Mecklenburg-Vorpommern, Landtagswahl

Mecklenburg-Vorpommern: SPD, AfD und BSW – diese Koalitionen sind nach der Landtagswahl möglich

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 11:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

In Mecklenburg-Vorpommern zeichnet sich vor der Landtagswahl ein Zweikampf zwischen SPD und AfD ab, während mehrere kleinere Parteien um den Einzug ins Parlament ringen. Politikwissenschaftler Wolfgang Muno skizziert, welche Koalitionen nach der Wahl in Schwerin möglich wären.

Welche Szenarien sind nach der Landtagswahl wahrscheinlich oder unwahrscheinlich? (Symbolbild) - Bild: Jens Büttner/dpa
Welche Szenarien sind nach der Landtagswahl wahrscheinlich oder unwahrscheinlich? (Symbolbild) - Bild: Jens Büttner/dpa

Vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern liefern sich SPD und AfD in den Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen, während offen ist, welche Koalition am Ende in Schwerin regieren wird.

SPD und AfD im Fokus der Umfragen

Am Sonntag wählen die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern einen neuen Landtag. In den Umfragen hat sich ein klarer Zweikampf zwischen SPD und AfD herauskristallisiert. In einer jüngsten Befragung im Auftrag des ZDF überholte die SPD die Rechtsaußenpartei erstmals. Für eine absolute Mehrheit reicht es aller Voraussicht nach bei keiner Partei, sodass schon wenige Prozentpunkte bei den kleineren Parteien darüber entscheiden könnten, welche Koalition am Ende zustande kommt.

Hürde für CDU, Grüne und BSW

Der Rostocker Politikwissenschaftler Wolfgang Muno hält es für möglich, dass die AfD stärkste Kraft wird, eine absolute Mehrheit dieser Partei aber für sehr unwahrscheinlich. Die SPD habe in den vergangenen Wochen Schritt für Schritt aufgeholt, während die CDU in der jüngsten Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF nur noch auf sechs Prozent kam und damit um den Einzug in den Landtag bangen muss.

Nahezu sicher ist nach Munos Einschätzung, dass die FDP den Sprung ins Parlament verpasst. Spannend bleibt es bei Grünen und BSW: Die Grünen lagen zuletzt unverändert bei fünf Prozent und würden damit knapp wieder in den Landtag einziehen. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) lag hingegen unter der Fünf-Prozent-Marke. Ob am Ende beide oder keine der beiden Parteien im Landtag vertreten sind, werde sich laut Muno erst am Wahlabend entscheiden, da viele Menschen ihre Wahlentscheidung erst kurzfristig treffen.

Rot-Rot-Grün als wahrscheinlichstes Szenario

Ausgehend von den aktuellen Umfragen sieht Muno eine Erweiterung der bisherigen rot-roten Koalition auf ein rot-rot-grünes Bündnis als wahrscheinlichstes Szenario – vorausgesetzt, die Grünen schaffen den Einzug in den Landtag. Zusammen mit Linken und Grünen könnte die SPD unter Ministerpräsidentin Manuela Schwesig dann weiterregieren.

Eine rot-rote Minderheitsregierung hält Muno grundsätzlich für möglich, sie müsste jedoch toleriert werden. Dieses Modell bewertet er als sehr unwahrscheinlich, da die CDU eine solche Konstruktion nicht mittragen würde. Sollten lediglich SPD, AfD und Linke in den Landtag einziehen, könnte Rot-Rot zwar rechnerisch eine Mehrheit haben, politisch wäre die Konstellation aber mit erheblichen Hürden verbunden.

CDU unter Druck, Rot-Schwarz als Option

Die CDU hat im Wahlkampf eine Zusammenarbeit sowohl mit der AfD als auch mit den Linken ausgeschlossen. Angesichts der Umfragetendenzen ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass die Union den Einzug in den Landtag verpasst. Sollte sie die Hürde hingegen nehmen und die Grünen scheitern, sieht Muno eine rot-schwarze Minderheitsregierung mit Tolerierung durch die Linken als mögliches Szenario. Dieses Modell bewertet er als wahrscheinlicher als die Tolerierung einer rot-roten Minderheitsregierung durch die CDU.

AfD und BSW als denkbare Partner

Für den Fall, dass das BSW mindestens fünf Prozent erreicht, hält Muno eine Koalition mit der AfD für grundsätzlich denkbar – trotz abweichender Aussagen aus dem Landesvorstand. Mit Blick auf die Äußerungen von Parteigründerin Sahra Wagenknecht verweist er darauf, dass zentrale Entscheidungen der Partei in Berlin getroffen würden. Auch eine Minderheitsregierung der AfD, die vom BSW toleriert wird, sieht er als mögliche Variante.

Ein Blick nach Sachsen-Anhalt zeigt, dass eine solche Konstellation nicht nur theoretisch ist: Dort hatten nach der Wahl Sondierungsgespräche zwischen AfD und BSW stattgefunden. Dies gilt als Hinweis darauf, dass ähnliche Modelle auch in Mecklenburg-Vorpommern diskutierbar wären.

Komplizierte Regierungsbildung und enger Zeitplan

Unabhängig vom exakten Wahlausgang erwartet Muno deutlich kompliziertere Koalitionsverhandlungen als nach früheren Wahlen. Durch das Erstarken der AfD, die von vielen Parteien als nicht koalitionsfähig eingestuft wird, werde es schwieriger, stabile Mehrheiten zu bilden.

Hinzu kommt ein enger Zeitrahmen für die Regierungsbildung: Der neu gewählte Landtag muss binnen 30 Tagen nach der Wahl zusammentreten, anschließend bleiben weitere 28 Tage, um eine Regierung zu bilden. Scheitern die Verhandlungen in diesem Zeitraum, werden Neuwahlen angesetzt – ein Szenario, das Muno als «Worst Case» bezeichnet.

Enges Rennen verändert die politische Statik

Die bevorstehende Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern markiert einen Einschnitt für die politische Statik des Landes. Über Jahre war die SPD dominierende Kraft und konnte mit klaren Mehrheiten regieren. Nun deutet das Kopf-an-Kopf-Rennen mit der AfD darauf hin, dass stabile Zweierbündnisse schwieriger zu erreichen sein werden. Je nach Abschneiden von Grünen, CDU und BSW könnte ein stark fragmentierter Landtag entstehen, in dem traditionelle Mehrheitsmodelle an Grenzen stoßen.

Besonders bedeutsam ist, dass gleich mehrere Parteien nahe an der Fünf-Prozent-Hürde liegen. Scheitern ein oder zwei dieser Kräfte, verschieben sich die Gewichte deutlich: Eine SPD-geführte Koalition hätte dann weniger Kombinationsmöglichkeiten, während eine starke AfD den Raum für klassische demokratische Bündnisse einengt. Die strategische Bedeutung von taktischem Wählen steigt; viele Stimmen könnten deshalb erst kurzfristig entschieden werden, was die Unsicherheit über den Ausgang zusätzlich erhöht.

Koalitionslogik unter Druck

Die gängigen Koalitionsmuster in Ostdeutschland geraten weiter unter Druck. Eine Zusammenarbeit mit der AfD schließen sowohl SPD als auch CDU aus, gleichzeitig ist ein klassisches Mitte-Links-Bündnis aus SPD, Grünen und Linken in Mecklenburg-Vorpommern nur realistisch, wenn alle drei Parteien sicher im Landtag vertreten sind. Die Option einer Minderheitsregierung mit Tolerierung durch eine weitere Partei wird damit zu einem ernstzunehmenden Instrument, auch wenn sie politisch risikoreicher und in der Kommunikation gegenüber den Wählerinnen und Wählern erklärungsbedürftig ist.

Bundespolitische Signalwirkung

Über Mecklenburg-Vorpommern hinaus könnte das Wahlergebnis eine Signalwirkung für die Bundespolitik haben. Ein weiterer starker Erfolg der AfD würde den Druck auf die etablierten Parteien erhöhen, tragfähige Koalitionsmodelle ohne diese Kraft zu entwickeln. Gelingt dagegen ein stabiler Zusammenschluss demokratischer Parteien, wäre dies ein Hinweis, dass auch in einem politisch polarisierten Umfeld handlungsfähige Regierungsmehrheiten möglich bleiben. Für die Bürgerinnen und Bürger im Land entscheidet die Wahl unmittelbar darüber, wie handlungsfähig die nächste Regierung in Schwerin ist – und ob sie einen Kurs der Kontinuität oder einen deutlichen Richtungswechsel erwarten können.

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