Mecklenburg-Vorpommern, Landtagswahl

Mecklenburg-Vorpommern Wahl: CDU stürzt ab, AfD siegt – Schwesig steuert auf Rot-Rot-Grün zu

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 21:19 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Nach dem historischen Scheitern der CDU an der Fünf-Prozent-Hürde in Mecklenburg-Vorpommern übernimmt Philipp Amthor kommissarisch den Landesvorsitz. Zugleich bereitet Ministerpräsidentin Manuela Schwesig Sondierungen für eine rot-rot-grüne Regierungsbildung vor, während die AfD trotz Wahlsieg auf der Oppositionsbank landen dürfte.

  • Der bisherige Landesvorsitzende der CDU, Daniel Peters, erklärt nach dem Wahldebakel in MV seinen Rücktritt - Philipp Amthor übernimmt den Posten kommissarisch. - Bild: Jens Büttner/dpa
    Der bisherige Landesvorsitzende der CDU, Daniel Peters, erklärt nach dem Wahldebakel in MV seinen Rücktritt - Philipp Amthor übernimmt den Posten kommissarisch. - Bild: Jens Büttner/dpa
  • Schwesig will ihre Arbeit als Ministerpräsidentin in MV fortsetzen. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Schwesig will ihre Arbeit als Ministerpräsidentin in MV fortsetzen. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • AfD-Spitzenmann Holm reklamierte den Auftrag zur Regierungsbildung für die AfD.  - Bild: Britta Pedersen/dpa
    AfD-Spitzenmann Holm reklamierte den Auftrag zur Regierungsbildung für die AfD. - Bild: Britta Pedersen/dpa
Der bisherige Landesvorsitzende der CDU, Daniel Peters, erklärt nach dem Wahldebakel in MV seinen Rücktritt - Philipp Amthor übernimmt den Posten kommissarisch. - Bild: Jens Büttner/dpa Schwesig will ihre Arbeit als Ministerpräsidentin in MV fortsetzen. - Bild: Kay Nietfeld/dpa AfD-Spitzenmann Holm reklamierte den Auftrag zur Regierungsbildung für die AfD.  - Bild: Britta Pedersen/dpa

In Mecklenburg-Vorpommern steht nach der Landtagswahl ein rot-rot-grünes Bündnis vor der Vorbereitung, während die CDU nach einem historischen Debakel ihre Landesführung austauscht.

CDU-Landeschef Peters und Generalsekretärin Hoffmeister treten zurück

Nach dem Desaster bei der Landtagswahl ist die CDU-Spitze im Nordosten zunächst abgetaucht und hat anschließend Konsequenzen gezogen. Landesvorsitzender und Spitzenkandidat Daniel Peters gibt seinen Posten ab, ebenso tritt Generalsekretärin Katy Hoffmeister zurück. Kommissarisch soll der Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit im Bundeskanzleramt, Philipp Amthor, den Vorsitz der Landespartei übernehmen.

Für Peters gehört es nach eigenen Worten zu verantwortungsvoller Politik, persönliche Konsequenzen aus dem Wahlausgang zu ziehen. Er hatte den Vorsitz der CDU Mecklenburg-Vorpommern erst 2024 übernommen und zeigte sich überzeugt, dass seine Partei auch ohne Landtagsmandate künftig eine Rolle im politischen Leben des Landes spielen werde.

AfD gewinnt klar – CDU verpasst Einzug in den Landtag

Die Landtagswahl brachte eine deutliche Verschiebung der Kräfteverhältnisse. Nach dem vorläufigen Ergebnis wird die AfD mit 38,2 Prozent der Stimmen stärkste Kraft und kann ihr Wahlergebnis mehr als verdoppeln. Die SPD erreicht 35,5 Prozent und bleibt damit zweitstärkste Kraft im Land.

Außerdem ziehen die Linke mit 6,5 Prozent und die Grünen mit 5,7 Prozent erneut in den Landtag ein. Die CDU hingegen scheitert mit 4,9 Prozent knapp an der Fünf-Prozent-Hürde und verpasst damit erstmalig in ihrer Geschichte den Einzug in ein Landesparlament. Für die Christdemokraten ist dies das schlechteste Abschneiden bei einer Landtagswahl seit Gründung der Bundesrepublik.

SPD bereitet Sondierungen für Rot-Rot-Grün vor

Während die CDU vor einem politischen Neuanfang steht, richtet sich der Blick in Schwerin auf die Regierungsbildung. Die AfD ist trotz 32 Sitzen als stärkste Fraktion aller Voraussicht nach von einer Regierungsbeteiligung ausgeschlossen. Stattdessen strebt die SPD mit ihren 29 Sitzen ein Dreierbündnis mit Linken und Grünen an, die jeweils über fünf Mandate verfügen.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hat den Parteigremien eine rot-rot-grüne Option vorgeschlagen. Der Landesvorstand der SPD in Mecklenburg-Vorpommern folgte diesem Kurs und sprach sich in einer Sitzung in Güstrow einstimmig dafür aus, mit Linken und Grünen Sondierungsgespräche aufzunehmen, um eine inhaltliche Basis für eine mögliche Zusammenarbeit auszuloten.

Trio aus SPD-Spitze soll Sondierungsgespräche führen

Neben Schwesig sollen Innenminister Christian Pegel und der Generalsekretär der Landes-SPD, Julian Barlen, die Sondierungsgespräche führen. Einen konkreten Termin für die ersten Treffen nannte die SPD zunächst nicht, machte aber deutlich, dass sie zügig Klarheit über die künftige Regierungsmehrheit anstrebt.

Die Linke zeigte sich bereits etwas konkreter und bestätigte über Landesgeschäftsführer Salim Hemeed die Bereitschaft des Landesvorstands zu Sondierungsgesprächen. Als voraussichtlichen Beginn der Gespräche nannte er die kommende Woche, verwies jedoch darauf, dass eine formelle Einladung durch die SPD noch ausstehe.

Grüne und AfD positionieren sich für die nächste Legislatur

Auch die Grünen signalisierten ihre Bereitschaft zu einer rot-rot-grünen Koalition und stellten sich damit hinter die Idee eines Mitte-links-geführten Dreierbündnisses. Im Falle einer solchen Regierung wäre die AfD die einzige Oppositionspartei im Landtag.

AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm leitet aus dem Status seiner Partei als stärkste Fraktion einen Regierungsauftrag ab. Er kündigt Einladungen an andere Parteien an und beansprucht für die künftige AfD-Fraktion das Amt des Landtagspräsidenten in Schwerin. Zudem stellt er in Aussicht, dass es im Landtag einen Corona-Untersuchungsausschuss geben werde.

Fristen für die Regierungsbildung in Schwerin

Für die Regierungsbildung bleibt nur begrenzt Zeit. Der neue Landtag muss nach der Landesverfassung spätestens am 17. November mit der Mehrheit aller Abgeordneten einen Regierungschef wählen. Kommt bis dahin keine Mehrheit zustande, kann eine Mehrheit der Abgeordneten bis zum 1. Dezember die Auflösung des Landtags beschließen und damit Neuwahlen auslösen.

Alternativ könnte noch am 1. Dezember ein Regierungschef mit einfacher Mehrheit gewählt werden. Bis dahin dürften die anstehenden Sondierungen und möglichen Koalitionsverhandlungen bestimmen, wie sich das neue Machtgefüge in Mecklenburg-Vorpommern formiert.

Historische Zäsur für die Parteienlandschaft in MV

Die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern markiert eine tiefgreifende Verschiebung der politischen Kräfteverhältnisse im Nordosten. Erstmals wird die CDU nicht im Landtag vertreten sein und verliert damit jede unmittelbare parlamentarische Gestaltungsmöglichkeit. Für viele Wählerinnen und Wähler bedeutet dies, dass eine etablierte Volkspartei praktisch über Nacht aus der Landespolitik verschwindet, während die AfD zur stärksten Kraft aufsteigt und die SPD ihre Führungsrolle nur knapp behaupten kann.

Rot-Rot-Grün als Schutzwall gegen die AfD

Die von der SPD angestrebte rot-rot-grüne Koalition ist nicht nur rechnerisch naheliegend, sondern auch Ausdruck der klaren Abgrenzung aller anderen Parteien gegenüber der AfD. Linke und Grüne haben frühzeitig signalisiert, eine Zusammenarbeit mit der SPD zu prüfen. Für die bisherige Regierungschefin Manuela Schwesig eröffnet ein Dreierbündnis die Möglichkeit, ihren Kurs in Bereichen wie soziale Infrastruktur, Energiepolitik und Bildung fortzusetzen. Zugleich würde ein solches Bündnis als Schutzwall fungieren, der der AfD trotz Wahlsieg keinen Zugang zur Regierungsverantwortung gewährt.

Folgen für Opposition und politische Kultur

Kommt es zu Rot-Rot-Grün, wäre die AfD die einzige Oppositionsfraktion im Landtag. Das hätte weitreichende Folgen für die politische Kultur: Debatten im Plenum, Ausschussarbeit und öffentliche Wahrnehmung würden stark von einer einzigen Oppositionsstimme geprägt. Ankündigungen der AfD, zentrale Ämter wie den Landtagspräsidenten zu beanspruchen und Untersuchungsausschüsse zu Corona einzusetzen, deuten auf einen konfrontativen Kurs hin. Für Bürgerinnen und Bürger im Land bedeutet die neue Lage zugleich Unsicherheit über künftige politische Mehrheiten und die Frage, wie stabil ein Dreierbündnis auf Dauer regieren kann.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Spiegel: „AfD siegt in Mecklenburg-Vorpommern vor SPD – CDU fliegt aus Landtag“ (21.09.2026)

Der Bericht hebe hervor, die AfD habe mit 38,2 Prozent klar gewonnen, während die SPD auf 35,5 Prozent komme und CDU sowie BSW knapp an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterten. Er ordne ein, dass AfD-Kandidat Leif-Erik Holm aus der Sitzverteilung einen Regierungsauftrag ableite und Gespräche mit anderen Parteien ankündige, während die übrigen Parteien eine Zusammenarbeit mit der AfD ausschlössen.

NDR: „Liveticker Wahl MV: AfD laut erster Hochrechnung vor SPD“ (20.09.2026)

Der Beitrag stelle dar, dass die AfD die Wahl vor der SPD gewonnen habe und die CDU mit 4,9 Prozent zum ersten Mal aus einem Landesparlament herausfalle. Zugleich werde berichtet, Holm reklamiere das Amt des Landtagspräsidenten für seine Partei und kündige an, dass die AfD ihre starke Stellung im Parlament auch durch einen Corona-Untersuchungsausschuss sichtbar machen wolle.

Frankfurter Rundschau: „Wahl in Mecklenburg-Vorpommern: Schwesig setzt auf Rot-Rot-Grün“ (21.09.2026)

Der Artikel betone, die SPD um Manuela Schwesig sei trotz Wahlniederlage gegenüber der AfD zweitstärkste Kraft geblieben und strebe nun eine rot-rot-grüne Koalition an. Hervorgehoben werde die historische Demütigung der CDU, die den Landtag verpasst habe, während mögliche Dreierbündnisse aus SPD, Linken und Grünen als Weg skizziert würden, um die AfD von der Regierungsbildung fernzuhalten.

Medienübergreifend werde übereinstimmend dargestellt, dass die AfD die Wahl klar gewonnen habe und die CDU historisch schlecht abgeschnitten habe, während SPD, Linke und Grüne Koalitionen ohne die AfD sondierten. Unterschiede zeigten sich vor allem in der Gewichtung: Einige Berichte fokussierten stärker auf den Absturz der CDU, andere auf Koalitionsoptionen und den Anspruch der AfD auf zentrale Ämter und einen Regierungsauftrag.

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