Mecklenburg-Vorpommern-Wahl: AfD knapp vor SPD – CDU droht historischer Absturz
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 11:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am Sonntag hat die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig einer neuen Insa-Umfrage im Auftrag der «Bild»-Zeitung zufolge deutlich aufgeholt und liegt nur knapp hinter der AfD.
AfD vorne, SPD dicht dahinter
Nach der repräsentativen Online-Umfrage kommt die AfD auf 37 Prozent, die SPD legt erneut zu und erreicht 35 Prozent. Damit liegen beide Parteien kurz vor der Wahl nahezu gleichauf. Die weiteren Parteien folgen mit deutlichem Abstand: Die Linke wird mit 10 Prozent ausgewiesen.
CDU mit historisch schwachem Wert
Die CDU bleibt der Erhebung zufolge bei lediglich 7 Prozent und bestätigt damit das Bild jüngst veröffentlichter Umfragen anderer Institute. Ein solches Ergebnis wäre für die Partei das schlechteste bei einer Landtagswahl seit Gründung der Bundesrepublik. Die Grünen erreichen 5 Prozent und würden damit knapp über der Fünf-Prozent-Hürde liegen.
BSW vor Einzug in den Landtag
Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) kommt in der Insa-Umfrage auf 3 Prozent und verpasst damit den Einzug in den Landtag. Grundsätzlich bilden Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung ab und sind keine Vorhersage für den tatsächlichen Wahlausgang.
Grüne werben um taktische Stimmen
Angesichts der knappen Lage für ihre Partei setzt die Grünen-Spitzenkandidatin Claudia Müller auch auf taktische Stimmen aus dem linken Lager. In einer TV-Runde mit vier kleineren Parteien im NDR sagte sie: «Wer Schwesig will, muss Grün wählen.» Eine stabile Landesregierung gebe es nur mit den Grünen. Nach der aktuellen Umfrage würde es für Rot-Rot-Grün reichen, sofern die Grünen wieder in den Landtag einziehen.
Linke setzt auf Rot-Rot
Die Bildungsministerin und Linke-Spitzenkandidatin Simone Oldenburg äußerte in der gleichen Runde die Sorge, dass taktische Wähler aus ihrem Lager zur Grünen-Partei wechseln könnten, und hielt dagegen: «Ich kann Frau Müller verstehen, dass sie gerne sagt, es geht nur mit Rot-Rot-Grün. Ich denke, es reicht für Rot-Rot.» Die derzeitigen Umfragewerte spiegeln dieses Szenario jedoch nicht wider. Oldenburg kritisierte zudem, die Grünen stünden aktuell nicht für Stabilität und verwies auf das Ende der Ampel-Koalition im Bund sowie innerparteiliche Konflikte der Grünen-Landtagsfraktion in Schwerin.
Rückblick auf die Wahl 2021
Bei der Landtagswahl 2021 waren die Sozialdemokraten mit 39,6 Prozent stärkste Kraft geworden. Die AfD erzielte damals 16,7 Prozent, die CDU 13,3 Prozent, die Linke 9,9 Prozent, die Grünen 6,3 Prozent und die FDP 5,8 Prozent. Schwesig regiert Mecklenburg-Vorpommern seither in einer Koalition mit der Linken.
Methodik und Fehlertoleranz
Insa befragte für die aktuelle Erhebung vom 8. bis 15. September insgesamt 1.000 Menschen in Mecklenburg-Vorpommern ab 16 Jahren online. Das Institut gibt eine Fehlertoleranz von plus/minus 3,1 Prozentpunkten an. Wahlumfragen sind generell mit Unsicherheiten behaftet und bilden nur ein Stimmungsbild zum Zeitpunkt der Befragung ab.
Vergleich mit anderen Instituten
Auch andere Meinungsforschungsinstitute sehen die AfD vor der SPD, allerdings mit ähnlichen Abständen. In einer Erhebung von Infratest dimap im Auftrag der ARD kam die SPD jüngst auf 33 Prozent hinter der AfD mit 38 Prozent. Die Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF sah die SPD bei 34 Prozent und die AfD bei 37 Prozent.
Keine alleinige AfD-Regierung in Sicht
In beiden Umfragen lag die CDU wie bei Insa bei 7 Prozent. Die Linkspartei kam bei Infratest dimap auf 9 und bei der Forschungsgruppe Wahlen auf 10 Prozent. Die Grünen werden in diesen Erhebungen jeweils mit 5 Prozent angegeben, das BSW mit 4 Prozent. Für eine alleinige AfD-Regierung würde es nach allen vorliegenden Umfragen nicht reichen. Nach Einschätzung der Institute erschweren nachlassende Parteibindungen und kurzfristige Wahlentscheidungen die Gewichtung der erhobenen Daten zusätzlich.
Spannung vor der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern
Die aktuelle Umfrage verdeutlicht, wie knapp das Rennen um Platz eins bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern geworden ist. Während die AfD weiter vorn liegt, hat die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig ihren Rückstand deutlich verkürzt. Damit rückt ein Szenario in den Vordergrund, in dem nicht nur die stärkste Kraft, sondern auch mögliche Koalitionsmodelle über die politische Zukunft des Landes entscheiden.
Schwache CDU, starke Linke – und die Rolle der Grünen
Auffällig ist der anhaltend niedrige Wert der CDU, die in den jüngsten Umfragen bei lediglich 7 Prozent verharrt und damit auf ein historisch schwaches Ergebnis zusteuern könnte. Für die Linke deuten die erhobenen Stimmen dagegen auf eine stabile zweistellige Unterstützung. Die Grünen stehen mit 5 Prozent genau an der Schwelle zum Wiedereinzug in den Landtag. Vor diesem Hintergrund wirbt ihre Spitzenkandidatin offen um taktische Stimmen, weil ein knappes Überspringen der Fünf-Prozent-Hürde entscheidend für rechnerische Mehrheiten links der Mitte wäre.
Koalitionsoptionen und Unsicherheiten der Demoskopie
Nach den verschiedenen Umfragen wäre eine alleinige AfD-Regierung nicht möglich, da selbst hohe Werte nicht für eine absolute Mehrheit der Mandate reichen würden. Diskutiert werden vielmehr Varianten eines linken Bündnisses, etwa Rot-Rot oder Rot-Rot-Grün, bei denen die Stärke der SPD und der Linken sowie der Einzug der Grünen über die Bildung einer Landesregierung entscheiden könnten. Zugleich weisen die Institute auf methodische Grenzen von Wahlumfragen hin: Kurzfristige Wahlentscheidungen, abnehmende Bindung an Parteien und eine nicht auszuschließende Fehlertoleranz können dazu führen, dass sich das tatsächliche Wahlergebnis am Sonntag noch deutlich von den aktuellen Zahlen unterscheidet.
