen. Sie sollten sich insbesondere nicht in der Nähe militärischer Objekte und Regierungsgebäude aufhalten.

Merz ließ sich davon nicht abbringen. Er erklärte bei seiner Ankunft, die Ukraine brauche in den kommenden Wochen Unterstützung. Wenn Russland nicht gestoppt werde, richte sich seine Kriegsmaschinerie früher oder später gegen Deutschland.

Vierter Kanzlerbesuch seit der Invasion

Es war der vierte Besuch eines deutschen Kanzlers in der Ukraine seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022. Merz war bereits im Mai des Vorjahres wenige Tage nach seiner Vereidigung gemeinsam mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron, dem britischen Premierminister Keir Starmer und dem polnischen Regierungschef Donald Tusk nach Kiew gereist.

Eine damals von den europäischen Regierungschefs gestartete Initiative für einen bedingungslosen Waffenstillstand blieb ebenso erfolglos wie weitere diplomatische Vorstöße. Ein Treffen von Außenminister Johann Wadephul mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow in New York brachte nach Darstellung Lawrows keine neuen Ergebnisse.

Besuch als sicherheitspolitisches Signal

Der Besuch fällt in eine Phase, in der Russland seine Luftangriffe auf ukrainische Städte und Infrastruktur intensiviert. Die wiederholten Treffer an Kiewer Brücken erhöhen den Druck auf eine Millionenstadt, deren Verkehrswege über den Dnipro für Pendler, Versorgung und den Zugang zu wichtigen Einrichtungen zentral sind.

Die angekündigten Abfangdrohnen zielen auf eine wachsende Herausforderung: Besonders schnelle Drohnen mit Düsenantrieb verkürzen die Reaktionszeit der ukrainischen Luftverteidigung. Für die Bevölkerung bedeutet wirksamer Schutz nicht nur militärische Sicherheit, sondern auch eine geringere Gefahr für Wohnhäuser, Energieanlagen und den öffentlichen Verkehr.

Winter, Energie und politische Belastbarkeit

Die zusätzlichen 350 Millionen Euro für beschädigte Kraftwerke gewinnen mit Blick auf den bevorstehenden Winter an Bedeutung. Russland hat wiederholt Energieinfrastruktur angegriffen; Reparaturen und Ersatzkapazitäten entscheiden deshalb mit darüber, ob Haushalte und Betriebe während neuer Angriffswellen mit Strom und Wärme versorgt werden können.

Politisch verbindet Merz die militärische Unterstützung mit der Botschaft, dass Deutschland trotz innenpolitischer Debatten an der Ukraine festhalten will. Die angekündigte Waffenproduktion soll zugleich kurzfristig helfen und Europas eigene industrielle Fähigkeiten stärken. Offen bleibt, wie schnell Abfangdrohnen, weitreichende Waffen und die Mittel für den Wiederaufbau tatsächlich verfügbar werden.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Deutschlandfunk: „Besuch in Kiew - Bundeskanzler Merz kündigt weitere Militärhilfe für die Ukraine an“ (04.10.2026)

Der Bericht bestätige den Besuch und die angekündigten Lieferungen von Abfangdrohnen sowie weitreichenden Waffen. Er hebe zusätzlich die verschärfte Sicherheitslage und die russische Warnung an ausländische Besucher hervor; die dpa-Meldung setze ihren Schwerpunkt stärker auf Merz’ Appell an Putin und die Ereignisse während des Besuchs.

Tagesspiegel: „Merz in Kyjiw eingetroffen: „Wird Russland nicht gestoppt, richtet sich seine Kriegsmaschinerie früher oder später gegen uns““ (04.10.2026)

Der Artikel bestätige die Reise, die Begleitung durch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und die geplanten Hilfen. Er ordne den Besuch stärker in die deutsche Innenpolitik sowie in frühere diplomatische Initiativen ein und berichte außerdem über die ernüchternden Kontakte mit Moskau; die aktuellen Angriffe und Merz’ Vor-Ort-Botschaft stünden in der dpa-Meldung im Vordergrund.

Beide Berichte stimmten darin überein, dass Deutschland seine Unterstützung ausbauen wolle und der Besuch trotz russischer Warnungen stattgefunden habe. Unterschiede lägen vor allem bei der Gewichtung von Sicherheitslage, Innenpolitik und Diplomatie; offen bleibe insbesondere, wie rasch die angekündigten militärischen und infrastrukturellen Maßnahmen umgesetzt würden.

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