Israel: Eisenkot erhält Auftrag zur Regierungsbildung
Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 16:07 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMehrheitssuche nach der Parlamentswahl
- Präsident Izchak Herzog übertrug Gadi Eisenkot den Auftrag in Jerusalem.
- Bei den Konsultationen erhielt Eisenkot mehr Empfehlungen als Benjamin Netanjahu.
- Eisenkots Jaschar lag bei der Wahl hinter Netanjahus rechtskonservativem Likud.
Eisenkot erhält Auftrag zur Regierungsbildung
Der israelische Präsident Izchak Herzog hat dem Oppositionspolitiker Gadi Eisenkot offiziell den Auftrag zur Bildung einer neuen Regierung erteilt. Eisenkots Mitte-Partei Jaschar lag bei der jüngsten Parlamentswahl zwar hinter der rechtskonservativen Likud-Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, doch Eisenkot erhielt bei den Konsultationen mit allen Parteien die meisten Empfehlungen.
Mehr Empfehlungen als Netanjahu
Herzog hatte die Fraktionen des neuen Parlaments zur Regierungsbildung angehört. Dabei erhielt Eisenkot mehr Unterstützungsempfehlungen als Netanjahu, obwohl dessen Likud bei der Wahl stärkste Kraft wurde.
Der Auftrag markiert den nächsten Schritt im Verfahren zur Bildung einer Regierung. Eisenkot muss nun politische Partner finden, die ihm eine Mehrheit im Parlament sichern.
Schwierige Koalitionssuche
Die Mehrheitsverhältnisse machen die Verhandlungen anspruchsvoll. Eisenkots Mitte-Partei Jaschar muss dafür voraussichtlich mit weiteren Parteien Vereinbarungen treffen.
Im Zentrum steht damit die Frage, ob Eisenkot ein Bündnis aus dem Oppositionslager formen kann. Sollte ihm das gelingen, könnte sich die politische Führung Israels verändern.
Der Regierungsauftrag an Gadi Eisenkot eröffnet nach der Parlamentswahl eine schwierige Phase der Koalitionsbildung. Entscheidend ist, dass weder Eisenkots Oppositionsblock noch das Lager von Benjamin Netanjahu allein über die erforderliche Mehrheit von 61 der 120 Sitze verfügt.
Nach den Konsultationen mit den Fraktionen erhielt Eisenkot Empfehlungen von Abgeordneten, die zusammen eine Mehrheit bilden könnten. Dazu zählen auch arabische Parteien, mit denen Eisenkots Bündnis bislang nicht zusammenarbeiten wollte. Eine weitere rechnerische Möglichkeit wäre eine Annäherung an ultraorthodoxe Parteien, die zuvor Netanjahu unterstützt hatten.
Koalitionssuche mit festen Fristen
Eisenkot hat 28 Tage Zeit, eine Regierung zu bilden; der Präsident kann diese Frist um bis zu 14 Tage verlängern. Scheitert der Versuch, können weitere Kandidaten mit der Regierungsbildung beauftragt werden. Damit ist der Auftrag noch keine Entscheidung über einen Machtwechsel, sondern der Beginn eines formal festgelegten Verfahrens.
Für Israel kommt es nun auf Vereinbarungen zu zentralen politischen Streitfragen an. Besonders die Wehrpflicht ultraorthodoxer Religionsschüler gilt als Konfliktpunkt. Auch die Frage, ob eine Regierung auf die Unterstützung arabischer Parteien angewiesen wäre, dürfte die Koalitionsverhandlungen prägen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Oppositionsführer Eisenkot soll Israels neue Regierung bilden“ (07.11.2026)
Der Beitrag bestätige den Auftrag und stelle die schwierige Mehrheitsbildung in den Mittelpunkt. Er nenne 67 von 120 Abgeordneten, die Eisenkot empfohlen hätten, sowie die 28-Tage-Frist und mögliche Koalitionsoptionen mit arabischen oder ultraorthodoxen Parteien.
Euronews: „Eisenkot erhält Regierungsauftrag in Israel: Netanyahu unterliegt nach Wahlen“ (08.11.2026)
Der Artikel ordne den Auftrag stärker über die Sitzverteilung ein: Eisenkots Opposition komme auf 48 Sitze, Netanjahus Lager auf 53, während Likud mit 27 Sitzen stärkste Einzelpartei geblieben sei. Anders als der tagesschau-Beitrag skizziere Euronews zusätzlich die weiteren möglichen Schritte bis hin zu einer Neuwahl.
Beide Beiträge stimmten beim Regierungsauftrag und der fehlenden klaren Mehrheit überein. Unterschiede gebe es vor allem beim Schwerpunkt: Während tagesschau die Koalitionshürden erläutere, stelle Euronews die Sitzverteilung und das weitere Verfahren heraus.
