Mecklenburg-Vorpommern, Landtagswahl

Mecklenburg-Vorpommern: Rot-Rot-Grün rückt nach AfD-Sieg näher

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 14:51 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Mecklenburg-Vorpommern steuert nach dem starken AfD-Ergebnis auf eine rot-rot-grüne Koalition zu. Für die CDU bedeutet das Ergebnis ein historisches Debakel, das auch die Bundespartei belastet.

  • Schwesig will ihre Arbeit als Ministerpräsidentin in MV fortsetzen. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Schwesig will ihre Arbeit als Ministerpräsidentin in MV fortsetzen. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • CDU-Grande Rehberg verweist auf die Bundespolitik als Ursache für das CDU-Debakel in MV. - Bild: Jens Büttner/dpa
    CDU-Grande Rehberg verweist auf die Bundespolitik als Ursache für das CDU-Debakel in MV. - Bild: Jens Büttner/dpa
  • Erste Wahlanalyse in der SPD-Zentrale in Berlin.  - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Erste Wahlanalyse in der SPD-Zentrale in Berlin. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • Die Parteispitze lobt die Aufholjagd der SPD in MV. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Die Parteispitze lobt die Aufholjagd der SPD in MV. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • AfD-Spitzenmann Holm reklamierte den Auftrag zur Regierungsbildung für die AfD.  - Bild: Britta Pedersen/dpa
    AfD-Spitzenmann Holm reklamierte den Auftrag zur Regierungsbildung für die AfD. - Bild: Britta Pedersen/dpa
  • Für die CDU eine tiefe Zäsur, sagt Bundeskanzler Merz mit Blick auf die Wahl in MV.  - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Für die CDU eine tiefe Zäsur, sagt Bundeskanzler Merz mit Blick auf die Wahl in MV. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
Schwesig will ihre Arbeit als Ministerpräsidentin in MV fortsetzen. - Bild: Kay Nietfeld/dpa CDU-Grande Rehberg verweist auf die Bundespolitik als Ursache für das CDU-Debakel in MV. - Bild: Jens Büttner/dpa Erste Wahlanalyse in der SPD-Zentrale in Berlin.  - Bild: Kay Nietfeld/dpa Die Parteispitze lobt die Aufholjagd der SPD in MV. - Bild: Kay Nietfeld/dpa AfD-Spitzenmann Holm reklamierte den Auftrag zur Regierungsbildung für die AfD.  - Bild: Britta Pedersen/dpa Für die CDU eine tiefe Zäsur, sagt Bundeskanzler Merz mit Blick auf die Wahl in MV.  - Bild: Kay Nietfeld/dpa

Mecklenburg-Vorpommern steuert nach der Landtagswahl auf ein rot-rot-grünes Bündnis zu.

SPD sucht Gespräche mit Linken und Grünen

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig will den Parteigremien vorschlagen, mit Linken und Grünen Gespräche über eine Zusammenarbeit zu führen. Andere Mehrheitsoptionen würden die AfD als Koalitionspartner erforderlich machen, mit der keine der übrigen Parteien zusammengehen will.

Nach dem vorläufigen Ergebnis wurde die AfD mit 38,2 Prozent stärkste Kraft. Die SPD kam auf 35,5 Prozent, die Linke auf 6,5 Prozent und die Grünen auf 5,7 Prozent.

CDU und BSW scheitern knapp

Die CDU verfehlte mit 4,9 Prozent den Einzug in den Landtag, das BSW kam auf 4,8 Prozent. Damit fällt die bisherige Regierungsarithmetik weg, und für die Neuauflage eines rot-roten Bündnisses reicht es nicht mehr.

Im neuen Parlament stellt die AfD 32 Sitze, die SPD 29, die Linke und die Grünen jeweils fünf Sitze. Die AfD könnte damit zwar stärkste Oppositionskraft werden, findet für eine Regierung aber keine Partner.

Merz spricht von tiefer Zäsur

Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz nannte das Ergebnis für seine Partei eine tiefe Zäsur. In der CDU setzte nach dem Wahlabend eine deutliche Selbstkritik ein, weil das Abschneiden in Mecklenburg-Vorpommern als historisch schlecht gilt.

Auch die AfD leitete aus ihrem Ergebnis einen Regierungsanspruch ab. Ihr Spitzenmann Leif-Erik Holm forderte, die Partei müsse ihrer Stärke entsprechend behandelt werden, rechnete zugleich aber selbst mit einer rot-rot-grünen Mehrheit.

Rot-Rot-Grün als naheliegende Lösung

Die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern verschiebt die Kräfteverhältnisse im Landtag deutlich. Wenn die SPD mit Linken und Grünen regiert, bleibt das Bundesland trotz des AfD-Erfolgs bei einer Koalition ohne Beteiligung der stärksten Fraktion.

Politisch ist das ein Ausdruck der seit Jahren wachsenden Abschottung gegenüber der AfD. Für die Regierungsbildung zählt deshalb weniger die Frage nach einer rechnerischen Mehrheit als die nach einer mehrheitsfähigen und politisch akzeptierten Option.

Folgen für SPD und CDU

Für die SPD wäre ein rot-rot-grünes Bündnis ein Weg, das Amt der Ministerpräsidentin zu sichern und ihre Rolle als Regierungspartei zu behaupten. Zugleich zeigt das Ergebnis, wie stark die AfD inzwischen auch in einem Bundesland geworden ist, in dem sie bislang keine Machtoption hat.

Für die CDU ist der Absturz besonders schwerwiegend, weil er über das Land hinaus wirkt. Ein Verpassen der Fünf-Prozent-Hürde schwächt die Partei organisatorisch, personell und symbolisch und verschärft den Druck auf die Bundesführung.

Was die nächsten Tage entscheiden

Bis zur Wahl eines Ministerpräsidenten bleibt die Lage politisch offen, auch wenn Rot-Rot-Grün derzeit als wahrscheinlichste Variante gilt. Entscheidend wird sein, ob SPD, Linke und Grüne ihre Zusammenarbeit rasch verbindlich machen und ob sie den Eindruck von Stabilität vermitteln können.

Für die Leser bedeutet das: Die eigentliche Machtfrage beginnt erst nach dem Wahlabend. Dann wird sich zeigen, ob die Wahl als Bestätigung der Schwesig-Regierung oder als Beginn einer längeren Neuordnung der Parteienlandschaft im Nordosten in Erinnerung bleibt.

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