Mecklenburg-Vorpommern, Landtagswahl

Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern: AfD wird stärkste Kraft – CDU droht historisches Aus aus dem Landtag

Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 22:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern wird die AfD nach Hochrechnungen stärkste Kraft vor der SPD, während die CDU historisch an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern könnte. Damit verschärfen sich die Koalitionsfragen im Land und der politische Druck auf Kanzler Friedrich Merz.

  • Beide wollen in Schwerin regieren: SPD-Ministerpräsidentin Schwesig und AfD-Kandidat Holm. - Bild: Marcus Brandt/dpa Pool/dpa
    Beide wollen in Schwerin regieren: SPD-Ministerpräsidentin Schwesig und AfD-Kandidat Holm. - Bild: Marcus Brandt/dpa Pool/dpa
  • Manuela Schwesig ist Zweitplatzierte, erhebt aber wie die AfD den Regierungsanspruch. - Bild: Bernd Wüstneck/dpa
    Manuela Schwesig ist Zweitplatzierte, erhebt aber wie die AfD den Regierungsanspruch. - Bild: Bernd Wüstneck/dpa
  • AfD-Kandidat Holm meldet Anspruch auf die Regierung an.  - Bild: Jens Büttner/dpa
    AfD-Kandidat Holm meldet Anspruch auf die Regierung an. - Bild: Jens Büttner/dpa
  • Ein «Desaster» nennt es der Kanzler: CDU-Spitzenkandidat Peters nach der Wahl. - Bild: Daniel Bockwoldt/dpa
    Ein «Desaster» nennt es der Kanzler: CDU-Spitzenkandidat Peters nach der Wahl. - Bild: Daniel Bockwoldt/dpa
Beide wollen in Schwerin regieren: SPD-Ministerpräsidentin Schwesig und AfD-Kandidat Holm. - Bild: Marcus Brandt/dpa Pool/dpa Manuela Schwesig ist Zweitplatzierte, erhebt aber wie die AfD den Regierungsanspruch. - Bild: Bernd Wüstneck/dpa AfD-Kandidat Holm meldet Anspruch auf die Regierung an.  - Bild: Jens Büttner/dpa Ein «Desaster» nennt es der Kanzler: CDU-Spitzenkandidat Peters nach der Wahl. - Bild: Daniel Bockwoldt/dpa

Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern ist die AfD nach Hochrechnungen von ARD und ZDF stärkste Kraft vor der SPD geworden, während die CDU von Bundeskanzler Friedrich Merz historisch an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern könnte und womöglich aus dem Landtag fällt.

AfD überholt SPD, Schwesig beansprucht Regierungsamt

Nach den Hochrechnungen von 21.45 Uhr liegt die AfD mit rund 38 Prozent deutlich vor der SPD, die auf etwa 35,5 Prozent kommt und damit unter ihrem Ergebnis von 39,6 Prozent vor fünf Jahren bleibt. Die AfD unter Spitzenkandidat Leif-Erik Holm hat ihr Ergebnis mehr als verdoppelt und ist nun auch in Mecklenburg-Vorpommern stärkste Kraft im Landtag.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig meldet trotz des zweiten Platzes den Anspruch an, Regierungschefin zu bleiben. Für den Machterhalt braucht die SPD allerdings zusätzliche Partner, da eine eigene Mehrheit verfehlt wird und Koalitionen mit der AfD von den anderen Parteien ausgeschlossen werden.

CDU droht historisches Aus, kleinere Parteien unter Druck

Die CDU mit Landeschef Daniel Peters wird im stark polarisierten Duell zwischen AfD und SPD zerrieben und kommt nach den Hochrechnungen nur auf 4,9 bis 5 Prozent. Damit verliert sie mehr als die Hälfte ihrer Stimmen und könnte erstmals aus einem Landesparlament herausfallen. Für die Bundespartei ist dies nach der Niederlage in Sachsen-Anhalt binnen zwei Wochen der nächste schwere Rückschlag.

Die Linke fällt mit etwa 6,5 Prozent klar hinter ihr Ergebnis von 2021 zurück, die Grünen rutschen auf rund 5,5 Prozent und sichern damit knapp den Wiedereinzug in den Landtag. Die FDP verliert deutlich und kommt nur auf etwa 1 Prozent, womit sie aus dem Schweriner Parlament ausscheidet.

BSW scheitert knapp, neue Sitzverteilung im Landtag

Das erstmals angetretene Bündnis Sahra Wagenknecht erreicht nach dem Zwischenstand rund 4,9 Prozent und verpasst damit voraussichtlich knapp die Fünf-Prozent-Hürde. In den Hochrechnungen zur Sitzverteilung im Schweriner Schloss kommt die SPD demnach auf 28 bis 29 Mandate, die AfD auf 30 bis 32 Sitze. Die Linke würde fünf Abgeordnete stellen, die Grünen vier bis fünf.

Die CDU könnte je nach Hochrechnung zwischen null und vier Sitze erhalten, die FDP wäre nicht mehr vertreten. Die Mehrheit im Landtag liegt bei 36 Mandaten, sodass für jede Regierungsbildung mindestens drei Fraktionen oder eine solide Zweierkonstellation notwendig sind.

Hohe Wahlbeteiligung und neuer Regierungsauftrag

Rund 1,3 Millionen Menschen waren in Mecklenburg-Vorpommern wahlberechtigt, darunter erstmals auch 16- und 17-Jährige. Die Wahlbeteiligung liegt mit 78 bis 79 Prozent deutlich über den 70,8 Prozent der letzten Landtagswahl.

Sowohl SPD als auch AfD sehen den Regierungsauftrag jeweils bei sich. Schwesig spricht von ihrer bislang schwersten Landtagswahl und einer Aufholjagd, während Holm ankündigt, alle Parteien zu Gesprächen einzuladen und betont, es gehe darum, das Land wieder auf Vordermann zu bringen. Die AfD-Führung erklärt, man werde das Bundesland früher oder später verändern und auch regieren.

Rot-Rot-Grün möglich, Zeitdruck bei Regierungsbildung

Sollten CDU und BSW am Ende tatsächlich nicht in den Landtag einziehen, ergäbe sich rechnerisch eine Mehrheit für eine Koalition aus SPD, Linken und Grünen. Der Grünen-Bundesvorsitzende Felix Banaszak zeigt sich bereits überzeugt, dass seine Partei Teil der nächsten Landesregierung sein wird. Vertreter der Linken weisen dagegen den Regierungsanspruch der AfD zurück und sehen darin einen Schritt für die Demokratie.

Die Landesverfassung setzt enge Fristen für die Regierungsbildung: Spätestens am 17. November muss der neue Landtag einen Regierungschef mit der Mehrheit aller Abgeordneten wählen. Gelingt dies nicht, kann der Landtag bis zum 1. Dezember seine Auflösung beschließen oder noch am selben Tag mit einfacher Mehrheit einen Regierungschef bestimmen.

Bundespolitische Spannungen und polarisierter Wahlkampf

Das Ergebnis erhöht den Druck auf Kanzler Merz, der trotz der Rückschläge an seinem Kurs festhalten und Kanzler bleiben will. In Mecklenburg-Vorpommern belastete der Reformkurs der Berliner Koalition den Wahlkampf, Schwesig distanzierte sich deutlich von der Bundesregierung und kritisierte insbesondere Reformpläne zu Renten- und Pflegeversicherung.

Der Wahlkampf war stark auf die Entscheidung zwischen SPD und AfD zugespitzt. Die AfD warb mit Holm als möglichem Ministerpräsidenten, die SPD mit Schwesig als „Die Frau gegen Blau“. Der Konflikt zwischen diesen beiden Parteien ließ andere politische Angebote kaum durchdringen und trug dazu bei, dass kleinere Parteien an Profil und Stimmen verloren.

Ukraine-Politik und Krisen als Hintergrundfaktor

Schwesig machte für das Abschneiden der SPD auch die Haltung ihrer Partei zur Ukraine-Politik mitverantwortlich. Viele Menschen lehnten nach ihren Worten die Unterstützung des angegriffenen Landes ab und wünschten sich wieder günstiges russisches Gas, was jedoch nicht der Linie der SPD entspricht. Die AfD nutzte derweil die Sorgen vieler Bürger angesichts globaler Krisen sowie den Wunsch nach einfachen und schnellen Lösungen, um weitere Stimmen zu gewinnen.

Historischer Einschnitt für CDU und Stärke der AfD

Die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern markiert einen Einschnitt in der deutschen Parteienlandschaft. Erstmals verfehlt die CDU, Partei des amtierenden Bundeskanzlers Friedrich Merz, nach Hochrechnungen die Fünf-Prozent-Hürde und könnte aus einem Landtag vollständig herausfallen. Dieses Ergebnis verstärkt den Eindruck einer tiefen Krise der Union im Osten, wo sie bereits in anderen Ländern klar hinter AfD und SPD zurückliegt. Zugleich bestätigt die Wahl den Aufstieg der AfD zur führenden Kraft in mehreren ostdeutschen Landesparlamenten, nun auch an der Ostsee.

Koalitionsoptionen und Machtperspektiven in Schwerin

Politisch stellt das Ergebnis die Bildung einer stabilen Regierung vor große Herausforderungen. Da weder SPD noch AfD eine eigene Mehrheit erreichen und alle etablierten Parteien Koalitionen mit der AfD ausschließen, rücken Konstellationen mit SPD, Linken und Grünen in den Mittelpunkt. Fällt die CDU endgültig aus dem Landtag und scheitert auch das BSW, wäre rechnerisch eine rot-rot-grüne Mehrheit möglich. Für Ministerpräsidentin Manuela Schwesig bedeutet dies trotz Platz zwei die Chance, im Amt zu bleiben, sofern sie Partner findet, die eine klare Abgrenzung zur AfD mittragen und zugleich den eigenen Profilverlust im polarisierten Wahlkampf akzeptieren.

Bundespolitische Folgen und Ost-West-Spannungen

Über Mecklenburg-Vorpommern hinaus hat die Wahl Signalwirkung. Der deutliche Zugewinn der AfD und die Schwäche der CDU erhöhen den Druck auf Merz und seine Koalition in Berlin, ihren Reformkurs und ihren Umgang mit der AfD zu erklären. Zugleich wird sichtbar, wie stark sich politische Stimmungen zwischen Ost und West auseinanderentwickeln: Themen wie Energiepreise, Ukraine-Politik und soziale Sicherungssysteme prägen die Wahlentscheidung vieler Bürger und begünstigen Parteien, die einfache oder radikale Antworten versprechen. Die kommenden Wochen in Schwerin werden zeigen, ob die demokratischen Parteien eine tragfähige Regierung bilden können, die auf diese Verunsicherung reagiert, ohne die Brandmauer zur AfD aufzuweichen.

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